
Eine zentrale Rolle spielen in dem Dokument Proteinempfehlungen. Demnach sollten alle Mahlzeiten «hochwertige, nährstoffreiche Eiweissquellen» enthalten.
N. Müller
Die Mitte der Woche veröffentlichten Leitlinien legen unter anderem einen stärkeren Fokus auf den Konsum von Protein.
Zugleich empfehlen die Autoren, den Verzehr von Zucker sowie stark verarbeiteten Lebensmitteln zu reduzieren. Man solle «echte Lebensmittel» essen, fasste US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. die Kernbotschaft der neuen Empfehlungen zusammen.
Mehr Proteine, weniger Zucker
Die Ernährungsempfehlungen werden alle fünf Jahre gemeinsam von USDA und HHS überarbeitet und sind Grundlage für zahlreiche ernährungspolitische Programme, darunter das Supplemental Nutrition Assistance Program (SNAP).
Eine zentrale Rolle spielen in dem Dokument Proteinempfehlungen. Demnach sollten alle Mahlzeiten «hochwertige, nährstoffreiche Eiweissquellen» enthalten. Als geeignet gelten demnach tierische Produkte wie Eier, Geflügel, Fisch und rotes Fleisch, die «zusätzlich» zu pflanzlichen Proteinquellen, darunter Bohnen, Erbsen und Nüsse, verzehrt werden sollten.
Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte aussen vor
Darüber hinaus raten die Leitlinien dazu, bei der Zubereitung von Speisen Fette mit essenziellen Fettsäuren zu bevorzugen, etwa Olivenöl. Der Konsum von Alkohol und Koffein sollte hingegen eingeschränkt werden.
Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte spielen in den US-Empfehlungen keine Rolle. Damit unterscheiden sie sich von zahlreichen europäischen Leitlinien, in denen ökologische Faktoren der Lebensmittelproduktion zunehmend berücksichtigt werden.
Agrarbranche voll des Lobes
Erwartungsgemäss zeigten sich Vertreter der Landwirtschaft mit den Empfehlungen aus Washington zufrieden. Es sei «vollkommen klar, dass Hähnchenfleisch eine fettarme und erschwingliche Proteinquelle ist, die allen Amerikanerinnen und Amerikanern in allen Lebensphasen dabei helfen kann, die neuen Ernährungsrichtlinien einzuhalten», sagte etwa die Vizepräsidentin des National Chicken Council, Ashley Peterson.
Auch aus der Rinderbranche kam Zustimmung. «Die aktualisierten und vereinfachten Ernährungsempfehlungen werden mehr Familien wie meiner dabei helfen, sich über den Nährwert von Rindfleisch zu informieren und beim Einkauf die besten Entscheidungen für ein nährstoffreiches, unverarbeitetes und schmackhaftes Protein zu treffen», kommentierte die Vizepräsidentin der National Cattlemen’s Beef Association (NCBA), Kim Brackett.
Ärzte sind skeptisch gegenüber rotem Fleisch
Differenzierter fielen die Bewertungen aus dem Gesundheitssektor aus. Die American Medical Association (AMA), die grösste Standesvertretung der Ärzte in den USA, begrüsste die neuen Leitlinien, da sie den Zusammenhang zwischen stark verarbeiteten Lebensmitteln, zuckerhaltigen Getränken, übermässigem Salzkonsum und chronischen Krankheiten hervorhoben.
Auch die American Heart Association (AHA) lobte den Fokus auf Obst, Gemüse und Vollkornprodukte sowie die Begrenzung von Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln, äusserte jedoch Bedenken hinsichtlich der Proteinempfehlungen. Insbesondere warnte der Verband vor einem Anstieg des Konsums von rotem Fleisch.