Aldi will Bio für alle

Bio liegt im Trend. Das merkt auch Aldi Schweiz. Der Discounter verzeichnete letztes Jahr eine Umsatzsteigerung bei den Bioprodukten um 55%. Nun will er das Sortiment erweitern und die Verkaufspreise senken.

Der Schweizer Detailhandel verzeichnete letztes Jahr Rekordzahlen. Die Menschen kochten zu Hause, kauften in der Schweiz ein, und die Umsätze schossen in die Höhe. So auch im Biobereich.

Beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten

Aldi Suisse konnte den Umsatz mit Bioprodukten um über die Hälfte steigern (plus 55 Prozent), wie der Discounter in einer Mitteilung schrieb. Aldi Schweiz will nun sein Biosortiment weiter ausbauen und vor allem erreichen, dass Bioprodukte für alle Konsumentinnen und Konsumenten erschwinglich werden.

«Wenn sich unsere Kundinnen und Kunden mehr Bio wünschen, werden wir ihnen mehr Bio anbieten. Und wir stehen dafür ein, dass sich jede und jeder qualitativ hochwertige Bioprodukte leisten kann, indem wir auch in diesem Bereich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis am Markt bieten», wird Aldi-Suisse-Landesgeschäftsführer Jérôme Meyer in der Mitteilung zitiert.

Schlanke Struktur

Wie soll das gehen? Beharren die Verantwortlichen des Detailhandels doch stets auf der Notwendigkeit einer höheren Marge bei Labelprodukten und begründen diese beispielsweise beim Fleisch damit, dass nicht ein ganzes Tier im Biokanal vermarktet werden könne und meist ein Teil des Fleisches abgewertet werden müsse.

Laut Aldi heisst das Geheimnis «Effizienz». «Wir führen ein Standardsortiment von rund 1600 Artikeln. Die schlanke Unternehmensstruktur ermöglicht uns ein schnelles und effizientes Abhandeln von Prozessen – von der Verwaltung über die gesamte Logistik bis in die Filiale», begründet eine Mediensprecherin von Aldi Suisse auf Anfrage. Dies sei der Grund, weshalb Aldi mit geringen Margen auskäme und trotzdem den besten Preis am Markt bieten könne.

Geringere Gewinnmargen

Doch das dürfte nicht der einzige Grund für die Dumping-Preise sein, denn im Detailhandel tobt seit längerem ein harter Preiskampf. In den vergangenen Monaten haben mehrere Detailhändler und Discounter medienwirksam ihre Preise gesenkt.

Das Ziel von Aldi Schweiz, Bioprodukte für alle erschwinglich zu machen, hat also keine Auswirkungen auf die Produzentenpreise? «Es entspricht dem Aldi-Prinzip, dass wir mit geringeren Gewinnmargen als die Mitbewerber auskommen, was uns die Möglichkeit bietet, stets sehr gute Einkaufspreise bezahlen zu können und auch zu wollen», so die Mediensprecherin.

Bio Suisse

Seit Jahren möchten Detailhändler, auch Aldi, auf den Produkten ihrer Bioeigenmarken die Knospe platzieren. Der Bio-Suisse-Vorstand genehmigte deshalb eine neue Marke. Diese hätten Detailhändler verwenden können, die für ihre Produkte Bio-Suisse-Rohstoffe brauchen, aber darauf nicht die Knospe platzieren dürfen. Die Delegierten lehnten das ab. sal/bki

⅓ aus der Schweiz

Aldi Suisse führt gemäss eigenen Angaben rund 300 Bioprodukte im Angebot. Der Discounter will nun über das ganze Sortiment gesehen mehr Bioprodukte anbieten und dabei vor allem auf seine beiden, hauseigenen Biolabels setzen: Nature-Suisse-Bioprodukte kommen aus der Schweiz, Nature-Active-Bioprodukte stammen aus der EU.

Bis jetzt sei rund jedes dritte Bioprodukt in den Aldi-Regalen ein Schweizer Bioprodukt, der Rest werde importiert, so Aldi Schweiz. Gesamtschweizerisch ist der Anteil Schweiz bei den Bioprodukten etwas höher. Jürg Schenkel, Marketingleiter von Bio Suisse, sagte anlässlich der Bio-Suisse-Jahresmedienkonferenz Anfang April, dass etwa ⅓ des Schweizer Bio-Angebots Import sei und ⅔ aus Schweizer Herstellung stammten.

Kommentare (9)

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  • Isidor | 28.04.2021
    Nur weil es Bio ist heisst es nicht, dass es für die Umwelt verträglicher angebaut wurde. Höherer Dieselverbrauch, Kupferanreicherung, Bodenerrosion etc.
  • Maja Zysset | 28.04.2021
    Bio für alle ist auf alle Fälle mehr als richtig, nur so erhalten wir die Gesundheit von Wasser, Luft und Erde.
    • Unterengadiner Bergbauer | 28.04.2021
      Mein Betrieb war über 10 Jahre Bio und ich bin schon lange wieder ausgetreten bin auch froh dass ich das gemacht habe. Ich mache nicht fiel anders brauch auch keine Pestizide, aber ich kann richtig Füttern und meine Tiere sind viel Gesünder. Für den Konsumenten ein Rat Regional und Sesional kaufen keine Leibels und nicht in Dezember Erberen aus weiß nicht wo.
    • Unterengadiner Bergbauer | 28.04.2021
      Und noch was ich brauche noch viele Produkte wo Bio sind für meine Pflanzen zum beispiel Kalk Pflanzenkohle u.s.w wo viele Biobetriebe nicht einsetzen weil es kostet. Antibiotika brauchen meine Tiere auch nicht mehr als Biobetribe. Di Biofanatiker die haben das Einkommen von wo anders nicht von der Landwirtschaft.
  • Unterengadiner Bergbauer | 28.04.2021
    Nach dem 13 Juni sind den alle Bio
  • Daniel Baertschi | 28.04.2021
    Spannende Entwicklung. Bundesbio wäre auch eine Möglichkeit Kosten jenseits der Lieferanten zu senken.
  • Jürg | 27.04.2021
    Schade dass Biosuisse so Coop hörig ist, und Aldi und Lidl nicht beliefert. Wir Biobauern verlieren Kunden und Markanteile ans Ausland. Wo,die Konsumenten Bioprodukte kaufen ist nicht unser Problem. Wenn sie aber ausländische Bioprodukte oder Produkte mit einem tieferen Standard kaufen verlieren wir Marktanteile, und das ist dann unser Problem. Darum die Knospe für alle.
    • Daniel Baertschi | 28.04.2021
      Das war auch mein Vorschlag. Leider war die Angst vor Konsequenzen zu gross.
  • Hansueli Wermelinger | 27.04.2021
    Ja klar will er das, die Marge auf Bio-Lebensmittel ist fast doppelt so hoch wie auf Konventionelles.

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