Mahrer: Ein grenzwertiger Name

Was bedeutet Hintz und warum heisst jemand Kunz? Haben Sie sich auch schon gefragt, was Ihr Familiennamen bedeutete? Unsere Namenexpertin weiss Antworten. Mit dem Namen "Mahler" geht unsere Serie weiter.

Beatrice Hofmann |

Was bedeutet Hintz und warum heisst jemand Kunz? Haben Sie sich auch schon gefragt, was Ihr Familiennamen bedeutete? Unsere Namenexpertin weiss Antworten. Mit dem Namen "Mahler" geht unsere Serie weiter.

Die Familie Mahrer möchte gerne wissen, woher ihr Name kommt. Der Familienname gehört zu den seltenen Namen und ist in der Schweiz nicht sehr weit verbreitet. In Möhlin, Basel, Genf und Zürich ist der Name belegt, ursprünglich kommen aber alle aus der Gemeinde Möhlin im Aargau. Der Name gibt es auch in einer anderen Schreibvariante, nämlich «Marrer». Diese Namensform ist mehrheitlich im Kanton Solothurn; dort in Boningen, Dulliken und der Stadt Solothurn vorherrschend, kommt aber auch vereinzelt in Basel und Zürich vor. Der Familienname Mahrer oder Marrer ist von der Berufsbezeichnung des «Marchers» abgeleitet.

Der Marchstein-Setzer

Ein Marcher bezeichnet eine Person, die Marchsteine setzt. «March» leitet sich vom althochdeutschen Wort „marc“ oder „marca“ ab, das Grenzscheide, Grenze oder Zeichen meint. Während im Mittelalter zunächst natürliche Merkmale wie etwa Felsstürze, Höhenzüge oder Wasserläufe einen Grenzverlauf bestimmten, wurden dort, wo solche natürlichen Merkmale fehlten, Marchsteine gesetzt. Im Laufe der Zeit wurden die Besitzverhältnisse komplexer und die Grenzen mussten genauer abgesteckt werden. Den richtigen Verlauf dieser Marchsteine wurden von den so genannten Gescheidsleuten überprüft. Sie bildeten gemeinsam ein Marchgericht, das normalerweise dem Vogt unterstellt war.

Beim so genannten Grenzuntergang wurden diese Marchsteine gehoben und die darunterliegenden Zeichen, beispielsweise Tonscherben, Knochen oder Ziegelstücke, die den genauen Standpunkt der Marchsteine festlegten, geprüft. Nur die Gescheidsleuten wussten über diese Zeichen Bescheid und hüteten ihr Wissen wie ein Geheimnis. Der Brauch des Banntages, bei dem die Gemeindengrenzen abgeschritten und kontrolliert werden, geht auf diese Zeit zurück. Ursprünglich war es Bürgerpflicht, regelmässig zu kontrollieren, ob Grenzsteine verschoben wurden. Gleichzeitig wurde bis etwa 1529 vom Dorfpfarrer eine Flursegnung durchgeführt.

Nur der Familienname blieb übrig

Mit dem Aufkommen der modernen Vermessung verlor dieser Brauch allmählich an Bedeutung und ging verloren. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde diese Tradition in vielen Gemeinden wiederentdeckt und zu einem Volksbrauch umgestaltet. Die ursprüngliche Berufsbezeichnung des Grenzsteinsetzers lebt also nur noch im Familiennamen Mahrer bzw. Marrer weiter.

Beatrice Hofmann-Wiggenhauser

Beatrice Hofmann-Wiggenhauser, aus Allschwil, ist Journalistin und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Medienwissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich und schrieb eine Dissertation zum Namengebrauch als immaterielles Kulturerbe. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch als Namenforscherin. Wenn sie nicht das Archiv nach historischen Namen durchstöbert, trifft man sie auf den solothurnischen Feldern und Äckern auf der Suche nach neuen Flurnamen.

Was bedeutet Ihr Name?

Möchten auch Sie wissen, was Ihr Familienname bedeutet? Senden Sie uns ein Mail mit dem Betreff «Familiennamen». Oder fragen Sie uns per Post: Schweizer Bauer, «Familiennamen», Dammweg 9, 3001 Bern. Die interessantesten Namn werden von Beatrice Hofmann-Wiggenhauser ausgewählt und auf schweizerbauer.ch besprochen.

 

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