Wenn der Schweizer Turnverband auf importierte Milchprodukte setzt

Die Partnerschaft des STV mit einer isländischen Skyr-Marke sorgt für Kritik. In einer Zeit, in der die Schweizer Milchbranche unter Druck steht, stellt sich die Frage nach Solidarität mit der einheimischen Produktion, schreibt Sabrina Schlegel in ihrer Kolumne.

Sabrina Schlegel |

Die Schweiz ist ein Milchland. Rund 80 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen bestehen aus Grünland, das sich nur durch Wiederkäuer in hochwertige Lebensmittel umwandeln lässt. Kühe, die die Schweizer Landschaft prägen, schaffen die Grundlage für Milch, Käse, Joghurt und sind ein wichtiger Teil der regionalen Wertschöpfung. Trotzdem scheint das in unserer Gesellschaft nicht immer allen bewusst zu sein. Selbst jenen, die für Schweizer Werte und Gemeinschaft stehen sollten.

Stösst Bauern vor den Kopf

Der Schweizer Turnverband (STV) hat kürzlich eine Partnerschaft mit Ísey Skyr, einer isländischen Marke, abgeschlossen. Die Produkte werden zwar in der Schweiz verkauft, sind aber importiert. Dass ausgerechnet eine traditionsreiche Institution wie der STV, die fest im Schweizer Vereinswesen verankert ist, zur Werbebühne für ausländische Milchprodukte wird, sorgt für berechtigtes Stirnrunzeln. Denn während der Verband stolz seine Athletinnen und Athleten als Aushängeschild des Schweizer Sports präsentiert, stösst er gleichzeitig die einheimischen Landwirtinnen und Landwirte vor den Kopf.

Die Milchbranche durchlebt momentan eine schwierige Phase. Überschüsse drücken die Preise, viele Betriebe kämpfen ums wirtschaftliche Überleben. Dennoch arbeiten sie weiterhin unter hohen Standards, garantieren Qualität, Tierwohl und Nachhaltigkeit. Gerade in solch herausfordernden Zeiten wäre Solidarität gefragt und nicht Imagepflege auf Kosten der inländischen Produktion.

Verarbeiter sind gefordert

Bei der Ice-co GmbH mit Sitz in Brugg (dem Importeur von Ísey Skyr) nachgefragt, heisst es, dass die Milch aus Island stammt und in Island verarbeitet wird. Das Produkt gelangt dann schliesslich per Schiff bis nach Rotterdam, von wo aus es mit Lastwagen in die Schweiz transportiert wird. Ein Blick auf die Etikette verrät, dass der Hauptbestandteil Magermilch ist. 3000 Kilometer für ein Produkt, dessen Hauptbestandteil aktuell in der Schweiz zu hunderttausenden Litern entsorgt wird.

Sportlerinnen und Sportler achten auf Ernährung. Produkte wie Skyr punkten mit einem hohen Eiweissgehalt, was im Leistungssport relevant ist. Die für die Herstellung verwendeten Kulturen sind, ähnlich wie bei unserem Sortenkäse, markengebunden und somit exklusiv. Das Milchprodukt gibt es auch aus Schweizer Milch, der Name Skyr ist nicht geschützt. Aber an den Erfolg des Originals Ísey Skyr können diese Produkte noch nicht anknüpfen – auch wenn sie kaum vom Original zu unterscheiden sind und diesem in der Qualität in nichts nachstehen.

Einen positiven Aspekt sehe ich bei Ísey Skyr: Es belebt den Markt. Unsere Verarbeiter sind gefordert, noch innovativer zu werden und mit neuen Produkten ihre Stellung zu behaupten. Vielleicht wäre es eine Option, Ísey Skyr aus Schweizer Milch herzustellen? Island wird die steigende Nachfrage aufgrund seines Erfolgsproduktes kaum lange selbst decken können. Und der STV könnte dann guten Gewissens eine Marke bewerben, die regionale Produzent:innen stärkt, Arbeitsplätze schützt und die Kreisläufe in der Schweiz am Laufen hält.

Kommentare (14)

Sortieren nach: Likes | Datum
  • Bruno | 08.04.2026
    Ich bin absoluter liebhaber von schweizer milch. Nur beim island skyr gehe ich fremd. Er ist unglaublich verträglich. Ich nehme ihn immer vor dem sport. Schweizer "skyr" bzw. quark liegt mir auf
  • Beat | 08.04.2026
    Hanspeter winiger bravo, du bringst es auf den Punkt. Bei Grossanlässen sind die Bauer wieder gut für Land zur Verfügung zu stellen, sei es für Parkplätze oder Festzelte. Ich möchte allen Landwirten empfehlen ab sofort solche Verhandlungen abzublasen.
  • Rudolf | 08.04.2026
    Leider betrifft dies nicht nur die Milch.
    Bei öffentlichen Anlässen wird billiger Importierter Wein serviert, anstatt Schweizerwein.
    Erlebe dies leider sehr oft.
  • Judith | 08.04.2026
    Sehr schade wie heute mit unserer Landwirtschaft umgegangen wird!!
    Der Bezug fehlt in allen Punkten.
    Wir wissen nicht mehr was in der Schweiz produziert wird.
  • Hans | 08.04.2026

    Innovation statt jammern würde den Schweizer Bauern in vielen Bereichen gut tun. Statt auf mehr Heimatschutz und Nostalgie zu setzen, wären neue Produkte und echt nachhaltige Methoden eine Chance. Es gibt die Landwirte und Vertriebsorganisationen welche die Herausforderungen bereits angehen, also seit mutig und umtriebig.

    • J.Kieni | 08.04.2026
      Wenn du das so gut kannst so schlage doch etwas vor was besser wäre.Ich vermute aber dass du keine ahnung hast.
  • Ernst | 08.04.2026
    Das ist einmal mehr ein Geschäft, welches irgendwelche Funktionäre ohne zu überlegen eingegangen sind. Wenn solche Personen Geld sehen, wird das Hirn ausgeschaltet. Jedes noch so kleine bis zu den grosden Turnfesten ist auf die Flächen der einheimischen Bauern angewiesen!
  • Yvon | 07.04.2026
    In der momentanen Situation ganz klar ein no go !
    Aber nicht nur jetzt, sondern zu jeder Zeit! Beschähmend, dass man sich bei Marketingpartnerschaften nicht ganzheitliche Überlegungen macht, über die Nasenspitze aus...🙄
    Schade...vermeidbarer Fehlentscheid...echt schade, null Wertschätzung gegenüber "unseren" Milchproduzenten im Land😢
  • Peter Gredig | 07.04.2026
    Ja was soll man da noch sagen! Am Besten nichts.
  • Wälchli Urs | 07.04.2026
    Alle Bäuerinnen und Bauern und der Landwirtschaft nahestehenden sollen aus den Turnvereinen austreten oder via ihre Vereine den Entscheid des STV umstossen.
  • Jungbauer | 07.04.2026
    Der SMP hätte jahrelang Zeit gehabt eine Werbepartnerschaft mit dem STV einzugehen. Aber man hat lieber 3 stellige Millionenbeträge (welche zweckgebunden für Marketing sind) auf einem Konto rumliegen weil man sie nicht verwendet und trotzdem zieht man bei den Bauern weiterhin Marketinggelder ein.
    Solange in diesem Verband so gewirtschaftet wird ist zu dieser Werbepartnerschaft keine Kritik von Seiten SMP oder deren Mitglieder angebracht.
    • jürg | 08.04.2026
      Bravo Jungbauer,
      wahrscheinlich wollten die SMP nichts bezahlen.
      Willkommen in der Marktwirtschaft.
      Die schweizer Milchproduzenten hätten ja als Sponsor auftreten können, aber so sind sie die Bauern.
  • hanspeter winiger | 07.04.2026
    wenn das so ist sollten sich schweizer landwirte ueberlegen ob sie weiter hin fuer turnfeste land zur verfuegung stellen sollen
    • Bolz | 07.04.2026
      Genau sehr schade 😞
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