Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und das Welternährungsprogramm (WFP) haben in Zusammenarbeit mit dem Minenräumungspartner Fondation Suisse de Déminage (FSD) in der Ukraine ein gemeinsames Programm zur Unterstützung der vom Krieg am stärksten betroffenen Kleinbauern und ländlichen Familien gestartet.
Wie die Organisationen vorige Woche berichteten, ist das Programm bereits in der Oblast Charkiw angelaufen. Es richtet sich an Landwirte mit weniger als 300 ha sowie an ländliche Familien, die Nahrungsmittel für den Eigenbedarf anbauen.
Das Programm zielt darauf ab, Felder wieder für die produktive Nutzung freizugeben, durch die Beseitigung von Minen und anderen explosiven Überresten. Laut FAO berichten fast 90 % der von ihr in der Ukraine befragten Kleinbauern von kriegsbedingten Ertragseinbussen. Jeder Vierte gab dabei an, seine landwirtschaftliche Tätigkeit eingestellt oder erheblich reduziert zu haben.
Mienen beseitigen
Das Land sicher und frei von explosiven Überresten des Krieges zu machen, sei der erste Schritt zum Wiederaufbau der ländlichen Gemeinschaften in der Ukraine, die in diesem Krieg an vorderster Front gestanden hätten, so Denise Brown, die Koordinatorin der Vereinten Nationen (UN) für humanitäre Hilfe in der Ukraine.
Laut dem Leiter des FAO-Länderbüros Ukraine, Pierre Vauthier, bauen viele Familien und Kleinbauern in den Frontregionen in dieser Saison nichts an, weil sie wissen, dass sie ihr Leben riskieren, wenn sie auf vermintem Land oder kontaminierten Böden arbeiteten.
Ohne Massnahmen werde die Agrarproduktion in der Ukraine weiter abnehmen, was Folgen für die Ernährungssicherheit im Land, aber auch Auswirkungen auf die globalen Märkte haben werde, erklärte der WFP-Repräsentant und Landesdirektor in der Ukraine, Matthew Hollingworth.
Zunächst Kartierung
FAO, WFP und FSD werden mit den Gemeinden, den Behörden vor Ort und dem Kiewer Landwirtschaftsministerium zunächst anhand von Satellitenbildern die Flächen ermitteln und kartieren, die entmint werden müssen.
In einer zweiten Phase werden die Entminungsteams das Land vermessen und von Minen und anderen explosiven Überbleibseln des Krieges befreien, wobei sie jenen Grundstücken Vorrang einräumen, die mit einem Minimum an Räumungsarbeiten schnell freigegeben werden können.
In der dritten Phase werden FAO und FSD die Böden untersuchen, um die Kontamination durch Schadstoffe zu bewerten, die von explodierten Waffen zurückgelassen wurden. Gleichzeitig werden FAO und WFP Kleinbauern und ländliche Familien über die Art der Betriebsmittel und Ressourcen befragen, die sie für die Wiederaufnahme der Agrarproduktion benötigen.
Nach Möglichkeit soll dann Unterstützung in Form von Sachleistungen oder Geld erfolgen. Allerdings besteht nach Angaben der Organisationen noch eine Finanzierungslücke von umgerechnet rund 90 Mio Euro.
