Sie pendelt zwischen Kuhstall, Gästezimmern und Gemeinderat

Bäuerin, Agrarscout, Agrotourismusunternehmerin und Gemeinderätin. Fabienne Kappeler erfüllt viele Rollen zugleich. Gemeinsam mit ihrer Familie führt sie im appenzellischen Heiden den Kappishof auf dem Bischofsberg — ein ehemaliges Armenaltersheim, in dem heute Gäste aus nah und fern übernachten.

Jasmine Baumann, lid |

Fabienne Kappeler sitz schick gekleidet in ihrem Cabriolet, es ist mit einer pinkfarbenen Schleife verziert. «Das habe ich zum Geburtstag erhalten, von meinem Schatz», sagt sie und strahlt übers ganze Gesicht. Sie wird in wenigen Tagen 40 Jahre alt. Den Geburtstag haben sie vorgefeiert, weil sie am eigentlichen Festtag in den Ferien sein werden.

Ein Hof mit vielen Gästen

Feste feiern, das macht die Appenzellerin gern. Sie mag Menschen und Gesellschaft. So verwundert es nicht, dass die gelernte Sozialagogin auf ihrem Hof Agrotourismus betreibt.

Sie bewirtet Gäste bei Hochzeiten, Geburtstagen und anderen Events von 25 bis 380 Personen. Daneben bietet sie «Bett ond Zmorge» an. Nicht weniger als elf schön eingerichtete Zimmer bietet die Bäuerin an. Das ehemalige Altersheim für arme Leute ist 200 Jahre alt.

«Langweilig wird es mir mit so einem grossen und alten Haus sicher nie», sagt sie. Zudem halten sie ihre vier Kinder Nino, Luca, Timo und Lorina auf Trab. Wobei der Älteste bereits in der Lehre zum Detailhändler ist.

Zwischen Mutterkühen und Minipig

Dass auf dem Bischofsberg immer etwas läuft, hat auch mit den Menschen zu tun, die den Hof führen. Denn weder Fabienne noch Christoph Kappeler sind auf einem Landwirtschaftsbetrieb aufgewachsen. Beide fanden als Quereinsteiger zur Landwirtschaft.

Sie teilen sich die Arbeiten auf dem Landwirtschaftsbetrieb auf, da beide zusätzlich auswärts arbeiten. Am Morgen geht Christoph in den Stall zu den 19 Mutterkühen und ihren Kälbern.

Nach dem Frühstück macht Fabienne die Arbeiten im Kuhstall fertig und kümmert sich anschliessend um ihre Pferde, Ponys und Ziegen. Sogar ein Minipig lebt auf dem Hof. «Miss Pigi ist im Moment bei den Nachbaren, sie ist eben freilebend», sagt die Bäuerin.

Vom Landdienst auf den Bischofsberg

Dass sie einmal Bäuerin werden würde, zeichnete sich nicht von Anfang an ab. Zur Landwirtschaft fand Fabienne Kappeler vielmehr über ihre Leidenschaft für Pferde und den Landdienst. «Ich verbrachte meine Ferien entweder im Reitlager oder auf Bauernhöfen», erzählt sie.

Auch ihr Mann ist nicht auf einem Hof aufgewachsen, sondern durch häufige Mithilfe bei Nachbarshöfen in die Landwirtschaft gekommen. So lernte er Landwirt.

Den Hof auf dem Bischofsberg konnten die beiden 2013 von der Gemeinde Heiden pachten. Vorausgesetzt war eine biologische Landwirtschaft. Der 25-Hektar-Betrieb ist ein reiner Grünlandbetrieb. Der Hauptgrund dafür ist, dass der Skilift und die Piste über ihr Land führen.

Mehr Wissen für mehr Sicherheit

Obwohl sie den Betrieb bereits seit 13 Jahren mitführt, entschied sich die 40-Jährige für die Bäuerinnenschule. Einerseits wollte sie ihr Fachwissen vertiefen, andererseits auch für den Ernstfall vorbereitet sein. «Wenn Christoph etwas passieren würde, müsste ich den Betrieb weiterführen können», sagt sie.

Insgesamt habe sie vieles aus der Schule mitnehmen können. Besonders interessiert hat sie das Fach Betriebslehre, in dem Themen wie Wirtschaftlichkeit, Versicherungen und das Pachtrecht im Zentrum standen.

«Die Ausbildung sollte stärker auf die Rolle der modernen Bäuerin ausgerichtet sein.»

Fabienne Kappeler, Bäuerin aus Heiden

«Spannend für mich war das Thema der Absicherung als Bäuerin – es gibt immer noch sehr viele Bäuerinnen, die schlecht oder gar nicht abgesichert sind», sagt sie.

Sie selbst bekommt für ihre Arbeit auf dem Betrieb einen buchhalterischen Lohn. Zusätzliches Geld verdient sie etwa bei ihren Einsätzen als Agrarscout oder mit  «Schule auf dem Bauernhof» . Neuerdings ist sie auch als Gemeinderätin in Heiden tätig.

Bäuerinnenschule sollte moderner werden

Für die Bäuerinnenschule hat sie jedoch nicht nur Lob. «Die Ausbildung sollte stärker auf die Rolle der modernen Bäuerin ausgerichtet sein», sagt sie und ergänzt: «Viele Bäuerinnen kümmern sich auf den Höfen um das Kälbermanagement – daher sollten Rindviehhaltung und Tierhaltung keine Wahlmodule mehr sein.»

Auch aus den praktischen Modulen in der Hauswirtschaft habe sie einiges mitgenommen. Allerdings könnten ihrer Meinung nach Textilreinigung und Hauswirtschaft zusammengenommen werden, weil sich viele Themen wiederholen.

Zeit für Familie, Pferde und Freundinnen

Noch heute arbeitet Fabienne Kappeler auftragsweise als Arbeitsagogin. Dabei begleitet sie Menschen mit Unterstützungsbedarf im Alltag.

Insgesamt ist Fabienne Kappeler also eine vielseitig beschäftigte Frau. Wie schafft sie den Ausgleich? Sie geht sehr gerne Ausreiten oder in den Ausgang mit Freundinnen. Auch bei Ausflügen mit der Familie tankt sie Kraft.

Die Rollen als Bäuerin, Gastgeberin, Agrarscout und Gemeinderätin unter einen Hut zu bringen, verlangt Organisationstalent und Engagement. Für Fabienne Kappeler überwiegen jedoch die Vorteile: die Unabhängigkeit, die Nähe zur Familie und die Möglichkeit, ihren Alltag selbst zu gestalten.

-> Hier gibt es mehr Infos zum  Kappi’s Hof

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