Futter ist Gold wert – trotzdem siliere ich nicht

Nach einem Sommer voller Trockenheit, Hitze und Engerlingsschäden ist Futter Mangelware und teuer. Trotzdem verzichtet Anja Tschannen auf Siloballen. Weshalb die Betriebsleiterin und «Schweizer Bauer»-Redaktorin diesen riskanten Entscheid getroffen hat, erzählt sie in ihrem neuen Blog.

ats |

Silieren oder nicht silieren, das ist hier die Frage. Seit Wochen gehe ich die verschiedenen Möglichkeiten in meinem Kopf durch und tue mich unglaublich schwer mit der Entscheidung. Jetzt haben wir Anfang November. Lägen ein «normaler» Frühling und Sommer hinter uns, wäre es einfacher, denke ich mir. Doch dem ist nicht so.

Monatelang fiel fast kein Regen. Der erste Schnitt war bescheiden. Im Frühling konnte zwar Raufutter in guter Qualität eingebracht werden, aber nur in unterdurchschnittlicher Menge.

Statt Vollweide musste bereits Ende Juni auf 100 Prozent Winterfütterung gewechselt werden. Sommer, Sonne, Sonnenschein. Und dazu eine unsägliche Hitze liessen alles verdorren. Während die Badis vor lauter Gästen überliefen, lief hier auf dem Hof vor allem eines: der Schweiss.

Ein Sommer am Limit

Es war ein harter Sommer. Physisch und psychisch. Er zog sich dahin wie ein zäher Kaugummi. Wochenlang stagnierte alles, und trotzdem lief viel. Die Tiere den ganzen Sommer über drinnen zu füttern, bedeutet gleichzeitig den ganzen Sommer über Stallarbeit. Das neben der Getreideernte, vielen unvorhergesehenen Sonderprogrammen und häufig bei Temperaturen von über 35 Grad. Körperliche Arbeit am Limit.

Von der Moral ganz zu schweigen: Wenn sich alles in eine Savanne verwandelt, die Bäume eine Jahreszeit zu früh ihre Blätter abwerfen, Mensch, Natur und Tiere leiden und es endlos so weiterzugehen scheint.

Nach der Hitze kamen die Engerlinge. Auf einigen Flächen herrscht Totalschaden. Nie waren die Bedingungen hier gut genug, um mit einer Sanierung der Weiden zu beginnen. Das Saatgut steht unberührt in den Originalsäcken vor der Scheune. Trotzdem geht es weiter. Immer weiter.

Zwischenfutter für Herbstweiden und Siloballen

Auf allen freien Flächen haben wir nach den Hauptkulturen Zwischenfutter gesät. Für die Herbstweiden und Siloballen. Dachte ich zumindest. Nach dem Säen hat es einmal geregnet. Das hat ausgereicht. Die einst braun gebrannten Weiden wurden wieder grün. Das Zwischenfutter ist aufgelaufen. Doch dann blieb der Regen erneut aus.

Im Oktober hätte ich silieren wollen. Doch die Bestände sagten etwas anderes. Mähen, kreiseln, schwadern, pressen und die Ballen nach Hause fahren. Mindestens fünf Durchgänge sind nötig. Und für was das Ganze? Um am Schluss eine horrend tiefe Ernte in schlechter bis mittlerer Qualität einzufahren. Denn bisher waren die Bedingungen nur semioptimal. Und schnittfrisches Gras einzupacken, das nicht mindestens ein kleines bisschen anwelken konnte, ist nicht so mein Ding.

Schon allein die Vorstellung, wie ich mich während der Winterfütterung mit den «Matschballen» herumschlagen muss, lässt mich innerlich auf einen Nervenzusammenbruch zusteuern. Vom Geruch der «Sauerkrautballen» ganz zu schweigen. Da muss die Waschmaschine wieder eine Meisterleistung vollbringen, um den Gestank aus den Arbeitskleidern herauszubekommen.

Zum Blog und zum Betrieb

Anja Tschannen arbeitet als Redaktorin beim «Schweizer Bauer». Sie betreibt in einer ÖLN-Gemeinschaft einen Nebenerwerbsbetrieb mit rund 20 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche. Der Betrieb befindet sich im Kanton Freiburg auf rund 650 Meter über Meer.

Auf dem Betrieb hält sie alte, vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen. Evolèner Rinder, Rätisches Grauvieh, Pommernenten, Diepholzer Gänse, Freiberger Pferde, verschiedene Hühnerrassen, Schweine, ein paar Hofkatzen und der Appenzeller Sennenhund Max gehören zu ihrer bunten Tierbande.

Sie schreibt in ihrem Blog über ihre Erlebnisse und Erfahrungen als Betriebsleiterin auf ihrem Hof.

Eine Entscheidung mit Risiko

Die letzten Ackerbauarbeiten werden diese Woche abgeschlossen. Am Wochenende geht es ans Einwintern der Maschinen. Draussen steht jetzt noch Futter. Die Holzpfosten für die Herbstweiden sind geschlagen. Noch die Stromlitzen ziehen, und dann geht es mit den Herden von den Dauerwiesen auf die letzten Zwischenfutterflächen.

Nach ewigem Hin und Her habe ich mich gegen das Silieren entschieden. Ob es die richtige Entscheidung war? Nach heutigem Wissensstand und meinem Gefühl: ja. Irgendwann muss halt einfach eine Entscheidung her. Und sehr zur Freude oder auch zum Leidwesen bleibt die Entscheidung und Verantwortung immer beim Betriebsleiter oder der Betriebsleiterin hängen. Inklusive der Konsequenzen.

Futter ist Gold wert

In der Landwirtschaft Entscheidungen zu treffen, ist auch immer eine Lotterie. Ein Eingehen von Risiko. Berufsrisiko beziehungsweise Unternehmensrisiko halt.

So wie es im August ein Pokern war, auf sämtlichen Flächen Zwischenfutter auszubringen – in der Hoffnung, viele Siloballen machen und mit ruhigerem Gewissen in die Winterfütterungszeit starten zu können. Keine einzige Siloballe ist aus diesem Poker hervorgegangen.

Dafür konnte seit Mitte September wieder Vollweide betrieben werden. Und das ist auch viel wert. Nun hoffe ich darauf, dass sich der Herbst noch lange zieht und die Rindviecher auch noch den letzten Halm des nicht silierten Zwischenfutters abfressen können. Denn ob stehend oder siliert: Es ist Futter. Und Futter ist in diesem Jahr Gold wert.

Kommentare (8)

Sortieren nach: Likes | Datum
  • Jris | 06.11.2026
    Genau wie oben SAM sagt.Mein Land war auch im Sommer die reinste Steppe.Alles dürr und es hat kaum geregnet. Jetzt ist es aber gewachsen und sehr dicht.Hab es gemäht und freue mich auf die Siloballen.Das Gras ist nicht nass und es wird nicht saften.Kreislern ist nicht nötig. Stinken tut es nur wenn man Ställe hat, die vorne und hinten zu sind.
  • F89f | 05.11.2026
    In Niederrickenbach Faulheit ,in den Letzten 3 Jahren über 5 ha. Nie genutzt, jedes Jahr für ca.12 GVE Gras ,Heu verfault. Gülle,Mistwasser überläuft. Wie lange muss der Steuerzahler dieser Sauerei noch zusehen, in einem Tourismus Gebiet.
  • Ketzer | 05.11.2026
    Wurde dieses Jahr eigentlich auch tonnenweise Mais in die Biogasanlage gekarrt?
    • Tommy | 05.11.2026
      Ist in der Schweiz verboten, dehalb nein.
    • Bauer 1 | 05.11.2026
      In der schweiz garnicht erlaubt
  • Bauer mit Minimalbildung | 05.11.2026
    Warum nicht eingrasen?
    Die Böden sind sehr gut befahrbar.
    Viele Bauern wären Gottefroh
    um einige Ladewagen Grünfutter!
    • Raigras | 05.11.2026
      Weil sie es selber braucht,und weiden günstiger ist.....
    • Sam | 06.11.2026
      Aso das silieren ist ja gar kein problem, gras das so trocken gewachsen ist saftet nicht! Und wenn das silo stinkt, sollte sie vileicht an der technik etwas schrauben. Für was im herbst noch kreiseln, damit dreck ins futter kommt? Mähen, ein tag liegen lassen, damit der boden zwischen den maden sauber abtrocknet, schwaden fertig.
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