Unter Inflation verstehen Kosmologen etwas ganz anderes als Ökonomen: Nach der Theorie der kosmischen Inflation hat sich das Universum direkt nach dem Urknall enorm aufgebläht.
In der ersten billiardstel billiardstel Sekunde (zehn hoch minus 30 Sekunden; 0,000 000 000 000 000 000 000 000 000 001 Sekunden) wuchs es um mindestens das Zehn-Billionen-Billionenfache (zehn hoch 25; das 10 000 000 000 000 000 000 000 000fache) in alle Richtungen. Von einem Durchmesser billiardenfach kleiner als ein Atom schoss es demnach auf die Grösse eines Geldstücks.
Weitgehend gleichförmige Verteilung von Materie und Energie
Die kosmische Inflation, die der US-Physiker Alan Guth Anfang der 1980er Jahre postulierte, umschifft elegant mehrere Klippen der Urknall-Theorie: So ist das Universum nach bisherigem Wissen bemerkenswert gleichmässig. Materie und Energie sind - im ganz grossen Massstab - sehr gleichförmig verteilt. Zudem besitzt das Weltall, soweit wir es messen können, keine Raumkrümmung - es ist geometrisch «flach». Das heisst, es gilt überall dieselbe euklidische Geometrie, die wir aus unserem irdischen Alltag gewohnt sind.
Diese Zustände sind alles andere als selbstverständlich. Sie sind im Urknall-Szenario zwar möglich, erfordern aber sehr genaue und damit unwahrscheinliche Anfangsbedingungen. Die kosmische Inflation bügelt dagegen nahezu jede Raumkrümmung glatt und macht aus dem grössten brodelnden Chaos eine weitgehend gleichförmige Verteilung von Materie und Energie.
Keinen klaren Beweis für die Inflation
Seit dem Postulat der kosmischen Inflation sind verschiedene Vorhersagen dieser Theorie durch Beobachtungen bestätigt worden. Allerdings gibt es keinen klaren Beweis für die Inflation, weil man bislang nicht bis in diese Zeit direkt nach dem Urknall zurückblicken kann - das älteste Licht, das wir messen können, entstand erst 380'000 Jahre nach dem Urknall.
Nicht abschliessend geklärt ist ausserdem, welche Kraft die Inflation antrieb, was sie auslöste und wie genau sie zum Stillstand kam.