
Die Nähe zum Händler hat Thomas Roth dazu bewogen, in einen DeLaval-Melkroboter zu investieren.
Daniel Hasler
Mit der neuen Echtzeitmessung der Milchinhaltsstoffe geht DeLaval einen weiteren Schritt in Richtung «gläserne Kuh». Der neue Sensor für die Melkroboter der Baureihe VMS V300 analysiert Fett, Eiweiss und Laktose direkt während jeder einzelnen Melkung – ohne Laborprobe, ohne Reagenzien und ohne manuelle Arbeitsschritte. Damit zieht eine Technologie in die Praxis ein, die bisher hauptsächlich aus der industriellen Milchanalytik bekannt war: die Nahinfrarotspektroskopie (NIR).
Erste nutzen die Technik
Einer, der die Technik bereits seit vergangenem Dezember einsetzt, ist Thomas Roth aus Kesswil TG. Seit 2021 melkt in seinem Stall ein VMS-Roboter von DeLaval die rund 70 Kühe. Produziert wird silofrei für Emmentaler Käse. Auf der Plattform DeLaval Plus kann Roth nun laufend die Milchgehalte seiner Herde beobachten. Das ermöglicht ihm, schneller bessere Entscheidungen zu treffen, da der Milchgehalt sich laufend verändert. Besonders steht bei Roth die Frage im Zentrum: Ist gerade das Einzeltier betroffen oder die ganze Herde? Technisch basiert das System auf einem kompakten Sensormodul, das direkt in die Milchleitung des Roboters integriert wird.
Laut DeLaval arbeitet das Gerät mit Licht im Wellenlängenbereich von 2,1 bis 2,35 Mikrometern. Ein rotierender Spiegel lenkt das Licht durch die Milch. Je nachdem, wie stark bestimmte Wellenlängen absorbiert werden, lassen sich Rückschlüsse auf Fett-, Eiweiss- und Laktosegehalte ziehen. Die Reinigung erfolgt automatisch über das bestehende Programm des Roboters. Der Sensor kann sowohl bei neuen VMS-V300-Anlagen als auch als Nachrüstung bei bestehenden Robotern ab Baujahr 2018 installiert werden. Für Milchviehbetriebe ist die kontinuierliche Messung dieser Inhaltsstoffe weit mehr als nur eine Spielerei.
Die Daten liefern Hinweise auf die Futtereffizienz, die Pansenstabilität und den Stoffwechselzustand einzelner Kühe. Gerade Veränderungen im Fett-Eiweiss-Verhältnis gelten als wichtiger Frühindikator für Ketose oder Pansenazidose. Sinkende Eiweissgehalte können auf Energie- oder Proteinmängel hinweisen, während Schwankungen beim Milchzucker oft mit Stress oder Gesundheitsproblemen zusammenhängen. Durch die Messung bei jeder Melkung entsteht ein nahezu lückenloses Bild der Entwicklung jeder Kuh.
Mehr Sensoren im Angebot
Interessant ist dabei die Kombination mit den bereits vorhandenen Sensoren im Robotersystem. DeLaval bietet bereits seit 2025 den sogenannten MCA-Sensor zur automatischen Zellzahlmessung an. Dieser misst die somatischen Zellzahlen in Echtzeit und dient der Früherkennung von Mastitis. Die neue Inhaltsstoffmessung ergänzt diese Gesundheitsdaten nun um weitere Informationen zum Stoffwechsel und zur Fütterung.
Die Daten laufen in der Managementplattform DeLaval Plus zusammen und werden dort ausgewertet. Der Trend zur automatisierten Milchdiagnostik ist allerdings nicht neu. Auch andere Hersteller setzen zunehmend auf Inline-Sensorik direkt im Melkroboter. Lely, BouMatic und Lemmer-Fullwood integrieren ebenfalls Sensorik für Echtzeitdaten in ihre Robotersysteme. Der Wettbewerb zwischen den Herstellern verschiebt sich damit zunehmend von der reinen Melktechnik hin zur intelligenten Datenauswertung.


Hää? Die verkaufen das als innovation? Das macht ja der lelyroboter schon bald 10jahre genauso, wohl das patent abgelaufen ;D