Die Knolle in der Krise

Die Anbaubereitschaft bei den Kartoffelproduzenten sinkt. Warum die Verschiebung eines Grossauftrags zusätzlich für Ärger sorgt.

Es brodelt in der Kartoffelbranche. Was ist passiert? Die Kadi AG hat einen grossen Pommes-frites-Auftrag für einen Grossmarkt verloren. Dies an die Frigemo AG, sprich an die Fenaco. Marktkenner schätzen, dass die Frigemo das günstigere Angebot gemacht hat. Das sorgt für rote Köpfe. Ein Produzent sagt: «Die Abnehmer bekriegen sich auf Kosten der Bauern.»

Die Rede ist von über 6000 t Kartoffeln, welche bis jetzt die Terralog für Kadi besorgt hat. Zum Vergleich: 2020 wurden in der Schweiz rund 150 000 t Veredelungskartoffeln geerntet (die Chips-Sorten eingerechnet). Nun, da die Frigemo die Pommes produziert, muss die Fenaco selbst mehr Veredelungskartoffeln beschaffen. Das soll unter anderem via Landi Seeland passieren. Darüber wurden die Produzenten an einem Anlass Anfang Oktober in Kallnach BE informiert. Doch speziell im Seeland wollen die Betriebe keine Industriekartoffeln anbauen, denn dort werden viele Frühkartoffeln produziert.

Christoph Kohli, Verantwortlicher bei der Fenaco für die Veredelungs- und Pflanzkartoffeln, beschwichtigt: «Die bisherigen Produzentinnen und Produzenten von Frühkartoffeln werden nach wie vor berücksichtigt. Sofern von ihnen gewünscht, kann der Anbau von Veredelungskartoffeln vereinbart werden.»

Immer schwieriger

Die Kartoffelproduktion ist anspruchsvoll, besonders die letzten zwei Jahren hatten es in sich. Das hat dem einen oder anderen Produzenten die Lust am Anbau verdorben, und grosse Kartoffelbauern mit viel Fläche reden vom Aufhören. Dünger, Diesel und Pflanzenschutzmittel sind massiv teurer geworden. Bei einer intensiven Kultur wie den Kartoffeln schlägt das stark zu Buche.

Hinzu kommen die steigenden Produktionsanforderungen: Von den Produzenten häufig eingesetzte Pflanzenschutzmittel wurden gestrichen, und die Alternativen sind zum Teil deutlich kostenintensiver oder weniger effektiv. Weiter ist die Produktion ohne Bewässerung vielerorts schwierig.

Die Ausgangslage

In der Schweiz gibts drei grosse Pommes-frites-Herstellerinnen. Die Frigemo AG in Cressier NE, ein Industriebetrieb der Fenaco-Genossenschaft, die Bischofszell Nahrungsmittel AG (kurz Bina) im Kanton Thurgau, eine Tochterfirma der Migros, sowie die Kadi AG in Langenthal BE, mit der Zuger Beteiligungsgesellschaft Invision als Mehrheitsaktionärin. Sie beziehen die Kartoffeln für die Verarbeitung entweder direkt von den Bauern oder vom Handel. Handelsunternehmen sind beispielsweise die Fenaco oder im Bernbiet die Terralog AG, die zu einem kleinen Teil der Migros Aare gehört. bki

In der Schweiz hat es zudem zu wenig Kartoffeln, und die ersten Zusatzkontingente für den Import von Veredelungskartoffeln wurden heuer so früh beantragt wie nie, als die Ernte noch in vollem Gange war. Begründet wurde das Ganze mit einer administrativen Änderung von Seite des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW). Da der Anbau aus wirtschaftlicher Sicht aber an Attraktivität eingebüsst hat, werden die Importe künftig wohl eher zu- statt abnehmen.

Die Preise deckten kaum mehr die Produktionskosten, sagen Produzenten. So beispielsweise bei der Sorte Agria, der wichtigsten Veredelungssorte der Schweiz, die ihren Zenit aber längst überschritten hat. «Wer rechnet, der produziert stattdessen lieber Weizen», sagt ein Landwirt.

Auch im Laden teurer

Damit der Kartoffelanbau für die Produzentinnen wieder interessant würde, müssten die Preise deutlich steigen. Ein erster Versuch in diese Richtung wurde bei den Pflanzkartoffeln gemacht, um die Wirtschaftlichkeit im Pflanzkartoffelanbau zu verbessern. Die nächsten in der Wertschöpfungskette, also die Produzenten von Speise- und Veredelungskartoffeln, zahlen darum je nach Sorte 6 bis 15 Fr. pro 100 Kilo mehr. Die Idee ist letztlich, die Mehrkosten bis ans Ende der Wertschöpfungskette zu bringen – zu den Konsumentinnen und Konsumenten. Dass das nicht immer einfach ist, ist bekannt.

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