
Die angespannte Lage der Zuckerindustrie in der EU und Österreich drückt die Rübenpreise nach unten.
Jonas Ingold
«Die Preisaussichten sind aktuell niederschmetternd. Zudem ist die wirtschaftliche Lage der Zuckerindustrie in Europa und in Österreich weiterhin sehr angespannt. Deshalb bleibt die Zuckerrüben-Anbaufläche im Burgenland weiterhin niedrig», berichtete Markus Fröch, Präsident des Burgenländischen Rübenbauernbundes.
Frustration gross
Der Präsident der Landwirtschaftskammer (LK) Burgenland, Nikolaus Berlakovich, ergänzte: «Die Landwirtschaft und auch die Rübenbäuerinnen und Rübenbauern erleben gerade unruhige Zeiten und die Frustration ist gross. Die zollfreien Zuckerimporte aus der Ukraine sind nach wie vor zu hoch, wenngleich etwas geringer als 2025.» Durch das Mercosur-Abkommen kämen weitere Importe nach Europa und würden die Preise am heimischen Zuckermarkt noch mehr verzerren. «Deshalb sind wir gegen das Mercosur-Abkommen, weil dadurch Existenzen unserer Bauern gefährdet sind», führte er aus.
Die hohen Rübenpreise sind nach 2022 und 2023 längst wieder Geschichte. Für die Abrechnung 2025 zeichnet sich ein ähnlich schlechter Rübenpreis wie 2024 mit knapp 35 Euro/t (32 Fr.) ab. «Das ist fast die Hälfte weniger als 2023. Der Bauer braucht aber rund 45 Euro/t (41 Fr.) um wirtschaftlich überleben zu können», schilderte Fröch.
Enormer Preisdruck am Zuckermarkt
Die Lage am österreichischen und europäischen Zuckermarkt ist sehr angespannt. Es herrscht ein Überangebot am EU-Markt und viele Länder in Osteuropa sind noch gut mit ukrainischem Zucker versorgt, auch wenn die Importe mit dem Ausschöpfen der zollfreien Zuckerkontingente seit Juli 2024 stark zurückgegangen sind. Gleichzeitig wird auch noch weniger Zucker konsumiert.
In Österreich werden rund 29,6 kg Zucker pro Jahr konsumiert, rund zehn Kilogramm weniger als noch im Jahr 2000. «Um den Zuckermarkt zu entlasten wurde 2025 EU-weit die Rübenanbaufläche um zirka 10% reduziert. In Österreich wurde die Anbaufläche ebenfalls kontingentiert: von 44’000 ha auf etwa 24’500 ha», führte Fröch aus. Das sei notwendig, um längerfristig die Existenz der Rübenbauern zu sichern. «Auch 2026 werden weniger Zuckerrüben angebaut werden», so Fröch.
Keine Entspannung in Sicht
Kurzfristig ist keine nachhaltige Entspannung am europäischen Zuckermarkt in Sicht. Für das Jahr 2026 rechnen Marktbeobachter weiterhin mit einem hohen Wettbewerbsdruck, gedämpften Zuckerpreisen und einer vorsichtigen Anbaupolitik der Zuckerindustrie. Die kontingentierten Anbauflächen in Österreich und anderen EU-Staaten werden daher vorerst bestehen bleiben.
Mittelfristig hängen die Zukunftsaussichten des Zuckerrübenanbaus massgeblich von politischen und strukturellen Rahmenbedingungen ab. «Entscheidend sind ein wirksamer Aussenschutz des EU-Marktes, faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber Importware sowie ein klares Bekenntnis zu modernen Produktionsmitteln. Ohne zeitgemäßen Pflanzenschutz und neue Züchtungstechnologien - etwa im Bereich krankheits- und trockenheitstoleranter Sorten - verliert der europäische Rübenanbau weiter an Wettbewerbsfähigkeit», warnte Berlakovich.