«Können nicht Politik Schuld geben»

Der Einsiedler Christian Schönbächler ist neuer Präsident der Junglandwirtekommission (Jula). Für den Unternehmer und Treuhänder müssen die Bauern von morgen ihre Entscheide noch besser überprüfen.

Raphael Bühlmann |

Der Einsiedler Christian Schönbächler ist neuer Präsident der Junglandwirtekommission (Jula). Für den Unternehmer und Treuhänder müssen die Bauern von morgen ihre Entscheide noch besser überprüfen.

«Schweizer Bauer»: Sie präsidieren neu die Jula. Bisher ist wenig von Ihnen bekannt. Darf ich Sie deshalb fragen, wer Sie sind?
Christian Schönbächler: Ich bin 30 Jahre alt, verheiratet und wohne hier in Einsiedeln. Aufgewachsen bin ich auf dem Pachtbetrieb meiner Eltern ganz in der Nähe. Vieh- und Milchwirtschaft sind die Haupterwerbszweige, wobei sämtliche Milch in der Kälbermast verwendet wird.

Haben Sie die landwirtschaftliche Ausbildung absolviert?

Ja, ich bin gelernter Landwirt und habe anschliessend den Agro-Techniker FH am Strickhof abgeschlossen.

Was arbeiten Sie derzeit?
Ich bin in einem Pensum von 20 Prozent als Treuhänder beim Bauernverband des Kantons Aargau angestellt. Hier berate ich vor allem Landwirte bei buchhalterischen Fragen. Daneben habe ich mit drei Freunden eine eigene Firma im Bereich Kälberhaltungssysteme.

Sie sind breit aufgestellt. Werden Sie je einen eigenen Betrieb führen?
Das ist und bleibt mein oberstes Ziel, ist aber in der Realität nicht immer ganz einfach zu erreichen.

Nun steigen Sie mit dem Präsidium in der Jula ins Verbandswesen ein. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?
Ich hatte lange die Einstellung, dass ich mit Verbänden nichts zu tun haben will. Die ganze Schweizer Landwirtschaft ist aber so politisch, dass man sich als aktiver Bauer den Auswirkungen nicht entziehen kann. Und wenn man tatsächlich etwas bewegen will, muss man früh einsteigen. Ich kann mich also mit 40 Jahren aufregen, weil die Dinge so sind, wie sie sind, oder aber ich versuche jetzt, Einfluss zu nehmen.

Welche Herausforderungen sehen Sie auf die Jungbauern in diesem Land zukommen?
Für mich gibt es im Berufsleben eines Bauern zwei kritische Momente. Nämlich dann, wenn er den Betrieb übernimmt und wenn er Investitionsentscheide fällt. Beides ist finanziell von grosser Tragweite. Eine Herausforderung der nächsten Generation wird sein, die Konsequenzen ihres Handelns so genau wie möglich einzuschätzen.

Wie kann das erreicht werden?
Ich denke, eine solide Ausbildung ist Grundvoraussetzung dafür. Weiter rückt auch die strategische Ausrichtung eines Betriebs ins Zentrum. Letztere haben wir im Übrigen auch zum zentralen Thema unseres Junglandwirtekongresses vom 21. Januar gemacht.

Sie wollen die Jungbauern mehr an ihre finanzielle Verantwortung erinnern?
Es geht nicht darum, was ich will. Wir, die Jungen, können es uns aber nicht mehr leisten, der Politik die Schuld zu geben, wenn es auf dem Betrieb nicht läuft. Es ist von grossem Vorteil, wenn die Landwirte von morgen wissen, wo ihre Kosten, Erlöse und ihre Margen liegen. Wissen sie das nicht, ist es schier unmöglich, einen Betrieb erfolgreich zu führen. Um gewinnbringend zu wirtschaften, ist es manchmal auch nötig, neue Wege zu gehen. Hier stelle ich manchmal eine etwas konservative Haltung fest.

Wie meinen Sie das?
Ich habe das Gefühl, dass viele sehr grosse Angst vor dem Versagen haben und deshalb Neuem gegenüber sehr skeptisch sind. Das betrifft aber nicht nur die Bauern. Heute scheitern sehr viele Jungunternehmer mit zum Teil hervorragenden Projekten. Nicht die Idee oder die Umsetzung war schuld, sondern man hatte einfach nur Pech. Aber Erfolg ist nur möglich, wenn man etwas riskiert.

Was ist die Jula

Die Junglandwirtekommission (Jula) ist dem Schweizer Bauernverband (SBV) angegliedert. Sie besteht aus 14 ständigen Mitgliedern aus der ganzen Schweiz. Gemäss ihrem neuen Präsidenten Christian Schönbächler soll die Jula nur bedingt Einfluss auf die nationale Politik nehmen. «Unsere politische Stärke ist, dass wir uns bei Vorschlägen eine gewisse ‹jugendliche Narrenfreiheit› erlauben können», so Schönbächler. Der Hauptzweck der Jula sei allerdings, den Jungbauern eine Plattform zu bieten. «Junglandwirte sollen sich über aktuelle Themen informieren und austauschen können.» Ebenso wichtig sei, dass sich die Jungen weiter vernetzen und auch bei Themen, die über die Landwirtschaft hinausgehen, à jour bleiben. rab

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