Krisen auf dem Milchmarkt verhindern

Die Bauernproteste in Deutschland halten weiter an. So werden Blockaden auch am Wochenende auf Strassen und Autobahnen für Staus sorgen. Bauernorganisationen bereiten sich aber schon auf die Zeit danach vor. So fordert der European Milk Board grundlegende Marktreformen. Mit einem Programm will er Krisen auf dem Milchmarkt frühzeitig erkennen und vermeiden.

mgt/ome |

Der European Milk Board (EMB) ist der 2006 gegründete Dachverband europäischer Milcherzeugerverbände. Dessen Präsident  Kjartan Poulsen bringt die derzeitige Problematik auf den Punkt: « Es kommt viel zu wenig Geld bei denen an, die auf ihren Betrieben unsere Lebensmittelversorgung sicherstellen», wird er in einer Medienmitteilung der EMB zitiert.  

Lebensmittel- und Handelskonzerne dagegen würden Milliardengewinne einstreichen. Deshalb müsse der Markt reformiert werden, kommt die EMB zum Schluss. Mit einem Marktverantwortungsprogramm will der EMB Krisen auf dem Milchmarkt frühzeitig erkennen und vermeiden.

«Das Mass ist mehr als voll»

In Deutschland scheint sich an den konkreten Demonstrationen zu zeigen, was in vielen europäischen Ländern im Untergrund schwelt. Eine Unzufriedenheit bei der Abgeltung der für unserer Ernährung essenzieller Lebensmittel.  

Wie der Präsident des EMB, Kjartan Poulsen, in der Medienmitteilung betont, kommen diese Demonstrationen nicht von ungefähr. «Das Mass ist tatsächlich mehr als voll. Beziehungsweise die Taschen und die Kassen der Bauern sind absolut leer. So schmählern zum einen gestrichene Subventionen das Einkommen, zum anderen sind es steigende Produktionskosten», so Poulsen. Diese Umstände würden die Defizite der Bauern in die Höhe treiben.

Dazu äusserst sich auch der Vizepräsident des EMB, Elmar Hannen. Er ist Vertreter der deutschen Milcherzeuger und Milchproduzentinnen in der europäischen Dachorganisation. «Wir sehen, dass die tatsächlichen Milchpreise die Lücke, die durch zurückgeschraubte Subventionen und durch steigende Kosten entsteht, nicht schliessen können», sagt Hannen. Daher müsse der Markt reformiert werden. Es solle auch mit der Milch ein angemessenes Einkommen erwirtschaften können.

EMB fordert politische Reformen 

Die Bauern machen mit ihren Demonstrationen auf die tiefgreifende Problematik aufmerksam. Jetzt sei es an der Politik, Reformangebote zu machen, so Poulsen. Denn trotz der offensichtlichen Destabilisierung sei in den letzten Jahren nicht gehandelt worden, so der Präsident des EMB weiter.  

Angekündigte Subventionsstreichungen und gestiegene Anforderungen würden die bereits schwierige Einkommenssituation der Bäuerinnen und Bauern nur noch verschlimmern. Vizepräsident Hannen stellt klare Forderungen an die Politik: «Es muss klar sein, wie das notwendige Geld am Markt verdient werden kann. Die Erzeuger und Produzentinnen brauchen Kostendeckung und Stabilität, um zuverlässig produzieren zu können. Europa braucht daher grundlegende Marktreformen.»

Der EMB kombiniert in seiner Mitteilung dieser Forderung aber auch mit konkreten Vorschlägen, wie diese Reformen aussehen könnten. 

Das Marktverantwortungsprogramm für den EU-Milchsektor soll zum Einsatz kommen, wenn der Milchmarkt aus dem Gleichgewicht zu geraten droht.

European Milk Board

Marktverantwortungsprogramm

So erwähnt der EMB den Artikel 148 der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO). Gemäss diesem Artikel kann ein EU-Mitgliedstaat Molkereien und Milchlieferanten verpflichten, Preise und Liefermengen in einem schriftlichen Vertrag zu regeln. Hier sei es beispielsweise zwingend notwendig – so der EMB – auch Genossenschaften mit einzubeziehen.

Des Weiteren müssten  Marktkriseninstrumente etabliert werden, die feste und zuverlässige Preise garantieren, die über den Produktionskosten liegen. Hierzu hat der EMB ein Marktverantwortungsprogramm (MVP) erarbeitet. Das MVP ist ein Programm für den EU-Milchsektor, das zum Einsatz kommt, wenn der Milchmarkt aus dem Gleichgewicht zu geraten droht. Damit sollen Krisen frühzeitig erkannt und vermieden werden.

3-Stufen-Programm

Das MVP sei eine Kombination aus Marktbeobachtung und Marktreaktion, lässt sich der Internetseite des EMB entnehmen. Dabei würde ein Marktindex angewendet, der die Stabilität des Marktes anzeigt. Liege der Index bei 100 Punkten, sei der Markt stabil.

Sobald dieser Index jedoch absinken würde, käme ein 3-Stufen-Programm zur Anwendung, das auf diese Instabilität reagieren würde. Dieses besteht aus einer Frühwarnung (Absinken des Index um 7,5 %), einer Krise (Absinken des Index um 15%) und einer obligatorischen Intervention (Absinken des Index um 25 %).

Das komplette Marktverantwortungsprogramm können Sie hier nachlesen. 

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