Vergangenen Freitag wurde an einer ausserordentlichen DV Hans Frei, Watt, Nachfolger ad interim von Hans Staub, Wädenswil, als Präsident der Zürcher Bauern gewählt.
Der plötzliche Rücktritt von Hans Staub vor rund vier Monaten hatte im wahrsten Sinne des Wortes Staub aufgewirbelt. Staub war ein beliebter Präsident gewesen. Seine offene Art, sein grosser persönlicher Einsatz und sein unabhängiges Denken, das er sich trotz SVP-Parteimitgliedschaft immer bewahrt hatte, genossen Respekt bei Freund und Feind.
Streitpunkt Kulturlandinitiative
Die Annahme der Kulturinitiative durch das Zürcher Stimmvolk war für ihn ein heimlicher Triumph, denn als bekennender und langjähriger Kämpfer für fruchtbaren Boden hatte er die Initiative immer unterstützt. Nicht zur Freude aller Bauern, denn diese waren in ihrer Meinung gespalten, genau wie der ZBV-Vorstand, der damals nach einer internen Abstimmung mit 8:8 Stimmen offiziell Stimmfreigabe beschlossen hatte. Die klare Annahme der Initiative war ein Schock und entsprechend die Reaktionen. „Du liegst im Lotterbett mit den Grünen“, „du bist ein Wirtschaftsverhinderer“ und noch schlimmer: „du bist kein richtiger Bauer“ - ob es wirklich die Vorwürfe der Kollegen waren, welche Hans Staub zum Rücktritt bewogen? „Ich kann nur nochmals betonen, dass ein Rücktritt nie zur Diskussion stand“, stellte Hans Frei klar. Sicher ist, dass sich Hans Staub nicht mehr getragen fühlte und die Konsequenzen zog, wie er an der Versammlung sichtlich bewegt erläuterte.
Kritik an Einervorschlag
Hans Frei amtete seither als Präsident ad interim. Im Bewerbungsverfahren setzte er sich bei der Findungskommission gegen seine Mitbewerber Martin Haab (Mettmenstetten) und Martin Hübscher (Bertschikon) durch und wurde der Delegiertenversammlung als einziger Kandidat vorgeschlagen. Dieses Vorgehen wurde an der Versammlung kritisiert, hätten die Anwesenden so doch keine Auswahlmöglichkeit, wurde gesagt. Vor allem die Vertreter aus dem Bezirksverein Winterthur wehrten sich und verteidigten ihren Kandidaten Martin Hübscher. Diesem wurde sein unschlüssig wirkendes Verhalten zum Verhängnis, denn nachdem seine Bewerbung bei der Findungskommission keine Chance hatte, erwünschte er sich Bedenkzeit, zog dann die Bewerbung zurück, um sich an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung dann doch zur Wahl zu stellen. Entsprechend klar fiel das Resultat aus: 139 Stimmen für Hans Frei, 32 Stimmen für Martin Hübscher, 3 Enthaltungen.
Neuer Präsident
Damit hat der ZBV wieder einen Präsidenten für die nächsten zwei Jahre. Martin Hübscher liess es zum jetzigen Zeitpunkt offen, ob er später wieder kandidieren würde. Er ist mit seinen 43 Jahren zwar 16 Jahre jünger als Hans Frei, aber die gute Vernetzung von Frei in seiner Funktion als Kantonsrat, die grosse Erfahrung und seine Entschiedenheit, mit der er das Amt anstrebte, überzeugten die Delegierten offensichtlich. Diese waren während des ganzen Abends allerdings eher zurückhaltend und die vorgeschlagene Aussprache fand nicht statt: Was die Basis wirklich denkt und wo der Schuh drückt, wird - wenn überhaupt - vielleicht erst an der nächsten Generalversammlung zu hören sein.
Bereits jetzt zeichnet sich jedoch ab, dass mit dem zielstrebigen Hans Frei ein Präsident gewählt wurde, der die Interessen der Zürcher Bauern energisch verteidigen möchte. Damit geht nicht eine Ära zu Ende, sondern sie geht weiter, wenn auch vielleicht in einer andere Tonlage: Sowohl Frei wie auch Staub wollten und wollen im Grunde genommen das Gleiche, nur haben sie unterschiedliche Vorstellungen, wie sie es erreichen können: Der Boden – vor allem der Schutz der Fruchtfolgeflächen – bleibt weiterhin ein Schwerpunkt des ZBV. Hans Frei: „Der Raum ausserhalb des Siedlungsgebietes wird von vielen Leuten begehrt, wie zum Beispiel von Planungsbüros. Wir werden uns auf jeden Fall einbringen und die Umsetzung der Kulturlandinitiative im Auge behalten“.
Grosses Plus
Das grosse Plus, welches der ZBV vermutlich gar noch nicht richtig abschätzen kann, sind die Nebenwirkungen der Neuwahl: Während mit Hans Frei ein motivierter, fachkundiger neuer Präsident gefunden werden konnte, agiert Hans Staub im Hintergrund weiter für die Zürcher Bauern. Er ist an der Umsetzung der Kulturinitiative aktiv beteiligt und bringt so an vorderster Front die Anliegen der Bauern ein. Die Zürcher Bauern haben also doppelt gewonnen.