
Bei der Milch fordert der BEBV eine substanzielle Erhöhung des Produzentenpreises.
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Zwar hat es in den vergangenen Tagen in vielen Gebieten geregnet. Die Trockenheit ist aber damit nicht aus der Welt geschafft. Das Niederschlagsdefizit ist immer noch sehr gross.
Futtermangel grosse Sorge
Und die Landwirtschaftsbetriebe kämpfen mit den Folgen der wochenlangen Dürre. Das zeigt eine Umfrage, die der Berner Bauernverband (BEBV) bei seinen Mitgliedern durchgeführt hat. Über 900 Betriebe haben mitgemacht. Die Resultate stimmen nachdenklich.
Zwar gibt es grosse regionale Unterschiede. Aber 66 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, stark oder sogar existenzbedrohend von der aktuellen Situation betroffen zu sein. Die grösste Sorge mit 81 Prozent ist der Futtermangel. Besonders häufig wird bereits Winterfutter verfüttert (60 Prozent) oder zusätzliches Futter zugekauft (50 Prozent), um die Lage zu meistern. Einige Betriebe müssen Tiere früher als geplant verkaufen oder schlachten.
20 Prozent haben Liquiditätsprobleme
Was besonders alarmierend ist: Von den 867 Betrieben, die zum Futter Angaben gemacht haben, verfügen lediglich 24 Prozent über genügend Futter für die aktuelle Situation und die kommende Winterfütterung. Und bereits knapp 20 Prozent der Teilnehmenden haben Liquiditätsprobleme.
Der BEBV befragte auch, wo die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter am meisten Unterstützung benötigen. Es sind dies Hilfe beim Futterzukauf, praxistauglichere beziehungsweise vorübergehend gelockerte Vorschriften sowie finanzielle Entlastungen. 40 Prozent der Betriebe haben geantwortet, dass sie sich bereits organisiert haben.
-> Hier gehts zu den Resultaten der Umfrage
«Marktpartner müssen Verantwortung übernehmen»
Weiter wurden weniger Bürokratie, Lösungen bei Bewässerung und Wasserversorgung, eine Futterbörse sowie mehr Flexibilität bei Sömmerung und Weidenutzung genannt. Die Landwirtinnen und Landwirte wünschen sich insbesondere auch, dass die höheren Kosten durch steigende Produzentenpreise abgegolten werden.
«Für viele Bauernfamilien geht es nicht nur um ein schlechtes Erntejahr, sondern um ihre wirtschaftliche Zukunft», hält der BEBV in seiner Mitteilung fest. Er fordert Detailhandel, Verarbeiter und alle Marktpartner auf, Verantwortung zu übernehmen. «Wer sich zur Schweizer Landwirtschaft bekennt, muss dieses Bekenntnis jetzt mit fairen Produzentenpreisen beweisen», macht der Verband deutlich. Er hat bei mehreren Rohstoffen seine Forderungen kommuniziert.
BOM tagt am Donnerstag
Bei der Milch sind gemäss BEBV umgehend Massnahmen notwendig. Am Donnerstag wird sich der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) treffen. Besprochen wird auch der Richtpreis für industrielle Milch im A-Segment. Dieser wurde auf den 1. Februar 2026 um 4 Rappen auf 78 Rappen je Kilo gesenkt. Er ist bis Ende Jahr auf diesem Wert fixiert.
-> Milch: Richtpreis sinkt um 4 Rappen
Der Richtpreis entspricht aber nicht dem ausbezahlten Produzentenpreis. Dieser liegt meist deutlich unter dem Richtpreis. In den ersten Monaten lag die Produktion noch deutlich über dem Vorjahreswert. Der Überschuss hat sich aber deutlich reduziert. Zudem kämpfen viele Produzenten mit deutlich gestiegenen Kosten für Futter. Zudem hat eine Rinderkrankheit im Sommer die Milchproduktion bei zahlreichen Betrieben um bis zu 20 Prozent einbrechen lassen.
Der BEBV hat deshalb folgende Forderungen platziert:
Milch
- Die Branchenorganisation Milch muss ihren Entscheid zur Fixierung des A-Richtpreises dringend revidieren.
- Der Produzentenpreis muss sich um mindestens 10 Rappen erhöhen.Schweizer Rohstoff muss in der Verarbeitung priorisiert werden.Der aktuelle Veredelungsverkehr ist von der Politik dringend zu überdenken. Es handelt sich um die aktive Veredelung. Rohstoffe wie Milchpulver und Butter werden günstig aus dem Ausland importiert und hierzulande beispielsweise zu Schokolade verarbeitet. Das Produkt wird anschliessend exportiert.
- Es muss eine zeitnahe und überprüfbare Mengentransparenz geschaffen werden.
Auch die Kartoffelproduzenten sind von der Trockenheit stark betroffen. Hier unterstützt der BEBV die Forderungen der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten (VSKP) nach einem Trockenheitszuschlag.
Kartoffeln
- 7 Rappen pro Kilogramm für konventionell produzierte Kartoffeln.
- 13 Rappen pro Kilogramm für biologisch produzierte Kartoffeln.
Bei Obst und Gemüse weist der Berner Bauernverband auf die hohen Kosten für die Bewässerung hin:
- Ertragsausfälle, Bewässerung und Zusatzaufwand müssen über höhere Produzentenpreise abgegolten werden.
- Der Billigpreiskampf im Detailhandel ist zu beenden.
Der BEBV hat auch bei den Zuckerrüben, Rindfleisch und Getreide Forderungen platziert. Hier geben wir euch die wichtigsten wieder:
- Es ist absehbar, dass wir im Herbst ein knappes Rindvieh Angebot haben werden. Die absehbare Verknappung, insbesondere bei Kühen, muss sich in stabilen Produzentenpreisen widerspiegeln. Ungerechtfertigter Preisdruck wäre nicht akzeptabel.
- Von den Marktpartner wird verlangt, dass die ausgehandelten Richtpreise beim Getreide mindestens eingehalten, besser aber übertroffen werden. Die Sammelstellen sollen keine Rückbehalte auf der Ernte 2026 machen.
- Faire Produzentenpreise sind nötig, damit die Anbaubereitschaft bei den Zuckerrüben erhalten bleibt. Es braucht eine konsolidierte Strategie gegen die Schadorganismen.
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