Emmi-Gewinn: Neue müssen warten

Die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) wollen Neumitglieder erst nach vier Jahren am Emmi-Erfolg beteiligen. Auch sonst will der Vorstand bei der Neuaufnahme von Mitgliedern Zurückhaltung üben. Er folgt dabei grossem Druck aus der Basis, die den Emmi-Gewinn nicht mit immer mehr Bauern teilen will.

Daniel Salzmann |

Die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) wollen Neumitglieder erst nach vier Jahren am Emmi-Erfolg beteiligen. Auch sonst will der Vorstand bei der Neuaufnahme von Mitgliedern Zurückhaltung üben. Er folgt dabei grossem Druck aus der Basis, die den Emmi-Gewinn nicht mit immer mehr Bauern teilen will.

Es ist wie beim Erben: Wo viel Geld zu verteilen ist, gibt es eher Streit. Und bei der Emmi-Gruppe, beziehungsweise bei deren Mehrheitsaktionär ZMP, gibt es viel Geld zu verteilen. Auch an die Bauern. Es geht dabei um Millionen, die den Milchproduzenten «rückvergütet» werden.

Im Jahr 2017 wurden auf der Basis des Emmi-Erfolgs 2016 total 7.6 Millionen Franken an die Milchproduzenten «rückvergütet» (1.7 Rp./kg). Für einen Milchproduzenten mit einer Jahresmenge von 200'000 kg waren das im Jahr 2017 also 3400 Franken. Wegen der Emmi-Sonderdividende wird 2018 noch mehr ausbezahlt werden.

Ausgangspunkt Hochdorf-Lieferanten

Ausgangspunkt der Diskussion an der ZMP-Delegiertenversammlung vom Mittwoch in Sempach LU war der Entscheid des ZMP-Vorstands, die 57 Direktlieferanten der Molkerei Hochdorf wieder in die ZMP aufzunehmen. Und zwar aufgrund einer Ausnahmeregelung im Rückvergütungsreglement so, dass die Hochdorf-Direktlieferanten bereits ab Mitte 2018 am Emmi-Erfolg teilhaben zu können.

Für zusätzlichen Unmut sorgte ein Abschiedsgeschenk seitens Hochdorf an diese Direktlieferanten, die 2009 von den ZMP zu Hochdorf gewechselt hatten, weil sie dort ihre Milchmengen ausdehnen konnten (was man damals bei den ZMP noch nicht konnte). Die Diskussionen um die Neuaufnahme von Mitgliedern seien im Vorfeld sehr emotional geführt worden, sagte ZMP-Präsident Thomas Oehen am Mittwoch zu Beginn der Delegiertenversammlung der ZMP in Sempach. Er bat um Sachlichkeit.

Frontalangriff nicht traktandiert

Die ZMP-Wahlkreise Seetal-Freiamt und Sempachersee hatten am 7. März einen Antrag eingereicht mit dem Titel: «Der Vorstand ZMP darf rückwirkend auf den 10. Januar 2018 keine Neumitglieder aufnehmen, bis ein neues Aufnahmereglement von der Delegiertenversammlung genehmigt wurde.» Dieser Antrag richtete sich frontal gegen die Hochdorf-Direktlieferanten.

Doch der ZMP-Vorstand kam zum Schluss, dass dieser Antrag der DV gar nicht erst unterbreitet werden kann. Die Begründung: Beschlüsse des Vorstandes können nicht rückwirkend korrigiert werden, wenn die Kompetenz gemäss Statuten klar beim Vorstand liegt, und dieser nach geltendem Recht/Statuten ZMP gehandelt und entschieden hat.

Antrag noch einmal abgeändert

Wenn jetzt die Hochdorf-Direktlieferanten sogleich wieder ausgeschlossen würden, wäre das Genossenschaftsrecht verletzt, so die Unterlagen. Es blieb von den Wahlkreisen Seetal-Freiamt und Sempachersee der Antrag mit folgendem Wortlaut übrig: «Der Vorstand ZMP darf per sofort keine Neumitglieder aufnehmen, bis ein neues Aufnahmereglement von der Delegiertenversammlung genehmigt wurde.» Dieser wurde aber an der Delegiertenversammlung implizit zurückgezogen. Stattdessen wurde er noch einmal abgeändert, indem er dem Vorstand für 1 Jahr die Hände binden wollte, dem Vorstand Ausnahmeregelungen verbieten wollte und auch Neuaufnahmen von über 5 Mio. kg ausschliessen wollte. 

Marius Muff kritisierte den Vorstand

Milchproduzent Marius Muff erklärte die Beweggründe für diesen Antrag. «Als wir im Dezember von der Absicht des ZMP-Vorstandes lasen, die Hochdorf-Direktlieferanten wieder aufzunehmen, gingen wir sofort zur ZMP-Führung und brachten Vorbehalte an.» Am 26. Februar sei es dann in Kleinwangen zu einer Aussprache gekommen mit Delegierten aus drei Wahlkreisen sowie ZMP-Präsident Thomas Oehen und ZMP-Geschäftsführer Pirmin Furrer.

Zu diesem Zeitpunkt sei das Geschäft mit Hochdorf und deren Lieferanten noch nicht über die Bühne gegangen gewesen, so Muff. In Kleinwangen hätten total 33 Delegierte gesagt, dass sie mit den Details des Hochdorf-Deals, so wie er vorgesehen war, nicht zufrieden seien.  Trotzdem habe der ZMP-Vorstand dies zwei Wochen später so beschlossen.

«Das sind Machenschaften»

Er kritisierte diese Vorgänge als «Machenschaften»: «15 Prozent der Delegierten haben gesagt, dass dies nicht in Ordnung ist. Und ihr habt trotzdem eine Regelung mit einer Ausnahme getroffen.» Deshalb haben man in der Folge zwei Anträge zuhanden der DV ausgearbeitet. Man sei von fast allen Wahlkreisen eingeladen worden. Doch die Geschäftsstelle habe die Herausgabe der Adressen aller Delegierten verweigert.

«Ich glaube nicht, dass es der richtige Weg ist, eine Diskussion zu verhindern», so Muff. Für ihn ist klar, dass die Delegiertenversammlung die letzte Instanz für Neuaufnahmen sein müsse, mindestens für Neuaufnahmen von mehr als 5 Millionen Kilogramm Milch. Milchgeschäfte sollten aber keine verhindert werden. Wichtig ist: «Wir können doch nicht einfach unsere Beteiligung verschenken.»

Vorstand hatte sich vorbereitet 

ZMP-Präsident Thomas Oehen erläuterte die Nein-Empfehlung des ZMP-Vorstandes zu diesem Antrag. Er sagte, dass sich der ZMP-Vorstand beim Hochdorf-Entscheid Anfang Februar durchaus die grossmehrheitliche Zustimmung des Regionalausschusses geholt habe. Er betonte, die zunehmende Brisanz des Themas habe nun auch beim Vorstand Druck ausgelöst, die Thematik rasch zu behandeln.

Der Vorstand sei sich bewusst, dass Anpassungen notwendig seien. «Wir müssen jedoch aufpassen, dass wir uns zukünftiges Wachstum und die Entwicklung der Genossenschaft nicht komplett verbauen. Und dabei sind Handlungsfähigkeit und eine gewisse Flexibilität sehr wichtig.» 

Neu vier Jahre warten

Der ZMP-Vorstand hatte bereits im Vorfeld beschlossen, dass für künftige Neuaufnahmen die folgenden Grundsätze gelten sollen:  

- Neumitglieder bekommen erst nach einer Karenzfrist von 4 Jahren die Rückvergütung vom Emmi-Erfolg. Das heisst, Geld gibt es erstmals im 6. Jahr auf der Basis des Emmi-Erfolgs im 5. Jahr. 
- Der Vorstand als geschäftsführendes Organ ist weiterhin berechtigt, Mitglieder aufzunehmen. Dabei legt er den Fokus auf den Erhalt/Ausbau der Angebotsbündelung Milch im Gebiet und angrenzenden Gebiet ZMP.
- Für Aufnahmen von Gruppen von mehr als 25 Mitgliedern ist der Regionalausschuss zu konsultieren.
- Für ganze PMO/PO werden strategische Partnerschaften/Zusammenarbeiten angestrebt. Das heisst, dass diese nicht via Fusionen/Übernahmen am Emmi-Erfolg beteiligt werden sollen wie die heutigen ZMP-Mitglieder. Oehen sagte, die ZMP hätten viele Anfragen, ZMP-Mitglieder zu werden, gehabt in den letzten Jahren und viele davon abgelehnt.

Antrag relativ knapp abgelehnt 

In der Diskussion meldete sich Niklaus Bircher. Für ihn ist die in Aussicht gestellte «Konsultation» des Regionalausschusses «zu gummig». Bereits kleinere Gruppen (weniger als 25 Mitgliedern) müssten besonders genehmigt werden. Bircher sagte: «Wir Delegierte fühlen uns ab und zu vom Vorstand nicht verstanden und stiefmütterlich behandelt. Delegierte, habt Mut zu Veränderung und stimmt dem Antrag zu!»

Urs Stocker stellte klar: «Es ist nicht so, dass wir die Hochdorf-Direktlieferanten nicht wollten. Was wir kritisieren, sind die Aufnahmebedingungen.» Auch Rolf Stocker sprach sich für den abgeänderten Antrag aus. Wichtig sei, dass nicht noch mehr Milchproduzenten am Emmi-Erfolg bzw. am Erfolg der ZMP Invest teilhaben können. Denn die Grösse des Kuchens sei nun mal beschränkt.

Antrag recht knapp abgelehnt

Trotz rechtlicher Bedenken (der Beschluss hätte angefochten werden können, weil der Antrag noch einmal abgeändert worden war) liess ZMP-Präsident Thomas Oehen darüber abstimmen. Die Abstimmung ging im Sinne des Vorstands aus: 125 Delegierte lehnten ihn ab, 98 sagte Ja, 18 enthielten sich. Oehen versprach: «Wir nehmen das Votum sehr ernst. Wir werden uns sehr genau Gedanken machen, wie wir das in Zukunft handhaben werden.» Der Vorstand habe ja schon Beschlüsse gefasst und werde das Thema erneut auf die Traktandenliste setzen. 

Adrian Zemp-Lüscher neu im Vorstand

Vizepräsident Franz Häfliger, der seit 2009 im Vorstand ZMP Einsitz nahm, trat altershalber gemäss Statuten ZMP auf die Delegiertenversammlung hin zurück. Der Präsident ZMP ehrte die Verdienste Häfligers, der sich sehr für den Emmentaler AOP engagiert hatte.

Die Delegierten bestätigten die sechs zur Wiederwahl stehenden Vorstandsmitglieder mit grosser Mehrheit. Für den freien Sitz im Vorstand wurde Adrian Zemp-Lüscher (42) Ebnet LU, ebenfalls mit grosser Mehrheit gewählt. Adrian Zemp ist gelernter Landwirt und Agrokaufmann. Er bewirtschaftet einen Vollweidebetrieb in der Bergzone I und ist Käsereimilchlieferant Emmentaler AOP, neben der Milchwirtschaft hat er noch Schweinezucht und Mast.

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