Kühe auf Strasse, Traktoren auf Autobahn

Dominic Spahr (34) hat nach seiner Ausbildung zum Landwirt an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften ein Agronomiestudium begonnen. Derzeit absolviert er ein Praktikum in Indien. In seinem Blog berichtet er regelmässig über seine Erlebnisse.

Dominic Spahr |

Es ist eine Weile her, seit ich das letzte Mal einen Eintrag geschrieben habe. Damals habe ich über Kartoffeln berichtet glaube ich. Man hätte auf den Gedanken kommen können, ich hätte dem Studium den Rücken zugewandt und deswegen nicht mehr darüber berichtet.

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Studiengang gewechselt

Mir ist auch durch den Kopf gegangen, dass treue Leserinnen und Leser vielleicht denken, ich hätte zu viel zu tun und würde angesichts der Aufgaben nicht dazu kommen alle zwei Wochen meine Erlebnisse zu umschreiben. Dem ist nicht so. Ich hatte schlicht nicht die Musse zu schreiben. Der Studienalltag und die damit einhergehenden Aufgaben wie Prüfungen, Praktika und Arbeiten waren zwar schon fordernd, die Arbeit ist nie davongelaufen und privat war auch einiges los.

Es ereignete sich allerdings nur wenig, von dem ich das Gefühl hatte es wäre es wert gewesen es zu Papier zu bringen. Wie dem auch sei hat es in der Zwischenzeit einige Entwicklungen gegeben. Unter anderem habe ich die Vertiefung des Studienganges gewechselt. Von der Pflanzenwissenschaft zur internationalen Landwirtschaft.

Viel organisieren

Die Internationale Landwirtschaft umfasst beispielsweise das Erlernen von Ackerkulturen und Nutztieren rund um die Welt, wie man Projekte begleitet, wie die Entwicklungszusammenarbeit funktioniert und vieles mehr. Ein wichtiger Meilenstein des Internationalen Studiums ist es, dass man während einem Semester ein Praktikum im Ausland absolviert. Soeben absolviere ich dieses Praktikum und möchte euch davon erzählen.

Die Vorbereitungen waren gründlich, aber auch anstrengend. Visum organisieren, impfen, alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen, beispielsweise das Ausfüllen einer Notfall-Karte, wofür ich erst meine Blutgruppe in Erfahrung bringen musste. Und das Organisieren von jeglichen Dingen rund ums Privatleben, zum Beispiel wer kümmert sich um das Büssi während meiner sechsmonatigen Abwesenheit.

Cricket wohl eine grosse Sache

Alles ist organisiert die Koffer sind gepackt und es kann endlich losgehen. Ich fliege von Zürich direkt nach Mumbai. Viele Leute haben mich vor der Reise gefragt, ob ich nun angesichts der Weltlage eine andere Route nehmen würde, worauf ich erwiderte, dass ich das dem Piloten überlasse. Die Maschine fliegt tatsächlich nicht den direkten Weg. Sie macht eine Art ein S über den Balkan, das Schwarze Meer, den Kaukasus, das Kaspische Meer und Zentralasien. Der Flug dauert achteinhalb Stunden. Da die Zeitverschiebung aber 3,5 Stunden beträgt, lande ich folglich nach zwölf Stunden in Indien.

Ich verbringe die Nacht am Flughafen in Mumbai. Ich versuche auf einem Sessel zu ruhen, was aber angesichts des Lärms und der Hitze nur so mittel gelingt. So verbringe ich die 6 Stunden Aufenthalt damit auf einem der riesigen Bildschirme, die den Eingang des Flughafens schmücken, mit anderen Wartenden ein Cricket-Spiel zu schauen. Ich versuche dabei die Regeln des Spiels zu erlernen, die sich mir aber schlussendlich nicht erschliessen. Ich komme aber zum Schluss, dass der Sport in Indien wohl eine grosse Sache ist.

Chaotisch und laut

Am nächsten Morgen kann ich endlich einchecken und fliege nun mit Air India ins etwas zentral gelegene Indore. Dort werde ich von einem Fahrer abgeholt, der mich in meine künftige Unterkunft fährt. Während dem ich darauf warte, dass er das Auto holt, mache ich mit irgendwelchen Indern auf deren Wunsch hin Selfies.

Indien kenne ich bis jetzt nur aus Erzählungen, welche lauten: Indien ist verrückt. Meine ersten Eindrücke bestätigen diesen Verdacht. Auf der Fahrt sehe ich Dinge, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Kühe und Ziegen, die auf der Strasse rumstehen. Fünfköpfige Familien, die sich einen Roller teilen, Traktoren und Fussgänger auf der Autobahn, mehrere Geisterfahrer, Bauernfamilien, die Getreide von Hand ernten, oder Leute die ihren Müll am Strassenrand verbrennen. Mein Chauffeur betätigt die Hupe während der zweistündigen Fahrt vermutlich öfter, als ich es mein bisheriges Leben getan habe. Es ist chaotisch und laut, heiss und voller Menschen, lebendig und bunt. Ich liebe es schon jetzt.

Das Endziel der Reise ist eine Forschungsanstalt der BioRe Assosciation und Remei India Ltd. in der Nähe der 30'000 Seelenstadt Kasrawad. Ich werde hier als Teil eines Projektes, das die lokalen Bauern in der Baumwollproduktion unterstützt, Forschung betreiben und meine Bachelor-Arbeit schreiben.

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