Das Käsen bringt sie zum Strahlen

Es gibt nur wenige Frauen in der Schweiz, die eine Käserei leiten. Eine von ihnen ist Daniela Weber. Vor vier Jahren wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit. Für ihren Gruyère AOP wurde sie ausgezeichnet.

Christine Bieri |

Wir präsentieren euch in regelmässiger Folge Artikel, die 2025 auf reges Interesse gestossen sind. Dieser Artikel wurde am 18. Januar 2025 erstmals publiziert.

Daniela Weber führt die Käserei Düdingen jetzt in ihrem dritten Jahr. Davor führte sie während zweier Jahre die Käserei Wünnewil FR. «Es war klar, dass Wünnewil eine befristete Stelle ist, da die Käserei fusionieren wollte. Das gab mir die Möglichkeit, auszuprobieren, ob das Führen einer Käserei wirklich das ist, was ich will», erklärt die Käsermeisterin.

In der Schweiz gibt es fünf Frauen (Stand: Januar 2025), die eine Käserei als Milchkäuferin leiten. Bei Gruyère-AOP-Käsereien ist Weber sogar die einzige Frau am Ruder. Die Lehre hat die 28-Jährige in einer Emmentalerkäserei in Amsoldingen BE unterhalb des Stockhorns gemacht. 

Aufgewachsen auf Milchwirtschaftsbetrieb

Aufgewachsen ist Daniela Weber auf einem Milchwirtschaftsbetrieb in Innerberg BE. Ihre Eltern produzierten Milch für eine Emmentalerkäserei, dort kam sie auch zum ersten Mal in Kontakt mit ihrem späteren Wunschberuf. «Ich durfte an einem Zukunftstag, damals noch Tochtertag, in die Käserei», sagt Weber. Später sei sie noch in einen anderen Betrieb zum Schnuppern gegangen, der aber leider keine Lehrlinge nahm.

Im Internet wurde sie schliesslich fündig und bewarb sich bei der Käserei in Amsoldingen. Dort hat sie auch nach der dreijährigen Lehre noch ein Jahr gearbeitet, bevor sie mit der Fachschule begonnen hat. Während der Ferien hat sie dann jeweils Aushilfen in Käsereien gemacht. Nach Wünnewil kam sie im Juli 2020, nachdem sie im März die Fachschule 2 abgeschlossen hatte.

Am Zuchtstiermarkt hats «gefunkt»

Eine Schlüsselbegegnung fand an einem Zuchtstiermarkt in Bulle FR statt. «Seit Jahren gehe ich an den Stierenmarkt in Bulle. Dieser Tag ist mir heilig. Am Stierenmarkt in Bulle habe ich immer frei», betont die Käserin.

«An diesem Stierenmarkt habe ich einen Bauern aus Wünnewil kennengelernt, der mir erzählte, dass sie auf der Suche nach einer Nachfolgelösung in ihrer Käserei seien. Er riet mir dringend, mich zu bewerben. Das habe ich getan und wurde gewählt. Während der zwei Jahre in Wünnewil habe ich die Berufsprüfung und die Meisterprüfung abgeschlossen.»

Selbstständig glücklich

Eine gute Entscheidung, findet sie heute. Die zwei Jahre hätten ihr gezeigt, dass das Führen einer Käserei das Richtige für sie sei. «Ich kann meine eigenen Entscheidungen treffen, kann selbst aussuchen, mit wem ich zusammenarbeiten möchte, und kann Lehrlinge ausbilden», zählt Weber auf. In Düdingen hat sie zurzeit zwei Lehrlinge. Einen im zweiten und einen im dritten Lehrjahr. In Wünnewil betreibt sie noch den Käsiladen. «Dort habe ich zwei ganz tolle Ladenfrauen. Auf sie kann ich mich verlassen und mich so besser auf die Produktion in Düdingen konzentrieren.»

In Düdingen produzieren Weber und ihr Team aus jährlich 2,5 Millionen Kilo Milch neben Gruyère AOP auch Mutschli, Kräuterkäse, Joghurt und Vacherin Fribourgeois AOP. Diese Produkte werden über den Chäsilade Wünnewil und ihre Käseautomaten vermarktet. «Mit dem Laden haben wir die Möglichkeit, unsere Produkte direkt an den Endkonsumenten zu bringen. Wenn im Laden Fragen auftauchen, dann kann ich diese direkt beantworten. Die Leute schätzen das.»

Gruyère-Tattoo am Arm

Ihre Leidenschaft geht unter die Haut. Daniela Weber hat am rechten Oberarm ein Tattoo mit dem Schriftzug Gruyère AOP. Eine Hingabe, die auch in ihren Produkten spürbar ist. 2024 bekam Daniela Weber gleich zwei Auszeichnungen. Sie bekam ein Diplom von der Sortenorganisation Gruyère AOP und eine Goldmedaille an den World Cheese Awards in Portugal.

«Das Diplom ist für mich die viel wertvollere Auszeichnung. Ich habe das Diplom nicht allein verdient, sondern gemeinsam mit meinem Vorgänger.» Um eine Auszeichnung für besonders guten Käse durch die Interprofession du Gruyère zu erhalten, braucht es einen Wert von 19 bis 20 Punkten. Die Punktzahl ist ein Durchschnittswert aus 60 Taxationen, die über einen Zeitraum von fünf Jahren gemacht werden. Die Käserei Düdingen bekam ein Diplom für 19,13 Punkte. «Natürlich ist es das Ziel, in fünf Jahren eine Medaille zu bekommen», sagt die Käserin.

Das Schönste am Beruf

Ein anderes Engagement der Milchtechnologin gilt der Nachwuchsförderung. Seit 2015 ist sie Teil der Fördergruppe und versucht unter anderem an Schwingfesten, junge Menschen für diesen Beruf zu begeistern. Auch auf den sozialen Medien gibt sie, wann immer sie eine Idee hat und es die Zeit erlaubt, Einblick in ihren Alltag. «Dieser Beruf gefällt mir extrem. Am Mittag siehst du, was du gemacht hast. Etwas vom Schönsten ist auch das Auspacken der Käse vom Vortag. Am meisten fasziniert mich aber, wie viele verschiedene Produkte man aus der gleichen Milch herstellen kann.»

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