
Christoph Trachsel, der in Nuvilly FR einen Bauernhof bewirtschaftet, mit zweien seiner drei Lernenden: Michael Gavin (r.) kommt aus der Region, Leonie Wildhaber (l.) kommt aus dem Kanton Zürich.
Tobias Strahm
Mit der Revision der Bildungsverordnung kommen diverse Veränderungen auf die Lernenden, aber auch auf die Lehrbetriebe zu. Die drei regulären Lehrjahre umfassen je 500 Lektionen Unterricht, im freiwilligen vierten Lehrjahr, in dem eine Fachrichtung gewählt werden kann, sind es 200. Die Zahl der überbetrieblichen Kurstage (ÜK) steigt von bisher acht auf zwölf, bei der Fachrichtung Rindviehhaltung steigen die Unterrichtstage auf elf.
Nach jedem ÜK-Tag wird künftig ein Kompetenznachweis erstellt. Auch die Stapler- und Teleskopladerprüfung wird Bestandteil der ÜK. Bei den Abschlussprüfungen fällt die Vorprüfung im zweiten Lehrjahr weg, während die praktische Prüfungszeit verlängert wird. Die Berufskunde wird neu schriftlich statt mündlich geprüft.
Vielseitige Fachrichtungen
Neu ist zudem die Möglichkeit eines vierten Lehrjahres. Nach dem Abschluss mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) nach drei Jahren kann eine zweite Fachrichtung absolviert und mit einem weiteren EFZ abgeschlossen werden. Ausgewählt werden kann dabei zwischen den Fachrichtungen Ackerbau, biologischer Pflanzenbau, Alp- und Berglandwirtschaft, Geflügelhaltung, Rindviehhaltung und Schweinehaltung.
«Wenn man sich für zwei Fachrichtungen entscheidet, erwirbt man in vier Jahren zwei EFZ und erweitert die Kompetenzen», schreibt das Inforama auf einem Infoblatt auf seiner Website. Der Lohn im freiwilligen vierten Lehrjahr bewege sich dabei etwa zwischen Lehrlings- und Angestelltenlohn.
Änderung für Lehrbetriebe
Die Revision wird auch im Alltag der Lehrbetriebe spürbar sein. Der «Schweizer Bauer» besuchte im Rahmen dieses Dossiers die Familie Mettler aus Benken SG und die Familie Trachsel aus Nuvilly FR, beide bilden seit langem Lernende aus.
-> «Wir bilden auf unserem Betrieb künftige Chefs aus»
Die Bildungsrevision wird den Alltag auf dem Hof Mettler verändern. Mehr Schultage und ÜK, neue Fachrichtungen und möglicherweise ein viertes Lehrjahr verlangen auch vom Lehrbetrieb Flexibilität. Die Grundidee der Ausbildung bleibt für die Familie Mettler jedoch dieselbe: «Junge Menschen sollen nicht bloss Arbeiten erledigen, sondern verstehen, entscheiden und Verantwortung übernehmen lernen», sagt Alois Mettler, der den Betrieb gemeinsam mit seiner Frau Gabriela führt. Denn am Ende geht es nicht darum, möglichst günstige Arbeitskräfte auszubilden. Es geht um die nächste Generation von Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern», betont Alois Mettler.
Für Betrieb attraktiv
Interessant findet auch Christoph Trachsel das neue, freiwillige vierte Lehrjahr. Er bildet dieses Jahr drei Lernende auf seinem gemischten Ackerbau-, Milch- und Schweinebetrieb aus. Im vierten Jahr, in dem die Fachrichtung gewählt werden kann, sind nur noch 200 Lektionen Unterricht vorgesehen, der Schwerpunkt liegt damit stark auf der Praxis. Für den Betrieb Trachsel ist das attraktiv. «Ich würde sofort jemanden anstellen, der motiviert ist, ein viertes Lehrjahr zu absolvieren», sagt Christoph Trachsel. Besonders die Fachrichtung Schweinehaltung würde zu seinem Betrieb passen, meint er.
Gleichzeitig hat er Zweifel, ob bei kleineren Fachrichtungen genügend Lernende zusammenkommen, damit die entsprechenden Kurse tatsächlich durchgeführt werden können. Gerade bei Schweinehaltung oder bio-logischem Pflanzenbau könnte dies laut Christoph Trachsel aus seiner Sicht zur Herausforderung werden.
-> «Lernende sind auf dem Betrieb, weil sie etwas lernen wollen»
Seine Frau Regula Trachsel ergänzt: «Was ich schade finde, ist, dass das vierte Lehrjahr nicht obligatorisch ist.» So sei es möglich, dass die Kurse kleinerer Fachrichtungen aufgrund von zu wenig Anmeldungen nicht zustande kämen. «So kann es sein, dass diejenigen, die das vierte Jahr machen möchten, am Ende bestraft werden», erklärt Regula Trachsel.
Ausbildung reagiert auf Veränderungen
Petra Sieghart ist Leiterin von Agriprof. Die Abteilung des Schweizer Bauernverbands erbringt Dienstleistungen für die landwirtschaftliche Berufsbildung. Sie erklärt: «Die neue Ausbildung reagiert auf Veränderungen in der Landwirtschaft. Dazu gehören neue Technologien ebenso wie steigende Anforderungen in den Bereichen Umwelt, Pflanzenschutz und nachhaltige Produktion.»
-> «EFZ reicht nicht für Betriebsführung»
Sieghart betont, dass die Ausbildung die Lernenden auf eine Landwirtschaft vorbereiten müsse, die sich laufend weiterentwickle. «Im Zentrum stehen die Handlungskompetenzen. Entscheidend ist also nicht nur, was jemand weiss, sondern ob dieses Wissen in konkreten beruflichen Situationen angewendet werden kann.» Dazu wurden klare Lernziele für die drei Lernorte Lehrbetrieb, Berufsschule und überbetriebliche Kurse definiert, so Sieghart.