Der irische Bauernverband (IFA) sorgt sich weiterhin um den Agrarhandel mit Grossbritannien nach dem Brexit. Bauernpräsident Joe Healy warnte am vergangenen Mittwoch bei einer Rinderzuchtveranstaltung in Virginia, dass das Verlassen der Europäischen Union und der Zollunion einem „harten Brexit“ der Briten gleichkomme.
Dies werde insbesondere an der irisch-nordirischen Grenze negative Folgen für die Agrar- und Lebensmittelexporte haben. Dort wechselten jedes Jahr zehntausende Rinder und zahlreiche landwirtschaftliche Güter im Wert von 2,2 Mrd. Euro die Staatsgrenze. Die Agrarund Ernährungswirtschaft auf beiden Seiten der Grenze sei stark verflochten und voneinander abhängig.
Es sei zu begrüssen, so Healy, dass die britische Regierung in dem kürzlich vorgestellten Strategiepapier zum EU-Austritt keine strengen Grenzkontrollen in Irland anstrebe und deshalb ein neues Zollabkommen mit der EU vorgeschlagen habe, dass diese überflüssig mache. Er könne sich jedoch nur schwer vorstellen, wie das in der Praxis erreicht werden könne, da der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen wichtige Fragen wie Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit umfasse.
„Wenn das Vereinigte Königreich auf eigene Freihandelsabkommen mit Drittstaaten besteht, müssten zwei abweichende Regime auf der Insel operieren und es ist nicht zu erkennen, wie dann Grenzkontrollen vermieden werden können“, so der Bauernpräsident. Eine Zollpartnerschaft mit der EU allein sei deshalb keine akzeptable Option, zumal dies weiter ermögliche, dass durch britische Handelsabkommen mit Drittländern umfangreiche und preiswerte Agrarimporte aus aller Welt in das Königreich gelangten. Damit würden dann Waren aus Irland und der EU verdrängt, was Marktungleichgewichte auslösen könne.
Der irische Bauernverband fordert deshalb ein umfassendes Freihandelsabkommen für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel zwischen der EU und Grossbritannien, dass auch die beidseitige Einhaltung von Normen im Bereich Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit, Arbeitsschutz und Umwelt umfasst. Zudem müsse es einen gemeinsamen Aussenzoll für Agrar- und Lebensmittelimporte in die EU als auch in das Vereinigte Königreich geben.