Käse aus Mutter-Kalb-Haltung: Käsereiprojekt scheitert*

Kälber bleiben bei ihren Müttern und trinken direkt am Euter. Die Mutter-Kalb-Haltung (Muka) gilt als artgerecht und tierfreundlich. Eine Käserei in Vechigen BE setzte ab 2025 auf diese Muka-Milch. Doch nach finanziellen Schwierigkeiten und einem Listerienbefall ist das Projekt nun gescheitert.

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«Muka ist die natürlichste Haltungsform von Kuh und Kalb innerhalb der Milchproduktion», sagt Cornelia Buchli, Tierärztin vom Förderverein Mutter-Kalb-Haltung (Muka). Dabei bleiben die Kälber bis zu zehn Monate bei ihren Müttern und trinken direkt am Euter. 

Die Muka-Käserei in Vechigen verarbeitete Milch aus dieser Haltung zu Käse. Da die Kälber einen Teil der Milch trinken, bleibt weniger für die Produktion übrig. Um dies auszugleichen, kostete die Muka-Milch mehr. Der Käse wurde vor allem im Abonnement an Kundinnen in Bern, Zürich und Basel geliefert. Rund 700 Personen bezogen die Produkte. Nach finanziellen Schwierigkeiten und einem Listerienbefall meldete die Käserei nun jedoch Konkurs an, wie «Der Bund» berichtet.

Skepsis in der Branche

Die Idee zu dem Projekt stammte von der Biobäuerin Evelyn Scheidegger aus Signau. Zusammen mit dem Verein Cowpassion gründete sie eine Aktiengesellschaft, die Anfang 2025 die Käserei eröffnete. Ein grosser Teil des Startkapitals kam von Konsumentinnen und Konsumenten zustande.

-> Schaffen es Muka-Produkte in den Detailhandel?

Obwohl das Konzept bei vielen Menschen auf Sympathie stiess, blieb es in der Milchbranche umstritten. Lange Zeit war die Mutter-Kalb-Haltung in der Schweizer Milchproduktion sogar rechtlich problematisch. Bis 2020 mussten Milchproduzenten das gesamte Gemelk abliefern, sodass Kälber nicht davon trinken durften.

Was ist Muttergebundene Kälberaufzucht?

Es gibt noch keine offizielle Definition der Muttergebundenen Kälberaufzucht. Für den  Förderverein  heisst Mutter-Kalb-Haltung, dass alle weiblichen und männlichen Kälber mindestens während 3 bis 10 Monaten Kontakt zur Mutter haben und an ihrem Euter saugen können. Auf Umstellungs-Höfen können die Kälber noch nicht ganze 12 Wochen bei den Müttern bleiben oder noch nicht 100% der Kälber können bei ihren Müttern saugen (abhängig von den Umständen wie z.B. der stallbaulichen Situation).

Bei der heute bereits etablierten Mutterkuhhaltung in der Fleischproduktion bleiben die Kälber zwar ebenfalls bei der Mutter, diese Kühe werden aber nicht gemolken. MuKa unterschiedet sich auch von der Ammenhaltung, bei welcher die Kälber von anderen Kühen – Ammen – gesäugt werden. Eine Amme säugt in der Regel 3 bis 4 Kälber und wird während dieser Zeit üblicherweise nicht gemolken. Befindet sich das eigene Kalb darunter entspricht dies einer Mischform aus Mutter- und Ammengebundener Kälberhaltung. ats

Auch am Markt bleibt die Skepsis gross. Wie «Der Bund» berichtet, lehnten Detailhändler wie Migros und Coop den Verkauf der Produkte unter anderem wegen des höheren Preises ab. Deshalb setzte die Käserei stark auf Direktvertrieb und ein Abonnementmodell.

Finanzielle Schwierigkeiten von Beginn an

Schon bald nach dem Start wurde deutlich, dass die Umsetzung der Idee komplexer war als erwartet. Die Suche nach einem geeigneten Standort für die Käserei dauerte länger als geplant. Wie die «Berner Zeitung» ausführt, war keine bestehende Käserei bereit, das Projekt aufzunehmen. Schliesslich zog die neu gegründete Firma in eine zuvor leerstehende Käserei in Vechigen ein.

Es folgten weitere organisatorische Schwierigkeiten. So wurde eine Käserin eingestellt, bevor der Betrieb vollständig bereit war. Auch im Verwaltungsrat fehlte zunächst das nötige branchenspezifische Fachwissen, da sich kein Käser zur Verfügung gestellt hat. Daher musste Fachwissen extern eingeholt werden. Im Herbst 2025 geriet das Unternehmen zusätzlich unter finanziellen Druck. Das Aktienkapital wurde stark reduziert und der Wert der Aktien fiel von 250 auf 25 Franken. Gleichzeitig wurde im Handelsamtsblatt ein Schuldenruf veröffentlicht. Mit neuen Aktionärinnen und Aktionären hoffte die Geschäftsleitung damals noch auf eine Sanierung.

Befall mit Listerien bringt das Aus

Schliesslich wurde dem Projekt jedoch ein anderes Problem zum Verhängnis. Wie «Der Bund» berichtet, wurde im Juni erstmals und im Herbst des vergangenen Jahres ein zweites Mal ein Befall mit Listerien festgestellt. Der Verkauf musste daraufhin eingestellt werden. «Für die Konsumentinnen und Konsumenten bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr», wird der Verwaltungsrat vom «Bund» zitiert. Die notwendigen Massnahmen führten zu hohen Zusatzkosten und massiven Einnahmeausfällen.

Als Ursache vermuten die Verantwortlichen nicht die Milch aus der Mutter-Kalb-Haltung, sondern die ältere Bausubstanz der Produktionsräume. Trotz umfangreicher Untersuchungen durch Fachleute konnte die Quelle der Bakterien jedoch nicht eindeutig bestimmt werden. Trotz grosser Sympathie für das Konzept zeigte sich, dass sich besonders tierfreundliche und artgerechte Produktionsmodelle in der Praxis nur schwer wirtschaftlich umzusetzen lassen.

-> Diese Produktion macht Tiere und Bauern glücklich

* Auf Wunsch von Cowpassion wurde der Titel nachträglich geändert.

Kommentare (9)

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  • Michaela Frech | 13.03.2026

    Das große Problem hier ist, dass sich das trinken lassen der Kälber und das verwerten der Restmilch kaum kombinieren lässt. Die Kälber werden sehr stark mit der Zeit und boxen die Kühe sehr stark in die Euter, solange die Milch fürs Kalb verwendet wird ist das auch kein so großes Problem. Will man die Restmilch verwerten hat die meist eine sehr hohe Zellzahl, für den Verkauf an eine Molkerei ist das dann gar nicht möglich. Auch beim Selbstverarbeiten kann das Probleme machen. Ich glaube es wäre Sinnvoll, die Kuherde zu teilen. Die Kühe, die sowieso keine so große Freude mit den trinkenden Kalb haben, zum Melken und verarbeiten verwenden. Die Kühe die gerne Mutterkühe sind, tränken dann alle Kälber nach der Colostrum Zeit. Nach meiner Erfahrung geht das recht gut so

    • Phill | 19.03.2026
      Macht die Kühe u. Bauern glücklich aber nicht mich als Konsument. 1. Würde ich weder Milch noch Käse usw. konsumieren wollen von solcher Sorte. 2. Behagt mir die Philosophie solcher Unternehmungen gar nicht. Das ist eine halbe Sache auf Tier- & Produktionsseiten. Hab in Landdienst vor J. ein frisch geb. Kalb in Schorgraben mit Maulkorb getroffen, das dann das ganze Leben am Strick war. Kein zus. Wasser od. Heu und Stroh. Haben es schon besser heute. Aber nun wird übertrieben mit Kontrollen und Wellness Angeboten für Rinder. Der Landwirt, was ich heute nicht mehr sein möchte, wird immer mehr zu Staatsangestellten. Ähnlich wie im Kommunismus. Bürokratie und 1000 Gesetzte.
  • Rael | 13.03.2026
    Super Projekt..der Käse ist lecker!!
  • Dänu | 12.03.2026
    Immer dran bleiben!
  • Daniel | 12.03.2026
    Wenn ein gesundes Kalb immer bei der Mutter ist gibt es ab 3 Monaten nicht mehr viel Milch zu verkäsen, daher nicht wirtschaftlich.
    • Birgit Amsler | 12.03.2026
      Nur, wenn nicht zusätzlich gemolken wird.
    • Chueliueli | 14.03.2026
      Die Wassermilch von der Roboterkuh eignet sich auch nicht zum Käse herstellen.Fade ,geschmacklose Masse die nur die Konsumenten vergrault.
  • Wurzer Franziska | 12.03.2026
    Sehr schade, dass eine solch tierfreundlche Haltung in unserer Wirtschaft keine Chance hat!!
    • Birgit Amsler | 12.03.2026
      Das sind "nur" Anlaufschwierigkeiten und es braucht Zeit zum Umdenken. In der Milchpolitik läuft eh vieles schief, dass da so ein neues (eigentlich ja uraltes) Konzept erst mal scheitert, ist bis aufs finanzielle nicht schlimm.
      Die Idee lebt ja weiter.
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