Sie teilt das Leben auf dem Bauernhof so, wie es ist

Im «International Year of the Woman Farmer 2026» stellen wir zwölf Landwirtinnen aus dem Ausland vor. Heute ist das Isabelle Hielscher aus Witzhelden in Deutschland. Zusammen mit ihrem Vater führt sie einen Betrieb mit 220 Milchkühen. Zu ihren Angestellten zählen auch mehrere Köche.

Christine Bieri |

Isabelle Hielscher ist vielen aus den sozialen Medien bekannt. Allein auf Instagram hat @isa. hielscher über 19’000 Follower. Hier gibt die Landwirtin aus dem deutschen Witzhelden (zwischen Düsseldorf und Köln) Einblick in ihren Alltag auf dem Hof. Zusammen mit ihrem Vater ist sie in einer GbR, einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, was in der Schweiz rechtlich einem Einzelunternehmen entspricht.

Der Betrieb umfasst total 145 Hektaren. 220 Milchkühe und deren Nachzucht leben auf dem Hof. Die Milch wird in der eigenen Käserei verarbeitet. Die entstandenen Milchprodukte werden im Hofladen und im hofeigenen Restaurant verkauft. Ausserdem beliefert die Familie Hielscher auch andere Hofläden und Cafés in den umliegenden Orten und Städten. Das alles kann die Familie nicht allein stemmen. «Da unser Betrieb ziemlich viele Bereiche umfasst, arbeiten viele Angestellte auf unserem Hof. Es gibt Köche, Käser und Angestellte, die nur im Käsekeller Käsepflege betreiben», gibt Hielscher Auskunft.

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Familie und Betrieb

Isabelle Hielscher selbst ist hauptsächlich für die Kühe und das Büro zuständig. «Ich war immer für das Melken, die Fütterung der Kälber und das Besamen zuständig. Ausserdem habe ich das Herdenmanagement gemacht und mich um die Bereiche Tiergesundheit und Aufzucht gekümmert.» Da sie vor kurzem Mutter geworden ist, hat sich ihr Aufgabengebiet etwas verändert. «Seitdem ich Mutter bin, mache ich im Stall deutlich weniger. Ich mache viele PC-Eingaben, Dokumentation usw. und besame selbst.»

Da mit Baby die Zeiten nicht planbar sind, ist sie aktuell nicht bei den Melkzeiten dabei. «In Zukunft werde ich auch deutlich mehr Büroarbeit erledigen, um meine Eltern zu entlasten und einen noch besseren Überblick über unseren Betrieb zu bekommen», hält sie fest. Neben ihr arbeiten auch Hielschers Partner, ihr Bruder und ihre Eltern im Betrieb mit. Wobei Letztere nicht aktiv im Stall arbeiten, sondern im Büro mit der gesamten Koordination beschäftigt sind. Zu den grössten Herausforderungen in der Landwirtschaft zählt für Hielscher die Bürokratie und der Umgang mit den Ämtern.

Personalsituation beschäftigt

«Da man in der Landwirtschaft gerne in Generationen denkt und nicht nur in Legislaturperioden wie in der Politik, kann man nur sehr schwer planen, da sich Gesetze andauernd ändern.» Ausserdem beschäftigt sie die Personalsituation. «Die Landwirtschaft ist körperlich anstrengend, und man muss bei jedem Wetter draussen sein. Da gibt es natürlich deutlich attraktivere Berufe, weshalb die Landwirtschaft immer unbeliebter als Arbeitsplatz wird.»

Landwirtschaft in Deutschland

Laut dem «Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat» wird die Hälfte der Landesfläche Deutschlands für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. 2025 wurden in Deutschland über 250’000 landwirtschaftliche Betriebe gezählt. Im Schnitt bewirtschaftete jeder von diesen Betrieben rund 66 ha Land. Ungefähr jeder siebte Betrieb bewirtschaftete über 100 Hektaren. Während die Gesamtzahl der Betriebe in den letzten Jahren gesunken ist, stieg die Anzahl der Betriebe mit einer Fläche von über 100 Hektaren.

Die durchschnittliche Betriebsgrösse variiert je nach Gebiet stark. In Bayern liegt sie zum Beispiel bei 38 Hektaren. Zum Vergleich: In der Schweiz beträgt die durchschnittliche Betriebsgrösse laut Agrarbericht 2025 gut 22 Hektaren. Auch hierzulande steigt die Anzahl grösserer Betriebe, wobei damit eine Fläche von über 30 ha gemeint ist. 2023 arbeiteten in Deutschland 875’900 Personen in der Landwirtschaft. Die meisten davon in Teilzeit. 45 % der Arbeitskräfte sind Familienangehörige. 11 % der Betriebe werden von Frauen geleitet. cbi

Hielscher engagiert sich stark für ein realistisches Bild der Landwirtschaft. «Die Landwirtschaft hat sich im Laufe der Jahrzehnte immer weiter entfernt von einem Grossteil der Gesellschaft», schreibt sie. Daher sei es wenig überraschend, dass Vorurteile weit verbreitet sind. «In der Werbung sieht man oft noch das Bild, wie die Bäuerin ganz klischeehaft mit ihrem Kopftuch den Joghurt im Holzfass rührt, was natürlich nicht der Realität entspricht.» Auf der anderen Seite seien auch immer wieder Skandale in den Medien.

Aufklärung

«Schlimme Bilder prägen sich immer mehr und schneller ein als die positiven Beispiele, und es ist deshalb auch so unglaublich schwer, die echte Landwirtschaft zu zeigen, wenn viele Menschen einem eh nicht glauben wollen, weil sie es ja ‹in den Nachrichten so gesehen› haben.» Davon lässt sich die 28-Jährige nicht entmutigen und nutzt die sozialen Medien für Aufklärungsarbeit. «Es gibt niemanden, der dazwischensteht und irgendwas faken kann. Ich kann das Leben auf dem Bauernhof so teilen, wie es ist. Mit Höhen und Tiefen und eben ganz viel Realität.»

Das Feedback, das sie von Berufskollegen bekommt, und den Austausch mit ihnen schätzt sie am meisten, neben der Gelegenheit, landwirtschaftsfremden Personen neue Inhalte zu vermitteln. Politische Inhalte erklärt sie auf verständliche Art und Weise. Bezüglich Subventionen hat sie eine klare Position. «Ein grosses Thema war in den letzten Jahren die Förderung des Agrardiesels. Ich fände es aber besser, wenn Subventionen gar nicht erst nötig wären, weil landwirtschaftliche Produkte einen angemessenen Preis hätten.»

Eine bunte Mischung

Auf ihrem Profil teilt sie auch andere Inhalte. «Mein Leben spielt sich zwar 24 Stunden auf dem Hof ab, aber ich habe nicht 24 Stunden nur Landwirtschaft im Kopf.» So haben auch persönliche Themen oder Ferien Platz. Ferien, die sie ans Meer oder auch zur Eliteschau in die Schweiz führen können. «Ich bin sehr dankbar, dass ich meine Familie um mich habe. Wir haben natürlich wenig freie Zeit und können selten Urlaub machen, aber da wir immer gut kommunizieren und uns gegenseitig alles ermöglichen wollen, klappt es auch meistens.»

Ihre Freizeit verbringt Isabelle Hielscher gerne mit ruhigeren Aktivitäten. Sie liest, malt mit Aquarellfarben oder hört Musik. Was die Zukunft betrifft, malt sie weder schwarz noch mit bunten Farben. «Da wir den Betrieb gerne erhalten möchten, müssen wir uns weiterentwickeln. Nichts ist so stetig wie der Wandel. Es werden einige Investitionen nötig sein, um das fehlende Personal auszugleichen. Es bleibt also spannend.»

Betriebsspiegel

Gesamtfläche des Betriebs (in Hektaren): 145, davon Ackerland: 50

Wald: 5 Grünland/Weiden: 90

Angebautes Getreide: Mais für die Rinderfütterung

Betriebszweige: Landwirtschaft (Milchvieh), Käserei, Hofladen, Restaurant, Lieferung an andere Hofläden, Cafés usw.

Anzahl und Art der Tiere: 220 Milchkühe und deren Nachzucht, ein Hund, drei Pferde (keine Nutzung), eine Handvoll Hühner (Hobby), fünf Alpakas (am Hofladen zum Angucken). cbi

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