
Irène Meier aus Alosen ZG (r.) gewinnt die 19. Staffel der SRF-Sendung. «Landfrauenküche». Zweite wird Lorena Röösli aus Hasle LU.
SRF
Sieben Teilnehmerinnen mit einem landwirtschaftlichen Bezug kochen für ihre Konkurrentinnen ein Menü aus möglichst hofeigenen und saisonalen Zutaten. Sie werden von den anderen bewertet, und am Schluss gibt es eine Siegerin. So funktioniert die Sendung «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche».
Die Köchin der jeweiligen Folge gewährt aber nicht nur Einblicke in ihre Töpfe, sie öffnet auch für eine Woche ihre Türen und zeigt dem Fernsehteam, wie sie lebt. In vielen Fällen gab es da vor allem heile Welt zu sehen: aufgeräumte Höfe, moderne Küchen, vorbildlich herausgeputzte Kinder und ein intaktes Eheleben.
«Sendung übt Druck aus»
Das führte zuweilen zu Kritik. Barbara Kunz, Präsidentin des Verbands Bernischer Landfrauenvereine, sagte etwa im Vorfeld der letzten Staffel zur «Berner Zeitung» (BZ), sie würde «nie im Leben» bei dieser Sendung mitmachen. Sie übe Druck auf die Landfrauen aus, dass auch bei ihnen alles perfekt sein müsse, und sie romantisiere. «Das wird in der Branche kritisch betrachtet», so Kunz weiter. Hansjörg Niklaus, publizistischer Leiter der SRF-Sendung, sagt zu dieser Beanstandung, die «Landfrauenküche» habe sich stark entwickelt.
-> «Natürlich stehen die Frauen am Herd – es ist ein Wettbewerb»
«Früher, vor 19 Jahren, stand Kochen im Vordergrund, und wir zeigten tatsächlich vor allem das heile Landleben. Das hat sich schrittweise verändert und ist schon lange nicht mehr so. Wir haben bereits in anderen Staffeln schwierige Situationen gezeigt. Heute ist es unser Anspruch, die Geschichten der Landfrauen und das echte Leben stärker zu zeigen.»

Barbara Kunz ist Präsidentin Bernischer Landfrauenvereine.
Barbara Schwarzwald
Im Interview mit der BZ kritisierte Kunz aber nicht nur das. Sie bemängelte auch, dass das Klischee der Frau am Herd zementiert werde, und fragt, warum es keine Kochsendung mit Landmännern gebe. Darauf sagt Niklaus: «Wenn ein Mann kochen würde, wäre das ein anderes Konzept. Etwas in diese Richtung wäre eine Überlegung wert. Aber im Moment spricht man in unserer Gesellschaft von den Landfrauen. Landmänner gibt es in dem Sinn ja nicht.»
«Traumquoten»
Egal, ob man nun Hansjörg Niklaus zustimmt oder Barbara Kunz’ Meinung teilt, man muss anerkennen, dass die Sendung nach wie vor sehr beliebt ist. Gerade die 19. Staffel «gehört zu den erfolgreichsten der letzten 19 Jahre und erzielte Traumquoten», heisst es von der SRF-Medienstelle. Im Durchschnitt erzielte sie einen Marktanteil von 41,4 Prozent, was einer Zuschauerzahl von 641’000 entspricht. Zum Vergleich: Der Schweizer «Tatort» kommt auf 26,1 Prozent Marktanteil (364’000 Zuschauerinnen und Zuschauer) und die Quizsendung «1 gegen 100» auf 29,8 Prozent (397’000 Zuschauerinnen und Zuschauer).
-> Sie packt an und sticht heraus
Beides sind wie die «Landfrauenküche» Unterhaltungssendungen, die ab 20.05 Uhr auf SRF 1 ausgestrahlt, aber von deutlich weniger Menschen geschaut werden. Warum ist ausgerechnet die «Landfrauenküche» so beliebt? Hansjörg Niklaus erklärt es sich so: «Die Sendung zeigt Menschen auf dem Land, die in ihrem Kosmos leben, selbstständig arbeiten, ihre eigenen Produkte herstellen und verarbeiten.» Nach einem solchen Leben sehnten sich viele Leute aus der Stadt oder der Agglomeration. «Wir zeigen einen Sehnsuchtsort und gleichzeitig das echte Leben.»
Die bisherigen Gewinnerinnen
2007: Migga Falett, Bergün GR
2008: Annemarie Eberle, Altnau TG
2009: Priska Abegg, Steinerberg SZ
2010: Brigitte Bürgi, Kägiswil OW
2011: Kathrin Sprecher, Langwies GR
2012: Esther Kempf, Unterschächen UR
2013: Romana Zumbühl, Altbüron LU
2014: Ruth Breitenmoser, Mosnang SG
2015: Iris Riatsch, Vnà GR
2016: Sonja Schilt, Iseltwald BE
2017: Monika Knellwolf, Waldstatt AR
2018: Anita Mosimann, Emmental BE
2019: Flurina Candinas, Andiast GR
2020: Barbara Matter, Rumendingen BE
2021: Sonja Vogt-Meyer, Scherz AG
2022: Eliane Schürpf, Rickenbach SZ
2023: Agnes Hügli, Brislach BL
2024: Irma Schatt, Dussnang TG
2025: Irène Meier, Oberägeri ZG mgt
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