
Auf der Sicherstellung der Energieversorgung im Agrarsektor liege derzeit der Hauptfokus seines Hauses, versicherte Energieminister Sergei Tsivilev.
Ekaterina Sotova
Der Kreml tritt Berichten über Engpässe bei der Treibstoffversorgung während der Erntesaison entgegen. Das russische Energieministerium versicherte bei einem Treffen mit Vertretern des Agrarressorts, dass die von der Landwirtschaft benötigten Mengen an Treibstoff zeitgerecht bereitgestellt würden.
Auf der Sicherstellung der Energieversorgung im Agrarsektor liege derzeit der Hauptfokus seines Hauses, versicherte Energieminister Sergei Tsivilev. Es gehe nicht nur um den Treibstoff für die Erntemaschinen, sondern auch um den Transport sowie die Einlagerung und Weiterverarbeitung des Ernteguts. Die Ukraine sorgt derzeit mit gezielten Drohnenangriffen auf russische Erdölraffinerien für Versorgungsprobleme am dortigen Kraftstoffmarkt.
Exportverbot für Diesel
Derzeit werde gemeinsam mit den Regionen und Ölgesellschaften daran gearbeitet, direkte Verträge abzuschliessen, regionale Betreiber zu bestimmen und den Landwirten erreichbare Tankstellen und Treibstoffdepots zuzuweisen, erklärte Tsivilev. Der Föderale Antimonopoldienst (FAS) überwache weiterhin die Preislage auf dem Kraftstoffmarkt und prüfe die Gültigkeit von Preisänderungen für Erdölprodukte.
Der Minister erinnerte daran, dass am 8. Juli ein vorübergehendes Exportverbot für Diesel in Kraft getreten sei. Diese zunächst bis zum 31. Juli geltenden Massnahme solle die Verfügbarkeit von Dieselkraftstoff am heimischen Markt verbessern. «Diesel ist im System verfügbar, und diese Entscheidung wurde getroffen, um die Reserven zu erhöhen und Panik zu verhindern», so Tsivilev.
Verzögerung der Erntesaison
Die Tageszeitung Kommersant hatte berichtet, der Beginn der Erntesaison im Süden Russlands sei um bis zu zwei Wochen verschoben worden. Allerdings sei dafür nicht die Treibstoffkrise verantwortlich, sondern eine etwas verspätetet Entwicklung der Pflanzen. Laut dem Geschäftsführer des Agrarforschungsunternehmens SovEcon, Andrei Sizov, gibt es jedoch nur eine minimale Verzögerung.
Voll einsatzfähig sind laut Sizov jedoch in erster Linie grosse landwirtschaftliche Produzenten, die während der Ernte auf eingelagerten Treibstoff zurückgreifen könnten. Kleine Betriebe seien hingegen gezwungen, Diesel zu überhöhten Preisen zu kaufen, was sie sich oft nicht leisten könnten.
Landwirte als Wähler nicht vergraulen
Zudem wirft die für September angesetzte landesweite Wahl zur Staatsduma bereits ihre Schatten voraus. Experten sind sich einig, dass die Behörden alles dafür tun werden, um eine ausreichende Treibstoffversorgung der Bauern während der Erntearbeiten sicherzustellen. «Im Allgemeinen unterstützen ländliche Wähler die aktuelle Regierung. Daher glaube ich, dass es Brennstoff für landwirtschaftliche Arbeit geben wird», so ein Marktkenner.