Heuschnupfenbelastung nimmt weiter zu

Auf der Allergologie-Abteilung am Berner Inselspital haben die Abklärungen von Pollenallergien und Heuschnupfen in den letzten drei Monaten «deutlich zugenommen». Laut Leiter Lukas Jörg werden bei hoher Pollenbelastung mehr Antihistaminika, Kortison-Nasensprays und Medikamente zur Asthma-Behandlung verwendet und verschrieben.

Wer unter Heuschnupfen leidet, ist heute im Durchschnitt stärker belastet als früher. Die Pollensaison dauert oft länger und wird in den kommenden Jahren für mehr Tage mit Beschwerden sorgen, wie Jörg auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA feststellt.

Überdurchschnittliche Belastung

Die Pollenbelastung könne regional und je nach Pflanzenart unterschiedlich sein. Im Schweizer Mittelland sei die Pollenkonzentration vor allem im Februar und April «sehr hoch» gewesen. Teilweise seien die gemessenen Werte sogar über dem Durchschnitt der Vorjahre gelegen. Eine abschliessende Aussage dazu könne jedoch erst am Ende der Pollensaison gemacht werden.

Obwohl die Intensität der Pollensaison von Jahr zu Jahr schwanke, würden Daten zeigen, «dass viele Patientinnen und Patienten heute im Durchschnitt stärker belastet sind als früher». Jörg nennt mehrere Gründe dafür: Einerseits blühten wegen milder Temperaturen viele Pflanzen heute früher im Jahr. Gleichzeitig dauere die Pollensaison oft länger an.

«Dadurch sind Betroffene über einen längeren Zeitraum Pollen ausgesetzt, teils auch mit anhaltend hohen Konzentrationen, etwa bei Gräserpollen.» Gemäss dem Allergologen werden hohe Pollenbelastungen durch milde Winter, einen frühen Vegetationsbeginn und trockene Wetterperioden begünstigt. Die weitere Entwicklung sei stark vom Wetter abhängig und deshalb nur begrenzt vorhersagbar.

Ein «Mastjahr» für Birken

Laut Benoît Crouzy vom Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteoschweiz) hat die Verbesserung der Wetterlage letztes Wochenende zu einem «sehr raschen Anstieg der Pollenkonzentration» geführt. Zwar seien ähnlich hohe Werte auch in der Vergangenheit gemessen worden. Ihm zufolge kann man aber «von einer extrem starken Birkenpollensaison sprechen».

Gemäss Crouzy gehört die Birke zu den Hauptallergieauslösern, deren Symptome andere Pollenarten wie die Eiche bei manchen Allergikerinnen und Allergikern verlängern können. Auch der Vegetationszyklus der Birke spiele eine Rolle. In «Mastjahren» produzierten Birken viele Pollen.

Die Birkenpollensaison wird gemäss Crouzy jetzt graduell abnehmen. In den letzten Tagen seien aber bereits Gräserpollen gemessen worden. Diese Entwicklung führt Crouzy auf den Klimawandel zurück: Sowohl die Birkenpollen- als auch die Gräserpollensaison habe dieses Jahr extrem früh angefangen.

Gemäss Jörg verursachen Gräserpollen meist bis in den Spätsommer Beschwerden. Seiner Erfahrung nach geht eine hohe Pollenbelastung auch mit einer «verstärkten Inanspruchnahme medizinischer Leistungen» einher. Vor allem Antihistaminika, Kortison-Nasensprays und Medikamente zur Behandlung von Asthma würden dann vermehrt verwendet und verschrieben werden.

Achtung, Ambrosia!

Zusätzlich breiteten sich neue allergene Pflanzen wie die invasive Ambrosia aus. Das werde in den kommenden Jahren zunehmend eine Rolle spielen, prognostizierte der Leiter für Allergologie am Berner Inselspital. Insgesamt werde es künftig vor allem mehr Tage mit Beschwerden pro Jahr geben – auch wenn die Symptome nicht immer gleich stark auftreten.

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