Der Schweizer Milchverarbeiter Hochdorf befindet sich in einer Phase der Fokussierung und Stabilisierung auf das Kerngeschäft. Gemäss CEO Peter Pfeilschifter muss das Wachstum vom Bereich Babynahrung kommen.
Die vergangenen Monate waren für das Innerschweizer Unternehmen nicht einfach. Im März gab Hochdorf die Zahlen aus dem Jahr 2019 bekannt. Diese waren miserabel.
Pharmalys als Grund
Die Gewinnzahlen waren auf allen Stufen tiefrot: Konkret kommunizierte Hochdorf einen Ebit von -265,3 Mio. Fr. (2018: +18,6 Mio. Fr.) und einen Verlust von 271,4 Mio. Fr. (2018: +8,7 Mio. Fr.). Der Umsatz brach 2019 um 18,6% auf 456,8 Mio. Fr. zusammen. Als Grund für die Krise wurde vor allem die 51-%-Tochter Pharmalys genannt. Die Herstellerin von Babynahrung-Produkten hatte sich deutlich schlechter als erwartet entwickelt.
Die Beteiligung wurde für 100 Millionen Franken an Minderheitsaktionär Amir Mechria verkauft. Das ist viel weniger, als Hochdorf seinerzeit für die 51%-Beteiligung bezahlt hatte: 245 Millionen Franken, davon rund 114 Millionen in bar und 131 Millionen Franken in Form einer Pflichtwandelanleihe.
Weniger Milch verarbeitet
Zudem verarbeitet Hochdorf im vergangenen Jahr 4.7 Prozent weniger Schweizer Milch. Die Menge sank um 17'400 Tonnen auf 391'409 Tonnen Milch und Molke. Zurückgeführt wurde dies auf die tieferen Milcheinlieferungen in der Schweiz und den schlechteren Milchpreis im Vergleich zur Konkurrenz.
Aufbau von neuen Märkten braucht Zeit
In der Samstagsausgabe der «Finanz und Wirtschaft» äusserte sich Konzernchef Peter Pfeilschifter zu den Plänen des Unternehmens. Das Wachstum müsse vom Bereich Babynahrung kommen. Hier habe Hochdorf ausreichend Kapazitäten im Werk Sulgen TG, um in den nächsten Jahren im Weltmarkt nachhaltig wachsen zu können. Es gehe nun in erster Priorität darum, das Werk auszulasten. So können das Unternehmen Wachstum, aber auch Mehrwerte für die Aktionäre schaffen.
Doch Pfeilschifter dämpft die Erwartungen. Projekte bei Babynahrung seien langfristige Projekte. «Wir müssen mindestens ein Jahr, meistens aber eineinhalb bis drei Jahre einplanen. Das hängt vom Land, vom Kunden und von den regulatorischen Anforderungen ab. Wir gehen daher davon aus, dass wir etwa fünf Jahre benötigen werden, um werthaltig und nachhaltig zu wachsen», sagte er zur «Finanz und Wirtschaft».
Babynahrung: Umsatz verdoppeln
Im Fokus der Wachstumspläne steht Bimbosan. «Wir wollen mit unserer eigenen Marke international wachsen. Wir werden aber auch weiterhin für Drittmarken Babynahrung herstellen», so Pfeilschifter. Der Bereich Baby Care soll in den kommenden fünf Jahren den Umsatz verdoppeln. Heute stammen etwa zwei Drittel des Umsatzes aus Dairy Ingredients und ein Drittel aus dem Baby-Care-Geschäft.
In fünf Jahren soll das Verhältnis fünfzig zu fünfzig erreichen. «Dairy Ingredients wird volumenmässig kaum wachsen und sich im Bereich der Umsatzprognose für dieses Jahr einpendeln», so der Hochdorf-Chef. Für Baby Care liege die Umsatzprognose für 2020 bei 90 bis 110 Millionen Franken, für Dairy Ingredients bei 190 bis 210 Millionen.
Dairy Ingredients: Entwicklung, Produktion und Vermarktung verschiedener Pulverprodukte aus Milch und Molke
Baby Care: Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Premium-Produkten im Bereich milchbasierter Mama-, Baby-, Kleinkinder- und Juniornahrung
Unternehmen langfristig gesichert
Auch bei der Finanzierung des Unternehmens gibt sich der Hochdorf-Chef zuversichtlich. Das Unternehmen sei bis Ende September 2023 mit der Möglichkeit, um zwei Jahre zu verlängern, langfristig finanziert. Durch den Verkauf von Pharmalys hätten sich die Kennzahlen verbessert.
Der längerfristige Finanzierungsbedarf werde wesentlich von der Zukunftsstrategie für beide Geschäftsbereiche abhängen, die ab Mitte Jahr weiter konkretisiert werde. «Im Moment ist eine Kapitalerhöhung kein Thema», sagte der CEO. Wenn Hochdorf mit Baby Care in China als Hersteller für Drittmarken oder mit einer eigenen Marke langfristig erfolgreich sein wolle, dann müsse in die nachhaltige Entwicklung von Chinakompetenzen investieren werden.
«Nachfolgelösung verstärkt Wettbewerb»
Die Nachfolgelösung des Schoggigesetzes ist für den Konzernchef tendenziell zum Nachteil von Hochdorf ausgefallen. «Direkt sind wir über unsere eigenen Exporte betroffen. Indirekt vor allem über die Schokoladenindustrie, die wir in der Schweiz als Marktführer beliefern und die sehr exportorientiert ist. Zudem hat sich durch die Nachfolgelösung der Wettbewerb im Inland verstärkt. Damit stehen automatisch die Inlandpreise unter Druck», sagte er zur «Finanz und Wirtschaft».
Gute Gespräche mit ZMP
Die Gespräche mit Grossaktionär ZMP seien gut. «Sie ist ja eine unserer wichtigsten Milchlieferantinnen. Daraus ergibt sich das gemeinsame Interesse, die Milch bestmöglich zu verwerten und gegenseitig verlässliche Partner zu sein», so Pfeilschifter. Mit den zwei Werken in der Zentral- und in der Ostschweiz sei Hochdorf ein bedeutender Abnehmer für die Milchproduzenten.
Mit dem zweiten Grossaktionär, Pharmalys Invest Holding, hinter der Amir Mechria steht, hat Hochdorf die «strategischen Anknüpfungspunkte auf der Kundenseite». Keinen direkten Kontakt hatte Pfeilschifter bisher mit dem dritten Grossaktionär, der Stichting General Holdings.