Viele aktuelle Klimamodelle unterschätzen voraussichtlich die Folgen der Klimaerwärmung. Das sagt eine internationale Gruppe von Forschern, nachdem sie Daten zu vergangenen Wärmeperioden ausgewertet hat.
In diesen Warmphasen der letzten 3,5 Millionen Jahre hätten sich jeweils die hohen nördlichen und südlichen Breiten stärker als die Tropen erwärmt, steht in einer Mitteilung der Universität Bern, der Oregon State University aus den USA und der Universität von New South Wales in Australien vom Montag.
Das bedeute, dass das Auftauen von Permafrostböden zusätzliches Kohlendioxid und Methan in die Atmosphäre freisetzen werde, was die globale Erwärmung noch stärker antreibe. Wenn es der Menschheit gelinge, die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu beschränken, sei das Risiko der beschriebenen selbstverstärkenden Treibhausgas-Rückkoppelung «eher gering». Dennoch müsse die hohe Menge an zusätzlichem Kohlendioxid in künftigen Emissions-Szenarien berücksichtigt werden.
«Wenn man die zusätzliche Freisetzung von CO2 einbezieht, haben wir noch weniger Spielraum für Irrtümer oder Verzögerungen bei den weltweiten Bemühungen, die CO2-Emissionen zu senken und das globale Klima in einem vernünftigen Rahmen zu stabilisieren», sagt Hubertus Fischer vom Oeschger-Zentrum der Universität Bern.
Auch eine Klimaerwärmung von 1.5-2°C über vorindustriellem Niveau wird eine deutlich Eisschmelze in Grönland und der Antarktis zur Folge haben. Dadurch wird der Meeresspiegel langfristig um über sechs Meter ansteigen – und über mehrere Jahrtausende lang so hoch bleiben. Laut den Forschenden ist ein rascheres Ansteigen des Meeresspiegels zu erwarten als noch in den letzten Dekaden.
Die 59 Forschenden aus siebzehn Ländern beschäftigten sich im April dieses Jahres an einem Workshop in Bern mit Wärmeperioden der Vergangenheit. Das Resultat ihrer Arbeit ist in eine Studie eingeflossen, die nun in der Zeitschrift «Nature Geoscience» veröffentlicht worden ist.