Die erste Landwirtin der Schweiz findet ihr Liebesglück

Mut zu zeigen, hat sich bei Gabi Ochsner und Röbi Schmid wahrlich gelohnt. Die beiden Frischverliebten bereuen es keine Sekunde, sich medial auf Partnersuche begeben zu haben. Ein neuer Lebensabschnitt voller Optimismus nimmt nun seinen Lauf.

Ruedi Roth |

«Was sagst du? Du bist jetzt losgefahren und kommst erst in einer Stunde? Es war doch anders abgemacht», spricht Gabi Ochsner dem Röbi Schmid leicht enttäuscht ins Telefon.

«Du bist hier willkommen»

Ihr Gesicht strahlt aber schnell wieder. Ganz überraschend erscheint nämlich das herbeigesehnte Auto genau in diesem Moment auf dem Flurhof in Andwil SG. Röbi Schmid steigt rasch aus und schmunzelt. Humor stehe ja weit oben auf der Wunschliste von Gabi Ochsner. Dies erfüllt ihr der gemütliche Mann gerne. Die herzliche Umarmung mit dem Begrüssungskuss, ein wenig nervös, aber strahlen tun die beiden trotzdem.

Man hat sich halt schon sehr aufeinander gefreut. Die fröhliche Plauderei wird von den ungestüm herbeieilenden Hunden unterbrochen. Jeder will noch eine Zärtlichkeit erhaschen, und selbst die Hofkatze streicht dem Ankömmling rasch um die Beine. «Ja, du bist hier willkommen. Für uns alle hast du ein gutes Gespür», stellt Gabi Ochsner zufrieden fest. Sogar ihre zehn Pferde hätten zu Röbi Schmid Vertrauen gefasst, obwohl er in dieser Hinsicht einst skeptisch eingestellt gewesen sei. Da kommt ihm seine Erfahrung im Umgang mit Tieren wohl gelegen. 80 Kaninchen und eine Herde Schafe hielt Röbi Schmid. Das ist jetzt vorbei.

Ein neues Leben

Total umgekrempelt hat der 67-Jährige sein Leben. In vier Monaten lässt er sich pensionieren, er zieht in die Ostschweiz und noch viel wichtiger: Er hat einen neuen Schatz! «Dass ich mich derart verlieben würde, hat mich überrascht. Aber ich habe mit Gabi so einen lieben, ehrlichen Menschen kennen gelernt, dass es einfach passiert ist.» Ein Geschenk für die spontane Frau.

«Noch nie in meinem Leben wurde mir so viel Liebe geschenkt. Ich bin einfach sehr glücklich», sprudelt es aus der selbstbewussten Frau heraus. In der Stadt St. Gallen wuchs Gabi Ochsner auf. Tiere sprachen sie schon als kleines Kind an, und der Beruf Bereiterin war ihr Ziel. «Das kommt nicht infrage», meinte ihr Vater und pochte auf etwas «Höhergestelltes». Gabi bestand die Eignungsprüfung für die Kantonsschule, ging aber danach ihren eigenen Weg.

Die erste Landwirtin

Knapp fünfzehnjährig suchte sie eine Lehrstelle als Landwirtin. Niemand wollte aber damals, 1976, ein Mädchen auf dem Hof. Schliesslich fand sie in Aubonne im Kanton Waadt doch noch einen Lehrplatz. 80 Kühe, 6 Traktoren und 100 Hektaren Land bildeten hier ihr Umfeld. «Das war wie eine Fabrik, unpersönlich, aber gelernt habe ich trotzdem sehr viel», erinnert sich Gabi Ochsner und lacht. Bald hatte die junge Frau ein Pferd in ihrem Besitz und startete ihre Karriere als Züchterin. Nach erfolgreich bestandener Berufsprüfung war die St. Gallerin schweizweit die erste Frau mit dem Beruf Landwirt.

Die Anstellung als Betriebshelferin im Anschluss gefiel ihr. «Freundinnen hatte ich damals nicht. Reiten stand bei mir an erster Stelle.» Als Neunzehnjährige landete sie auf dem Flurhof. Dort stand für ihr Pferd ein Platz zur Verfügung. Das Betriebsleiterpaar Ochsner war schon längst pensioniert, und ihr 28-jähriger Sohn und Einzelkind Othmar verlobte sich innert Kürze mit Gabi. «Im Mai 1979 heirateten wir und wurden Eltern einer Tochter und eines Sohnes», erzählt Gabi Ochsner sinnend.

Die zweite Liebe

Da sie damals erst neunzehn war, mussten ihre Eltern dafür eine schriftliche Einwilligung erteilen. «Gotthelf-Puure» wurden Ochsners in der Umgebung genannt. Jegliche Mechanisierung wurde abgelehnt, und die Arbeitseffizienz stagnierte. Dem wollte Gabi abhelfen und übernahm das Ruder auf dem Flurhof. Einfach war diese Zeit nicht für die trotz allem stets positiv denkende Frau. «Zärtlichkeiten wurden keine verteilt. Wenigstens hatte ich aber mit den Menschen im Dorf eine gute Beziehung.» 2021 verstarb Gabis Ehemann unerwartet während der Arbeit an einem Herzversagen.

Der heute im Kanton Schwyz wohnhafte Röbi Schmid wuchs in Schönenberg ZH auf. Über Umwege lernte er Detailhandelsfachmann und war in diesem Beruf bald eine gefragte Person mit Führungsaufgaben. Nach einigen Jahren wechselte er seinen Beruf und verdiente sein Geld als Lastwagenfahrer mit Molkereiprodukten. Früh hatte er seine Frau kennen gelernt, und die beiden wurden Eltern von drei Kindern. «Irgendwann hatten wir uns auseinandergelebt.

«Überwindung mit vielen Gedanken»

Eine Scheidung war die beste Lösung, und wir pflegen immer noch eine gute Freundschaft.» Eine darauffolgende Beziehung ging nach sechs Jahren in die Brüche. Jetzt war Röbi Schmid allein und machte sich Gedanken über seine Zukunft. Nach drei Jahren Singledasein fasste er den Entschluss, sich bei «Bauer, ledig, sucht...» anzumelden und öffentlich sein Interesse an Gabi Ochsner zu zeigen.

«Das war eine Überwindung mit sehr vielen Gedanken. Schlussendlich drückte ich die Taste ‹Senden› und war folglich voller Spannung», erzählt Röbi Schmid und lacht. Ein Treffen wurde organisiert, und der Schwyzer überlegte sich, womit er dort aufkreuzen sollte. Er entschied sich für den von ihm restaurierten Bührer-Traktor, und das erwies sich als gute Wahl. «Das hat mich grad schon mal gefreut. Aber noch viel mehr das sympathische Verhalten seines Chauffeurs», gibt Gabi Ochsner zu.

Spannende Hofwoche

Die darauffolgende Hofwoche sei schon spannend gewesen. Röbi grübelte in der Nacht in seinem Zimmer und war unschlüssig, und Gabi vermutete, dass dieser tolle Mann wohl nicht nach Andwil ziehen wolle. Sie lag falsch. Entgegen ihrer Meinung war ihr Auserwählter nicht Eigenheimbesitzer. Und er hatte am Abschlussabend ihrer gemeinsamen Woche auf dem Flurhof die Sicherheit gewonnen: «Diese Frau ist ein Herzensmensch, und ich fühle mich wohl bei ihr, ihrem Hof und ihren lieben Bekannten.»

Die Liebe ist gewachsen, und die Zukunft wird gemeinsam geplant. Das Wohnhaus erfährt eine sanfte Renovation, und alle anstehenden Arbeiten auf dem Hof werden in Zukunft zusammen erledigt. «Das Wichtigste sind aber die Zärtlichkeiten. Voller Liebe einander umarmen, einander respektvoll zuhören und diesen Lebensabschnitt mit neuen Erlebnissen ausschmücken!»

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Kommentare (2)

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  • Vögeli Doris | 18.02.2026
    Was für eine tolle Geschichte. Ich wünsche euch von Herzen viel Glück. Und viele schöne Jahre zusammen. Einfach ein Leben lang.
  • Marlis | 18.02.2026
    Wünsche den Beiden viele, tolle ,liebevolle Jahre .
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