Landfrauenküche: Beliebt und kritisiert

19 Siegerinnen sind bereits aus der Sendung «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» hervorgegangen. Dieses Jahr wird die 20. gekürt. Die Sendung erzielt noch immer Traumquoten. Obwohl oder gerade weil sie auch kritisch beurteilt wird.

Julia Spahr |

Sieben Teilnehmerinnen mit einem landwirtschaftlichen Bezug kochen für ihre Konkurrentinnen ein Menü aus möglichst hofeigenen und saisonalen Zutaten. Sie werden von den anderen bewertet, und am Schluss gibt es eine Siegerin. So funktioniert die Sendung «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche».

Die Köchin der jeweiligen Folge gewährt aber nicht nur Einblicke in ihre Töpfe, sie öffnet auch für eine Woche ihre Türen und zeigt dem Fernsehteam, wie sie lebt. In vielen Fällen gab es da vor allem heile Welt zu sehen: aufgeräumte Höfe, moderne Küchen, vorbildlich herausgeputzte Kinder und ein intaktes Eheleben.

«Sendung übt Druck aus»

Das führte zuweilen zu Kritik. Barbara Kunz, Präsidentin des Verbands Bernischer Landfrauenvereine, sagte etwa im Vorfeld der letzten Staffel zur «Berner Zeitung» (BZ), sie würde «nie im Leben» bei dieser Sendung mitmachen. Sie übe Druck auf die Landfrauen aus, dass auch bei ihnen alles perfekt sein müsse, und sie romantisiere. «Das wird in der Branche kritisch betrachtet», so Kunz weiter. Hansjörg Niklaus, publizistischer Leiter der SRF-Sendung, sagt zu dieser Beanstandung, die «Landfrauenküche» habe sich stark entwickelt.

->  «Natürlich stehen die Frauen am Herd – es ist ein Wettbewerb»

«Früher, vor 19 Jahren, stand Kochen im Vordergrund, und wir zeigten tatsächlich vor allem das heile Landleben. Das hat sich schrittweise verändert und ist schon lange nicht mehr so. Wir haben bereits in anderen Staffeln schwierige Situationen gezeigt. Heute ist es unser Anspruch, die Geschichten der Landfrauen und das echte Leben stärker zu zeigen.»

Im Interview mit der BZ kritisierte Kunz aber nicht nur das. Sie bemängelte auch, dass das Klischee der Frau am Herd zementiert werde, und fragt, warum es keine Kochsendung mit Landmännern gebe. Darauf sagt Niklaus: «Wenn ein Mann kochen würde, wäre das ein anderes Konzept. Etwas in diese Richtung wäre eine Überlegung wert. Aber im Moment spricht man in unserer Gesellschaft von den Landfrauen. Landmänner gibt es in dem Sinn ja nicht.»

«Traumquoten»

Egal, ob man nun Hansjörg Niklaus zustimmt oder Barbara Kunz’ Meinung teilt, man muss anerkennen, dass die Sendung nach wie vor sehr beliebt ist. Gerade die 19. Staffel «gehört zu den erfolgreichsten der letzten 19 Jahre und erzielte Traumquoten», heisst es von der SRF-Medienstelle. Im Durchschnitt erzielte sie einen Marktanteil von 41,4 Prozent, was einer Zuschauerzahl von 641’000 entspricht. Zum Vergleich: Der Schweizer «Tatort» kommt auf 26,1 Prozent Marktanteil (364’000 Zuschauerinnen und Zuschauer) und die Quizsendung «1 gegen 100» auf 29,8 Prozent (397’000 Zuschauerinnen und Zuschauer).

->  Sie packt an und sticht heraus

Beides sind wie die «Landfrauenküche» Unterhaltungssendungen, die ab 20.05 Uhr auf SRF 1 ausgestrahlt, aber von deutlich weniger Menschen geschaut werden. Warum ist ausgerechnet die «Landfrauenküche» so beliebt? Hansjörg Niklaus erklärt es sich so: «Die Sendung zeigt Menschen auf dem Land, die in ihrem Kosmos leben, selbstständig arbeiten, ihre eigenen Produkte herstellen und verarbeiten.» Nach einem solchen Leben sehnten sich viele Leute aus der Stadt oder der Agglomeration. «Wir zeigen einen Sehnsuchtsort und gleichzeitig das echte Leben.»

Die bisherigen Gewinnerinnen

2007: Migga Falett, Bergün GR

2008: Annemarie Eberle, Altnau TG

2009: Priska Abegg, Steinerberg SZ

2010: Brigitte Bürgi, Kägiswil OW

2011: Kathrin Sprecher, Langwies GR

2012: Esther Kempf, Unterschächen UR

2013: Romana Zumbühl, Altbüron LU

2014: Ruth Breitenmoser, Mosnang SG

2015: Iris Riatsch, Vnà GR

2016: Sonja Schilt, Iseltwald BE

2017: Monika Knellwolf, Waldstatt AR

2018: Anita Mosimann, Emmental BE

2019: Flurina Candinas, Andiast GR

2020: Barbara Matter, Rumendingen BE

2021: Sonja Vogt-Meyer, Scherz AG

2022: Eliane Schürpf, Rickenbach SZ

2023: Agnes Hügli, Brislach BL

2024: Irma Schatt, Dussnang TG

2025: Irène Meier, Oberägeri ZG  mgt

Kommentare (5)

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  • Ireen Mülker | 21.04.2026
    Ich finde die Landfrauen geben sich natürlich und Hertzlich echt ich sehe liebvolle Väter und zährtliche Ehemänner ich wäre Glücklich so einer an meiner Seite zu haben
  • Fischer | 20.04.2026
    Ich finde die Sendung identisch, letzten beiden Sendungen waren ja Teilnehmerinnen dabei, welche ehrlich waren und mitteilten, dass sie angeschlagen waren und sich in stationäre Behandlung geben mussten, da sie dem Berg der Arbeit und der Anforderungen nicht mehr gewachsen waren, das ist doch real und trifft zu!
    Schön, dass man auch die Schattenseite des Landlebens der Idylle auch zeigt,dass war früher nicht anders, nur man stellte keine Schwäche aus?
  • Kohler | 20.04.2026
    Die Landfrauenküche hat nichts mit der Realität zu tun , das meiste ist nur gelogen , schön geredetet und gezeigt , im wahren Alltag sieht alles anders aus. Totaler Schwachsinn.
    • Ruth Breitenmoser | 20.04.2026
      Schade, dass Sie so über die Sendung schreiben. Ich kann nur sagen, dass das absolut nicht so ist. Mir war das dazumal wichtig, dass ich ICH sein kann, mir wurde kein Satz in den Mund gelegt. Wenn das so gewesen wäre, hätte ich ganz bestimmt nicht mitgemacht.
      Es grüsst Sie Ruth Breitenmoser
    • Daniela Nef | 24.04.2026
      Also,Hallo,wieso schauen Sie dann? Ja,diese Landfrau aus Graubünden mit dem Zürcher Dialekt ging mir auch etwas auf die Nerven. Da müsste man helfen,ihre Kinder mal streng zu erziehen,dann ginge es wieder. Eine Linie klar und nicht nachgeben. Ich sehe jede Landfrauenkpchensendung und werde sauer,wenn etwad anderes los ist. Sicher kann man es nachschauen,aber irgendwie ist es nicht das Gleiche. Ich finde es sehr wichtig,dass auch Stadtleute erfahren,wieviel Arbeit es gibt und was wir alles tun. Dass Stadtkinder wissen,dass die Milch von der Kuh oder Geiss kommt und nicht vom Tetrapack vom Coop oder Migros oder sonstwo und dass diese Tiere webiger co2 ausstossen als ein Flugzwug,das Euch in die Ferien bringt. Wir Bauern müsden zuerst organisieren,wer die Stallarbeit macht,sonst können wir nicht ein paar Tage Erholen. Eigentlich liegt es finanziell gar nicht drinn bei vielen und schon gar nicht weit fort.
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