«Ich arbeite für 8.30 Franken pro Stunde»

Die Einkommenssituation der Schweizer Bauern und Bäuerinnen gibt immer wieder Anlass zu Diskussionen. Der Milchproduzent Jörg Büchi gewährte der «SonntagsZeitung» Einblick in seine Bücher.

clu |

Büchi hat vor drei Jahren den Hof seiner Eltern in Elgg ZH übernommen. Mit rund 30 Hektaren Landwirtschaftsfläche und 30 Kühen entspricht sein Betrieb fast dem Durchschnitt im Schweizer Mittelland. Der 28-Jährige ist stark in den sozialen Medien präsent, wo er SRF zuweilen auch des «Bauernbashings» bezichtigt: 

«Daran, dass unsere Branche vor allem in den links geprägten Städten ein Imageproblem hat, sind wir auch selber schuld: Wir müssen viel mehr kommunizieren und den Leuten zeigen, wie es wirklich ist», sagt Büchi im Artikel der «SonntagsZeitung» . Büchi meint also, dass die Bauern etwas gegen die Vorurteile der Städter machen könnten und dies in der Vergangenheit versäumt wurde. Fehlinformationen seitens SRF wurden beispielsweise einfach unkommentiert gelassen.

Was die Leute gemäss Büchi oft nicht wüssten: Viele Forderungen, die an die Bauern gestellt werden, seien widersprüchlich. Er führt ein Beispiel an: «Fürs Tierwohl investierten viele von uns in einen Laufstall», sagt er. «Ein Laufstall allerdings führt zu höheren Ammoniak-Emissionen», fährt er fort.

Die Zahlen

Ein Milchbetrieb vergleichbar mit jenem von Büchi erzielt inklusive Direktzahlungen gemäss Agroscope einen Umsatz von rund 250’000 Franken. Wie Büchi gegenüber der «SonntagsZeitung» sagt, generierte er rund 180’000 Franken  durch den Verkauf von Milch. Etwas mehr als 50’000 Franken kommen durch die Direktzahlungen rein, der Rest durch den Pflanzenanbau.

Im Durchschnitt bleibt einem Schweizer Milchbetrieb in der Talregion nach Abzug aller betrieblichen Kosten (ausser dem Lohn für die Familienmitglieder) ein Gewinn von 79’700 Franken. Verteilt auf 1,34 Familienmitglieder Vollzeit, die auf dem Hof mitarbeiten, kommt Agroscope auf einen durchschnittlichen «Arbeitsverdienst pro Familienarbeitskraft» von 56’100 Franken. Dies ergibt ein Familieneinkommen von 79’700 Franken.

-> Die Einkommensstatistik von Agroscope für Landwirtschaftsbetriebe im Jahr 2022 kann hier abgerufen werden.

Zehn Tage Ferien

Von diesem Betrag müssten aber Investitionen getätigt und Schulden abbezahlt werden, macht Büchi gegenüber der «SonntagsZeitung» klar. Nach Abzug der Zinszahlungen und des Schuldenabbaus seien ihm letztes Jahr nur etwas mehr als 28’000 Franken übrig geblieben. Da die Eltern mithelfen, ergibt das einen Netto-Verdienst pro Familienarbeitskraft von 22’000 Franken. «Ich arbeite 63 Stunden pro Woche und ich mache zehn Tage Ferien», ergänzt er.

Zieht Büchi die Stunden der externen Arbeit, die er in einem Treuhandbüro verrichtet ab, so bleiben 8.30 Franken pro Stunde, verrät der Bauer der Zeitung. Rechnet man eine fiktive Miete von 12’000 Franken pro Jahr hinzu – denn Büchis Wohnung gehört zum Hof – , käme er auf einen Stundenlohn von 12.70 Franken.

Zum Vergleich: der Median des Jahresbruttoeinkommen eines Vollzeit arbeitenden Schweizer Mannes betrug im Jahr 2022 85'300 Franken. Geht man von einer Jahresarbeitszeit von 2’184 Stunden pro Jahr ( 52 Wochen x 42 Stunden ) aus, ergibt sich ein Stundenlohn von rund 39 Franken. 

Betrieb also sofort einstellen

Rein aus wirtschaftlicher Sicht, so die «SonntagsZeitung», müsste man den Betrieb also sofort einstellen. «Stimmt», sagt Büchi, «aber ich bin ja nicht Bauer wegen des Geldes.» Dann erklärt er, wies oftmals läuft: man arbeitet Teilzeit auswärts, um sich das Bauern zu finanzieren. Zu den Direktzahlungen hat Büchi ein zweispaltiges Verhältnis.

Direktzahlungen, so Büchi, ermöglichen einerseits, den Betrieb aufrechtzuerhalten, andererseits seien sie an viele Vorgaben und Regeln geknüpft. Das bedeutet auch eine enorme Bürokratie. 4000 Seiten an Gesetzen und Verordnungen regeln die Landwirtschaft in der Schweiz.

70 Prozent der Direktzahlungen sind leistungsgebunden, also Entschädigungen für Tierschutz- oder Umweltvorgaben, die zu Mehraufwand oder Mindereinnahmen führen. «Ich kann wohl für die Mehrheit der Bauern sprechen, wenn ich sage: Wir hätten lieber einen fairen Preis für unsere Produkte al s Subventionen», sagt Büchi zur Zeitung.

Hier erklärt Büchi, was 8 Millimeter Regen zum falschen Zeitpunkt bedeuten:

Kommentare (18)

Sortieren nach: Likes | Datum
  • boyarka-Inform.com | 04.01.2025
    Dieser Kommentar wurde von der Redaktion entfernt.
  • boyarka-Inform.com | 03.01.2025
    Dieser Kommentar wurde von der Redaktion entfernt.
  • Christoph Büschi | 30.01.2024
    Also ich habe meinen Betrieb extensiviert. Daher arbeite ich weniger und verdiene mehr. Mit der Milchviehhaltung haben wir täglich Geld verloren und das wird sicher noch auf vielen Betrieben so sein. Da wird nicht gerechnet und einfach gearbeitet. Viele Milchviehbetriebe sind hoch Mechanisiert. Dies natürlich aus gutem Grund, wenn immer weniger Leute auf den Betrieben arbeiten. Aber diese Technik verschlingt leider auch viel Geld. Ich würde auch gerne wieder Milchkühe halten aber einen Kilo-Preis unter 1 Franken ist für mich nicht tragbar. Verzichten würde ich dafür auf DZ wenn sich endlich was ändert in der Politik.
  • Victor Brunner | 23.01.2024
    Ich verstehe die Milchbauern nicht! Sie haben ein hervorragendes Produkt, die stärkste Lobby in Bern, einen Bauernpräsidenten der für jeden Trick gut ist, eine Verwaltung die den Milchbauern dienlich ist, von Werbefinanzierung bis zu der Steuerung von Milchimporten. Eine wohlgesonnen Bevölkerung die bestimmt bereit wäre für den Liter einheimische Milch 20 Rappen mehr zu bezahlen. Die Bauern und ihre Lobby sind eine Macht die es mit den Grossverteiler aufnehmen kann. Nur, die Bauern sollten geschlossen auftreten, nicht die Grossen gegen die Kleinen, Macht endlich ausüben, die Kollegen ennet der Grenze machen es vor! Hört auf mit jammern, handelt!
  • Fridu | 23.01.2024
    kleine, aber nicht unwesentliche Korrektur an den Schweizer Bauer: in der TALREGION lag der Arbeitsverdienst der Familie bei 95339.-, je Familienarbeitskraft bei 73452. Die zitierten Zahlen sind für ALLE Regionen. Bitte das nächste Mal genauer recherchieren!!
  • Sigi Müller | 23.01.2024
    Dieser Kommentar wurde von der Redaktion entfernt.
    • Daneli | 23.01.2024
      Geh hungern!
  • Auch Jörg | 23.01.2024
    Herausforderung Buchhaltungsinterpretation…
    Dann zählst du gemäss deiner Logik die Aufnahme von Schulden zum Stundenlohn dazu?
  • emil | 23.01.2024
    Endlich mal Einer der ehrlich ist und keine Befangenheit aufzeigt was Sache mit der Milchproduktion ist. Unzählig viele der Produzenten spielen etwas vor und das auch die Grossen. Abwarten bis die Zinsen steigen und dann verschüttelt es manch Einer. Sicher gibt es etwelche die via Bauland etc. gute Startmöglichkeiten hatten. CH Kosten 50Rp. Erlös 60Rp. Can.Kosten 30Rp Erlös75Rp. das müsste auch unser Ziel sein.
  • Arthus Hansen | 23.01.2024
    Da verwechselt wohl jemand Präsenzzeit mit Arbeitszeit.
    Er wird ja kaum 365 Tage 9 Stunden arbeiten (63 Std. / Woche) und daneben noch in einem Treuhandbüro arbeiten.
    • Denise | 23.01.2024
      Hallo Hannes
      Mein Bruder arbeitet im Winter von Morgen um 5.15 Uhr bis am Abend um 19.00 Uhr. Es gibt 30 Minuten Frühstückspasue und 1 Stunde Mittagspause.
      Im Frühling bei schönem Wetter arbeitet er bis um 22.00 Uhr oder noch länger.
      Ich bin arbeite auswärts und gehe immer nach meinem Feierabend oder in meiner Freizeit und in den Ferien ihm helfen.
      Also ein Bauer arbeitet 365 mehr als 9 Stunden.
    • Kollege | 28.01.2024
      In jeder anderen Branche wird die Pikettzeit bezahlt. Warum wird die Pikettzeit in der Landwirtschaft als "Präsenzzeit" verharmlost?
  • Holsteinkuh | 23.01.2024
    Jeder Betrieb hat eine andere Ausgangslage und die meisten machen auf irgend eine Art Querfinanzierung darum sind so Vergleiche sehr schwirig zu interpretieren . Tatsache ist dass die landw. Arbeit schlecht entschädigt ist.
  • Milchbauer1 | 23.01.2024
    Ich bin auch Milchbauer, ca. Gleich alt wie Büchi und
    Habe den Betrieb von meinen Eltern übernommen.
    Auch ich komme mit auwärts Arbeiten auf die 70 h Woche aber wenn man für 8.30 arbeitet sollte man evtl überlegen was falsch läuft denn irgendwann arbeiten die Eltern nicht mehr günstig mit, es folgt evtl Familie, Investitionen etc.
    Evtl muss er umstrukturieren oder besser werden aus meiner Sicht. Ich produziere auf 20 ha (1/3 Pacht) mit 45 Milchkühen 400 000 kg Milch und generie über 100 000.- mehr als Büchi. Stundenlohn in der Milchproduktion 2022 28.-
    Evtl. Ist er nicht effizient?
    • Jörg Büchi | 23.01.2024
      Salut Milchbauer
      Hast du dein Stundeneinkommen gerechnet? Da kommen bei mir auch höhere Zahlen raus! Nur weisst du ja als junger Landwirt, dass das Einkommen nicht bei dir auf dem Privatkonto ankommt, denn du musst noch die Schuldentilgung mit dem Einkommen machen. Das kannst du dem Einkommen nicht abziehen. Darum haben wir für diesen Artikel das angeschaut was wirklich auf dem Privatkonto ankommt (vergleichbar mit dem Nettolohn des angestellten) dazu musst du nicht die Erfolgsrechnung anschauen, sondern die Mittelflussrechnung ohne Privatausgaben. Du wirst wie ich überrascht sein 😉 wie wenig dir wirklich aus dem Betrieb für privates zu verfügung steht!
  • Stefan | 22.01.2024
    Ihr macht da ein riesiges Durcheinander mit den Buchhaltungsbegriffen
    • Rur | 23.01.2024

      Stefan sagt es richtig. Ihr macht ein riesiges Durcheinander......


      Vom landw. Einkommen müssen die Schulden nicht getilgt werden. Denn durch das Berücksichtigen der Abschreibungen in der Berechnung des Einkommens ist die Schuldentilgung abgegolten.


      So wie ihr es macht, muss man vom CASHFLOW ausgehen. Beim Cashflow sind keine Abschreibungen abgezogen und dieser ist in der Regel deutlich höher als das Einkommen.

  • Gesunder Menschenverstand | 22.01.2024
    Das Verhältnis stimmt überhaupt nicht, ein Handwerker kostet mich ca. 100 Fr. pro Std.
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