Wandern boomt: Die wichtigsten Fakten

Rund vier Millionen Menschen in der Schweiz schnüren regelmässig ihre Wanderschuhe – Tendenz steigend. Wer, wie, wo und warum Schweizerinnen und Schweizer so gerne wandern, das zeigen Zahlen und Fakten zu einer der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen des Landes, deren Hochsaison nun beginnt.

Rund 58 Prozent der Bevölkerung im Alter über 15 Jahre wandern regelmässig. Längst ist aus der beliebten Freizeitbeschäftigung eine Trendsportart geworden. Und seit 2023 steht Wandern sogar auf der Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz.

Wie oft es die Menschen in der Schweiz an die frische Luft zieht, zeigte eine Erhebung zur «Ausübung von Freizeitaktivitäten 2014, 2019 und 2024» des Bundesamtes für Statistik (BFS). Der Anteil der Personen, die mindestens einmal pro Woche wandern oder spazieren, stieg in diesem Jahrzehnt von 38,9 auf 45,8 Prozent.

Als wichtigsten Beweggrund (73 Prozent) nannten die Befragten des Wandermonitorings von 2020 den Wunsch, draussen in der Natur zu sein. Spass an der Bewegung zu haben und diese Freude mit anderen teilen zu können, war den Befragten dabei wichtiger als der Wunsch, sich mit anderen zu messen.

Eineinhalb Mal um die Welt

Durchschnittlich 15-mal jährlich wird gewandert, wobei jede Wanderung etwa drei Stunden dauert. Den Wandernden steht ein Wanderwegnetz von 65'000 Kilometern zur Verfügung – dieses entspricht laut dem Dachverband «Schweizer Wanderwege» eineinhalb Erdumrundungen. Im Vergleich misst das Strassennetz 71'400 Kilometer und das Schienennetz ist 5100 Kilometer lang.

Für Orientierung sorgen rund 50'000 Wegweiser-Standorte. Jährlich werden 1500 Kilo Farbe allein für die Markierungen auf den Wegen gebraucht, gibt «Schweizer Wanderwege» an. Für den Unterhalt der Wege sind rund 2000 Freiwillige im Einsatz.

Frauen tendenziell aktiver als Männer

Über die Altersgruppen hinweg ist die Beteiligung hoch, sinkt aber bei Personen ab 75 Jahren deutlich. Die aktivste Gruppe waren die 30- bis 44-Jährigen. Bei den jungen Erwachsenen gab es in den letzten Jahren die deutlichste Zunahme. Auch das Bildungsniveau und die finanzielle Situation spielen eine Rolle.

Personen mit einem Tertiärabschluss (96,5 Prozent) waren deutlich häufiger in der Natur aktiv als Personen mit obligatorischer Schulbildung (85,5 Prozent). Haushalte, die angaben, finanziell nur mit Mühe über die Runden zu kommen, wiesen mit 84,6 Prozent die tiefste Beteiligungsquote auf. In ländlichen Gemeinden war der Anteil der häufig Aktiven mit 50,1 Prozent höher als in städtischen Gebieten mit 44,4 Prozent.

Wanderboom

Von 2020 bis 2022 gab es in der Westschweiz einen «Boom» beim Wandern, Bergwandern und Marschieren, so der Forschungsbericht «Sport Schweiz light 2022» des Schweizer Sportobservatoriums. Laut BFS waren Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer 2024 erneut öfter draussen beim Spazieren oder Wandern. Weniger häufiger waren es Personen aus der Romandie und dem Tessin, wo fast gleich viele Menschen die Wanderschuhe schnüren.

Auch die Hütten des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) werden immer beliebter. Mit 409'000 Übernachtungen im vergangenen Jahr ist die Auslastung der SAC-Hütten um 12,7 Prozent gewachsen gegenüber 2024. Damit geht das 2025 als das erfolgreichste Hüttenjahr in die SAC-Geschichte ein.

An gelben Tafeln hängt viel Geschichte

Mit der Verbreitung des Autos in den 1920er-Jahren wuchs der Unmut der Menschen, die zu Fuss unterwegs waren und dabei immer öfter von der Strasse verdrängt wurden. So führte ausgerechnet der Vormarsch des Autos zur Gründung des Verbands «Schweizer Wanderwege».

Als Wendepunkt in der Geschichte der Schweizer Wanderbewegung entpuppte sich eine Wanderung einer Zürcher Schulklasse über den Klausenpass zwischen Uri und Glarus. Als die Kinder sich am Rand der Strasse durch Lärm, Staub und Abgase kämpften, erkannte ihr Lehrer die Notwendigkeit von speziell für Fussgängerinnen und Fussgänger bezeichneten Pfaden. Kurz darauf entstanden in der Stadt Zürich die ersten Wanderrouten, die von Tram-Endstationen in die Natur hinausführten.

Kaum hatten sich die gelben Wegweiser etabliert, mussten sie auch schon wieder abmontiert werden: Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 mussten sie auf Befehl der Schweizer Armee eingelagert werden. Dies, um allfällig einmarschierenden Truppen die Orientierung nicht zu erleichtern.

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