
Schellen und Trycheln als archaische Lärminstrumente finden in vielen Bräuchen im Alpenraum Verwendung.
Margrit Renfer
Kurz nach Sonntagmittag erbebte das sonst eher beschauliche Seeländer Dorf unter den wuchtigen Klängen unzähliger Treicheln, Trinkeln, Bummela, Plumpa, Schölle, Glunggi und wie die gegossenen oder aus Blech gehämmerten Lärminstrumente je nach Region und Machart alle heissen.
Traditionell und modern
Männer in traditioneller Tracht – vom Berner Mutz über den Freiburger Bredzon bis zum Innerschweizer Hirtenhemd – schwingen die an reich verzierten Lederbändern hängenden Trycheln. Doch auch die Moderne hat Einzug gehalten ins Brauchtum: Vor der Sonne schützen Dächlikappen und von Hut oder Hemmliskragen grüsst vereinzelt ein Sponsorenlogo.

Oft geht es darum, mit dem Lärm böse Geister zu vertreiben.
Margrit Renfer
Geschwungen werden die Trycheln einhändig, zweihändig oder getragen an einem über die Schultern gelegten Joch. Von weitem klingen die auf der Umzugsroute herannahenden Züge mit ihrem stetigen Rhythmus und den tiefen Bassnoten fast wie ein altes, mechanisches Waldsägewerk unter Vollast. Erst beim Näherkommen entfaltet sich der reiche Klang der Trycheln und Glocken.
Gegen dunkle Dämonen
Schellen und Trycheln als archaische Lärminstrumente finden in vielen Bräuchen im Alpenraum Verwendung. Oft geht es darum, mit dem Lärm böse Geister zu vertreiben oder gute anzulocken. Zahlreiche Lärmbräuche fallen in die dunklen Wintermonate.
Der wohl bekannteste Glockenbrauch der Schweiz ist der Chalandamarz – in Text und Bild verewigt im Kinderbuch «Schellenursli». Als Lärminstrumente finden Glocken, Schellen und Treicheln auch bei Fasnachten Verwendung. Selbst in der Sportfankultur haben sie sich als identitätsstiftendes Element etabliert.
Regen gebracht
Heute gibt es in der Schweiz eine Vielzahl von mehr oder weniger losen Vereinigungen, die sich dem Trychlen verschrieben haben. Manche sind tief in altem, lokalem Brauchtum verankert, andere sind erst in den letzten Jahren entstanden.
Hätten die Menschen früher mit ihren «Instrumenten» die bösen Geister vertrieben, hätten sie es dieses Jahr geschafft, dass es nach der langen Dürreperiode endlich regnete», freute sich Gemeindepräsident Pierre-André Pittet am bereits wieder schönen Festsonntag.
«Armee braucht es leider wieder»
«Mit der Pflege des Brauchtums haltet ihr die Basis für die Schweiz hoch», lobte Bundesrat Albert Rösti in seiner Ansprache. Das Schellen und Trychlen habe es schon im 12. Jahrhundert gegeben und seit dem 18. Jahrhundert werde das Brauchtum beschrieben, sagte Rösti.

Bundesrat Albert Rösti lobte am Sonntag in seiner Rede als Ehrengast die Kameradschaft und Pflege von Brauchtum und Tradition der Scheller und Trychler.
Margrit Renfer
Angesichts der Trockenheit sei er froh, wenn die anwesenden National- und Grossräte Druck auf den Bundesrat machten, um mutige Massnahmen zu treffen, folgerte Bundesrat Albert Rösti. Er rief den Anwesenden in Erinnerung, dass Schüpfen die Heimat von alt Bundesrat Rudolf Minger gewesen sei. Dieser habe seinerzeit mit dem Aufbau der Armee mitgeholfen, die Schweiz im Zweiten Weltkrieg vor Angriffen zu bewahren. Leider sei der Aufbau der Armee wegen kriegerischer Auseinandersetzungen auch heute wieder ein Thema.

Geschwungen werden die Trycheln einhändig, zweihändig oder getragen an einem über die Schultern gelegten Joch.
Margrit Renfer





