Bis zu 50 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen Landwirte mit Transportarbeiten. Wege und Abläufe in der Erntelogistik können dabei noch effizienter gestaltet werden.
Genau hier setzt das vom deutschen Bundeswirtschaftsministerium geförderte und jetzt erfolgreich abgeschlossene Forschungsprojekt „mobile autonome, kooperative Roboter in komplexen Wertschöpfungsketten“ (marion) an. In einem Abschlusssymposium kamen die Partner Claas, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), die STILL GmbH und das IT-Dienstleistungsunternehmen Atos zusammen, um die Ergebnisse ihrer Arbeit vorzustellen.
Feinabstimmung erfolgt automatisch
Drei Jahre haben Entwickler verschiedener Disziplinen Hand in Hand gearbeitet, um Maschinen teamfähig zu machen und sie miteinander arbeiten zu lassen. Wie die Akteure in einem Communiqué weiter mitteilten, berechnet ein von DFKI-Forschern in Osnabrück und Bremen entwickeltes Planungssystem aufeinander abgestimmte Fahrrouten für Mähdrescher und Überladefahrzeug, damit das Überladefahrzeug zum richtigen Zeitpunkt zum Überladen am sogenannten „Rendez-vous-Punkt“ bereitsteht.
Dabei würden Füllstände, bereits abgeerntete Flächen, schwankende Erträge, die Position und die Geschwindigkeit der Maschinen berücksichtigt. So könne der anfangs vom Planungssystem berechnete optimale Rendez-vous-Punkt korrigiert werden. Dies sei unter anderem notwendig, da der Ernteertrag auch auf ein und demselben Schlag variiere. Stünden die Halme beispielsweise dichter, sei der Korntank schneller gefüllt als noch vor wenigen Minuten angenommen. Die Feinabstimmung erfolge dabei automatisch und ohne Eingriff der Fahrer.
Maschinen intelligenter machen
Wie Claas und DFKI weiter ausführten, kann der Korntank während der Fahrt abgetankt werden, nachdem das Überladefahrzeug auf der optimalen Fahrroute zum Rendez-vous-Punkt geführt worden sei. Während des gesamten Vorgangs könnten die Fahrer die Hände vom Lenkrad nehmen, da die Maschinen auf Basis des globalen Positionierungssystems (GPS) gesteuert würden. Dabei würden die Fahrer ständig über die geplanten Vorgänge informiert und könnten so jederzeit in den Prozess eingreifen.
Was im Forschungsprojekt bereits funktioniere, sei jedoch noch kein ausgereiftes Produkt. Das sei der nächste Schritt, unterstrichen das Harsewinkeler Familienunternehmen und das Forschungszentrum. „Maschinen, die sich miteinander abstimmen, erzielen gemeinsam eine höhere Produktivität, als wenn jede Maschine für sich allein handelt“, erklärte Claas- Geschäftsführer Technologie und Qualität, Hermann Garbers.
Der Leiter der Aussenstelle des DFKI-Forschungsbereichs Robotics Innovation Center an der Universität Osnabrück, Joachim Hertzberg, ergänzte, dass die Ergebnisse aus dem marion-Projekt weiter in bestehende Technik zu integrieren seien. Es gehe nicht darum, vollkommen neue Landmaschinen mitzuentwickeln. Vielmehr gelte es, bereits auf dem Markt befindliche Maschinen intelligenter und selbständiger zu machen, erläuterte Hertzberg. Schliesslich seien die Verfahren in den Maschinen bereits über viele Jahre erprobt.