
Auf dem Hof von Claudia Kilchmann und ihrem Mann Ruedi leben 30 Milchkühe.
Béatrice Scheurer
Fünf Kinder, ein Milchviehbetrieb, eine Backstube, in der um vier Uhr morgens das Brot entsteht. Und dann auch noch als Erste die Jubiläumsstaffel der «Landfrauenküche» eröffnen. Da könnte man schon etwas nervös werden. Claudia Kilchmann aus Obernau bei Luzern? Sie lächelte. Und zwar die ganze Folge lang.
Eine Frau, die immer ein Lächeln hat
Was mir an Claudia sofort aufgefallen ist, war ihre aufgestellte Art. Zusammen mit ihrem Mann Ruedi führt sie den Milchviehbetrieb Sackweid. Zwei Töchter, drei Söhne. Fünf Kinder! Und Claudia? Ruht ganz in sich. Diese Ruhe hat mich beim Zuschauen richtig angesteckt.
«Ich bin nie gut vorbereitet», sagt sie gleich zu Beginn. Im Kopf schon, aber ausprobieren tue sie selten. Dass sie die Vorlieben der Landfrauen noch nicht kennt, nimmt sie gelassen: «Ich bin so, wie ich bin. Ich gebe mein Bestes. Mehr kann ich nicht machen.»
Das ganze Paket
Auf der Sackweid leben drei Generationen unter einem Dach. Claudia wusste von Anfang an, dass sie mit ihrem Mann «das ganze Paket» dazuheiratet. Und dieses Paket ist ein Glücksfall. Als Schwiegertochter wurde sie herzlich aufgenommen und fühlt sich ernst genommen, obwohl sie keine landwirtschaftliche Ausbildung hatte und alles lernen musste. Darum war auch schnell klar, wer ihr in der Küche hilft: Schwiegermutter Christa. «Sie hat einen riesigen Erfahrungsschatz, der mir Sicherheit gibt.»
Auch die Kinder helfen gerne. «Wir packen alle miteinander an, dann sind wir schneller.» Schöner kann man Familie fast nicht beschreiben. In die Spielgruppe ging übrigens keines der Kinder. Auf dem Betrieb gibt es genug zu entdecken. Was nach Freiheit pur klingt, ist für die Eltern aber auch anstrengend. Denn ein Betrieb birgt viele Gefahren. Von aussen heisse es oft, man könne die Kinder einfach rauslassen, erzählt Claudia. «Aber das ist nicht so. Man muss sie wirklich beaufsichtigen.» Mit fünf Kindern ein Auge überall zu haben, verdient grossen Respekt.
Eine Liebe aus dem Internet
Kennengelernt haben sich Claudia und Ruedi über eine Dating-Plattform. «Es hat sehr schnell eingeschlagen.» Dabei hatte Claudia, die früher in der Pflege arbeitete, vorher nichts mit Landwirtschaft zu tun und nie Ländler gehört. Manchmal findet das Glück eben genau dort, wo man es nie erwartet hätte. Zeit zu zweit bleibt trotzdem kaum. Als die beiden endlich kinderfrei hatten, was haben sie gemacht? Geheuet. Statt Candle-Light-Dinner also Heuernte. Das Heu wartet eben nicht.

Kennengelernt haben sich Claudia und Ruedi über eine Dating-Plattform.
Béatrice Scheurer
Berührt hat mich, wie offen Claudia über die Zeit sprach, als die Kinder noch klein waren und sie gleichzeitig einen neuen Stall bauten. Manchmal lag sie abends im Bett und fragte sich, wie sie den nächsten Tag schaffen sollten. Doch am nächsten Morgen ging es einfach weiter, lange hielt dieses Gefühl nie an. Eine Phase, in der es ihr wirklich schlecht ging, hatte sie nie. Nehmen, was kommt, und nach vorne schauen. Vielleicht ist genau das das Geheimnis hinter ihrem Lächeln. Seit gut einem Jahr steht Claudia zweimal pro Woche um vier Uhr in ihrer kleinen Backstube. Reich werde man damit nicht, aber es ist ihre Zeit.
Wenn die Teller auf Reisen gehen
Gegessen wurde auf der Heubühne, wo Claudia und Ruedi geheiratet haben. Nur muss das Essen erst einmal heil ankommen. Also übte Ruedi mit dem Holzladen. Und prompt ging ein Teller kaputt. «Ich habe noch genau zwei Reserven», meinte Claudia. Die Cloches lieh sie kurzerhand bei einem Restaurant in der Nähe aus. Jetzt konnte Ruedi beruhigt den Service machen.
Nachdem alles geregelt war, war es Zeit, noch einmal durchzuatmen. Statt in letzter Minute zu hetzen, genoss die Familie den Abend vor dem grossen Tag gemeinsam auf dem Spielplatz. «Als Familie haben wir nicht so viele Momente. Wir geniessen es umso mehr.»
Ein Abend auf der Heubühne
Und dann waren sie da. «Sie passt voll zu uns», fanden die Landfrauen. Die Heubühne duftete nach Heu und kam bei allen gut an. Zur Vorspeise gab es Randencarpaccio mit Frischkäseterrine und Brotrose. Miriam aus dem Kanton Bern hatte schon im Postauto gehofft, dass es keine Randen gibt. Sie ass trotzdem die Hälfte, es war ihr einfach «ein Touch zu viel Randen». Die Stimmung? Wenn es so weitergehe, komme man noch zum Zmorge. Herrlich!

Claudia Kilchmann eröffnet die 20. Staffel der Landfrauenküche.
SRF/Marion Nitsch
Im Hauptgang folgten Rindfleischgeschnetzeltes an Balsamicorahmsauce mit Kartoffel-Pavé, Sommergemüserolle und Apfelmus im Apfel. Das Fleisch war zart, das Pavé fein, das Gemüse knackig. Einer Landfrau war die Sauce gegen Schluss etwas zu säuerlich. Und Ruedi? Brachte jeden Teller heil auf die Heubühne.
Was mir in Erinnerung bleibt
Zum Dessert gab es eine Joghurtbombe à la Sackweid auf Pêche-Melba-Spiegel mit Rosmarinsablé und Honigwabe auf einem Stein. Claudias Ziel: dass jede die Wabe in die Hand nimmt und richtig ausschleckt. Die Wabe war sehr süss, die Joghurtbombe erinnerte eher an Quark. Das Fazit trotzdem: Die Messlatte liegt sehr hoch.
Am meisten bleibt mir Claudia selbst. Eine Frau, die als Erste ein Landfrauenessen auf die Beine stellt und dabei die ganze Zeit lächelt. Dazu eine Familie, die zusammenhält, und eine Heubühne voller Erinnerungen. Den Auftakt hat Claudia mit Bravour gemeistert. Ich hätte mich auf der Sackweid sofort an den Tisch gesetzt. Und jetzt bin ich gespannt, was uns bei Margrit im Glarnerland erwartet!
Die 1. Folge der 20. Staffel mit Claudia Kilchmann
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