«Es ist an der Zeit, in den Markt einzugreifen»

Die Milchpreissenkungen entsprächen nicht dem Markt, kritisiert Jacques Bourgeois. Jetzt müsse der Bauernverband eingreifen

Daniel Etter |

Die Milchpreissenkungen entsprächen nicht dem Markt, kritisiert Jacques Bourgeois. Jetzt müsse der Bauernverband eingreifen

«Schweizer Bauer»: Der Schweizerische Bauernverband (SBV) kritisiert die jüngsten Milchpreissenkungen. Etwa jene um 3,7 Rappen von Hochdorf. Entsprechen diese Senkungen nicht einfach dem Markt?
Jacques Bourgeois: Nein, die jüngsten Milchpreissenkungen entsprechen nicht dem Markt. Der Lagerbestand der Butter ist mit zurzeit rund 4500 Tonnen im Vergleich zu den Vorjahren tief. Dazu kommt, dass die Milcheinlieferungen in etwa konstant sind. Wir haben also kein Verständnis dafür, dass seitens der Verarbeiter derart Druck auf die Milchpreise ausgeübt wird. Die Preissenkungsrunde wurde jetzt von einzelnen Abnehmern eingeläutet, obwohl Preissenkungen nicht nötig gewesen wären.

Begründet wird die aktuelle Senkung mit fehlenden Mitteln beim Schoggigesetz.
Es ist eine Tatsache, dass nicht genügend Gelder für die Rohstoffverbilligung vorhanden sind. Auf die gesamte Milchmenge bedeutet dies aber höchstens einen Bruchteil der Preissenkungen.

Ihre Kritik alleine führt nicht zu höheren Milchpreisen. Wäre es nicht an der Zeit, dass sich der Schweizerische Bauernverband aktiv in den Milchmarkt einschaltet?
Der Bauernverband griff kurz nach der Aufhebung der Milchkontingentierung in den Milchmarkt ein. Er tat dies, indem er mithalf, die BOM zu schaffen. In einer weiteren Phase wollten wir der BOM die Chance geben, den Milchmarkt selber in den Griff zu bekommen. Heute müssen wir feststellen, dass die Marktsegmentierung nicht funktioniert und dass es an Transparenz fehlt. Es ist also an der Zeit, zusammen mit den Schweizer Milchproduzenten und den Produzentenorganisationen Gespräche zu führen und in den Markt einzugreifen.

Wollen Sie die Produzentenorganisationen dazu bringen, gemeinsam aufzutreten, sprich zu fusionieren?
Die Produzenten müssen geeinter auftreten. Es ist also unabdingbar, dass die Produzentenorganisationen vermehrt zusammenarbeiten. Wichtig ist, dass die Segmentierung endlich bis hin zum Produzenten umgesetzt wird. In der aktuellen Situation laufen wir Gefahr, dass das C-Segment die wertschöpfungsstarke A-Milch nach unten zieht. Wir wollen dafür sorgen, dass die Standardverträge eingegangen werden und dass die Verarbeiter nicht billige Milch in wertschöpfungsstarke Märkte liefern können. Wir verlangen, dass die Verarbeiter genau offenlegen, welche Milch sie zu was verarbeiten. Dazu habe ich auch eine Motion im Parlament eingereicht. Wird diese Motion angenommen, wird die Agrarpolitik 2014–2017 Besserung bringen.

Was müssten denn die Bauern tun, um den sinkenden Preisen entgegenzuwirken?
Für den einzelnen Bauern ist es schwierig, Gegensteuer zu geben. Er muss volle Transparenz verlangen. Seine Organisation muss ihm aufzeigen, was mit seiner Milch genau geschieht. Es ist wichtig, dass er Einfluss auf seinen Abnehmer und seine Organisation nimmt. Die Bauern müssen aber vor allem geeinter auftreten und nicht Milch um jeden Preis produzieren

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