Für den letzten Beitrag zur Serie Junglandwirte sollte entweder ein Schweineproduzent oder aber eine junge Frau interviewt werden. Gefunden haben wir Fabienne Suter: Sie ist Schweinezüchterin und -mästerin mit Meisterprüfung.
«Schweizer Bauer»: Ab diesem Jahr führen Sie einen Betrieb auf eigene Faust. Einen Mann würde ich als Bauern bezeichnen, das Pendant dazu wäre ja Bäuerin?
Fabienne Suter: Korrekterweise bin ich eine Landwirtin EFZ. Seit letztem Jahr habe ich dazu noch die Meisterprüfung erfolgreich abgeschlossen. Die Bäuerin ist wohl eher die Frau des Bauern.
Wollten Sie schon Ihr ganzes Leben lang Landwirtin werden?
Für mich kam nie etwas anderes infrage.
Jetzt sind Sie Besitzerin eines eigenen Betriebs und führen diesen. Ist es so, wie Sie es sich vorgestellt hatten?
Ja. Es reizt mich, den Betrieb auf eigene Rechnung zu führen und laufend zu optimieren. Ich märte halt auch sehr gerne. Das geht aber nur bei den Schweinen, wo der Markt voll spielen kann. Bei Schweinen gelten Angebot und Nachfrage, die den Preis gestalten, hier ist es interessant, im besten Moment ein gutes Angebot zu haben. Märten kann ich eher beim Einkaufen der Rohstoffe für die Mahl- und Mischanlage.
Wären Sie weniger begeistert vom Beruf, wenn Sie Milch produzieren würden?
Ja. Ich habe aber Kühe oder Pferde sehr gerne, aber in diesen Betriebszweigen finde ich nicht den Markt vor, den ich so spannend finde. Was im Milchmarkt abgeht, würde ich nicht mitmachen.
Dem freien Markt verdanken die Schweinebauern das schlechte letzte Jahr.
Ich habe 2011 in einer Generationengemeinschaft mit meinem Vater begonnen. Wir hatten damals 9 Franken Stundenlohn. Für diese Zeiten muss man sich halt zuvor ein Liquiditätspolster anhäufen.
Haben Sie sich für die neuen Programme angemeldet?
Das Einzige, was ich bekomme, sind Versorgungssicherheitsbeiträge. Ich will in erster Linie unsere Bevölkerung ernähren. Wenn ich Freude an Blumen gehabt hätte, wäre ich Floristin geworden. Es macht mich auch wütend, wenn ich sehe, dass auf bestem Ackerland Nussbäume gesetzt werden, nur um Beiträge zu kassieren.
Sehen Sie weitere Herausforderungen für Jungbauern?
Die jetzige abtretende Generation hat viel in die Betriebe investiert und sich dadurch zum Teil massiv verschuldet. Die Nachfolgergeneration muss die Gebäude übernehmen. Bevor aber investiert werden kann, müssen zuerst Hypotheken und Darlehen der letzten Generation bezahlt werden.
Gibt es für Sie als Frau spezielle Hürden als landwirtschaftliche Betriebsleiterin?
Ab und zu kommt es vor, dass ein Vertreter auf den Hof kommt und mich nach dem Chef fragt oder es super findet, dass ich als Frau das Lehrjahr mache. Damit kann ich aber umgehen. Eine wirkliche Herausforderung ist naturbedingt. In unserer Gesellschaft ist es ja nach wie vor so, dass Frauen die Kinder austragen. Gleichzeitig einen Betrieb zu managen, ist anspruchsvoll. Es braucht einen Partner, der die Arbeit auf dem Hof gleich gut sicherstellen kann.
Sie haben so einen Partner?
Ja.
Versteht er schon etwas vom Schweinebusiness?
Ja. Ich muss selber staunen.
Wie viele Schweine haben Sie in 20 Jahren?
Doppelt so viele wie heute.
Was wünschen Sie sich von der Politik?
Dass wir unabhängig von Subventionen sind und dafür für unsere Produkte anständig entschädigt werden. Verstehen Sie mich richtig. Ich gehe auch gerne wandern oder Ski fahren, deshalb verstehe ich auch, dass man im Berggebiet die Landschaftspflege angemessen bezahlen muss. Aber wir hier unten müssen produzieren können. Es ist mir unangenehm, wenn ich der übrigen Bevölkerung erklären muss, wieso ich Geld für Brunnen oder Nussbäume erhalte, deren Nüsse dann nicht mal geerntet werden. So verlieren wir viel Goodwill.
Betrieb Suter
Ab 1. Januar hat die 31-jährige Fabienne Suter in Büren an der Aare BE den Betrieb von ihrem Vater übernommen. Auf den 16 Hektaren Ackerland im Seeland baut sie Mais, Raps, Gerste und Zuckerrüben an. Der Kernzuchtbetrieb hält insgesamt 700 Schweine, wobei auf 250 Plätzen selber Schweine ausgemästet werden. Auf dem Betrieb arbeitet derzeit Fabienne allein, ab 1. April wird ihr Partner ebenfalls auf dem Betrieb tätig werden. rab