Verwurzelt bei den Kühen, fokussiert im Wettkampf

Zwischen Stallarbeit und Rinderzucht findet der Olympionike Arno Lietha auf dem Familienbetrieb Kraft und Ausgleich. Die Arbeit mit Black-Angus-Kühen und Hochlandrindern erdet den Bündner. Auch wenn seine Olympiaträume nicht in Erfüllung gingen. Er weiss, was er will.

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Die Disziplin Ski Mountaineering (Skibergsteigen) feiert bei den Olympischen Spielen 2026 in Mailand-Cortina Premiere. Diese neue Disziplin kombiniert Aufstiege mit Fellen und rasante Abfahrten im Gelände. Gefragt sind Ausdauer, Technik und Strategie. Der aus einer Bauernfamilie stammende Spitzensportler Arno Lietha hat sich intensiv auf seine Teilnahme in dieser Disziplin vorbereitet.

Auch wenn er am Donnerstag das Podest knapp verpasst hat und sich mit der ledernen Medaille begnügen musste, steht sein Fernziel fest: «Ich habe ein Ziel für das Leben nach dem Sport, und das heisst, den Betrieb zu übernehmen», sagt der 28-Jährige gegenüber der «Linth-Zeitung».

Arbeit im Familienbetrieb

Auf dem Familienbetrieb in Fideris GR bereitet sich Lietha mental auf seine sportlichen Wettkämpfe vor. Durch die Arbeit mit Black-Angus-Kühen und Highland-Rindern findet er die Kraft, die ihn in seiner Disziplin, dem Skibergsteigen, zu Höchstleistungen antreibt. Der Hof ist seit Generationen in Familienbesitz, wie die «Linth-Zeitung» weiter berichtet. Und obwohl grosse Wettkämpfe bevorstehen, bleibt Lietha fest in die Betriebsabläufe eingebunden.

Im Jahresdurchschnitt arbeitet er mit einem Pensum von rund 10 bis 20 Prozent mit. Während der Vegetationsperiode steigt sein Einsatz deutlich, denn dann fallen Futterernte, Weidepflege und Unterhaltsarbeiten an. Im Winter hingegen reduziert sich der Arbeitsaufwand etwas, weil weniger Feldarbeiten anstehen und der Stallbetrieb strukturierter verläuft.

Findet Ausgleich im Stall

Im Zentrum des Betriebs stehen die Black-Angus-Kühe. Ruhig schiebt Lietha ihnen Heu vor, kontrolliert die Futteraufnahme und wirft einen prüfenden Blick auf die Tiere. Die Arbeit im Stall bedeutet für ihn mehr als nur Mithilfe im Familienunternehmen. Sie schafft einen Ausgleich zu den leistungsorientierten Trainingsphasen. Zwischen Wiederkäuern und Stroheinstreu relativieren sich Ranglisten und Resultate.

Hier zählen Tierwohl, Kontinuität und Sorgfalt. Wer die Tiere aufmerksam betreut, erhält Vertrauen zurück. «Bei den Tieren wirst Du an etwas gemessen. Wenn du gut zu den Tieren schaust, kommt etwas Gutes zurück. Das ist es, was ich brauche und was mir guttut», wird Lietha von der «Linth-Zeitung» zitiert.

Landwirtschaft als Berufung

Gerade in den arbeitsintensiven Sommermonaten gleicht die Arbeit im Betrieb einem natürlichen Krafttraining. Viele Arbeiten erfolgen noch von Hand: Zäune instandsetzen, Weiden kontrollieren, Futter bergen. Diese körperliche Belastung ersetzt manches Zusatztraining. Gleichzeitig verhindert die Verantwortung im Betrieb, dass sich der Alltag ausschliesslich um sportliche Leistungskennzahlen dreht. Landwirtschaft ist für Lietha keine Nebenbeschäftigung, sondern Berufung.

Die enge Verbindung zu den Tieren und dem Boden schafft Stabilität und fördert jene mentale Stärke, die auch ausserhalb des Hofes gefragt ist. «Landwirtschaft ist eine Leidenschaft von mir, und ich denke, dadurch werde ich auch im Sport besser», sagt Lietha gegenüber der «Linth-Zeitung».

Knapp am Podest vorbei

Für Arno Lietha stellt die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Italien den bisherigen Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn dar. In den letzten Weltcuprennen stand er mehrfach auf dem Podest und bestätigte damit seine Konstanz auf höchstem Niveau. Besonders im Sprint gehört er seit Jahren zur Weltspitze und kann zahlreiche Siege und Titel in dieser Disziplin vorweisen.

Am Donnerstag stand Lietha in Bormio im Sprint am Start. In dieser Disziplin konnte der angehende Betriebsleiter bereits zehn Weltcupsiege für sich verbuchen. 14-mal stand er auf dem Podest, wurde Weltmeister und gewann dreimal den Sprintweltcup. Aufgrund dieser beeindruckenden Leistungen traute man dem Bündner eine Medaille zu. Ein kleiner Patzer beim Wechsel kostete ihn jedoch wertvolle Sekunden. Er lag im Ziel nur rund 2,5 Sekunden hinter dem Drittplatzierten und musste sich mit dem vierten Rang begnügen.

Betriebsübernahme als Fernziel

Flexibilität sei sowohl in der Landwirtschaft als auch im Hochleistungssport unverzichtbar, erklärt der Olympionike. Wetterumschwünge beeinflussen die Erträge und die Futterqualität, während unerwartete Ereignisse rasche Entscheidungen verlangen.

Diese Erfahrung lässt sich auf andere Lebensbereiche übertragen. Langfristig steht für Lietha fest, dass er den Familienbetrieb übernehmen will. Bis dahin verbinden ihn die Hingabe an die Tiere im Stall und der Ehrgeiz, auf der grossen Sportbühne sein volles Potenzial abzurufen.

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