Der militärische Konflikt in und um den Iran hat den Ölmarkt seit Ende Februar massiv verunsichert und die Rohölpreise nach oben getrieben. Entscheidend ist dabei die Lage in der Strasse von Hormus, über die rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels läuft.
In der Folge sind auch die Preise für raffinierte Produkte wie Benzin und Diesel gestiegen. Dies schlägt teils mit leichter Verzögerung auch auf die Schweizer Tankstellenpreise durch.
Kaum Preisdaten
Wie sich die Preise für einen Liter Benzin tatsächlich entwickeln, ist allerdings nur schwer zu eruieren. Eine verlässliche Datenlage zu den Durchschnittspreisen fehlt. Es gibt nur punktuelle Angaben. Und viele Anbieter lassen sich nicht in die Karten blicken: So verweist ein Sprecher der Fenaco-Tochter Agrola etwa darauf, dass die Tagespreise an den Tankstellen «von den regionalen Landi festgelegt und bestimmt» werden.
Und auch bei Avia heisst es, dass die Genossenschaftsstruktur aus insgesamt 10 unabhängigen Händler-Unternehmen der Energiebranche besteht. Diese würden die Preise an der Säule individuell setzen und man erhalte von ihnen keine Angaben. Einzig Migrol gibt einen Überblick über die Preisentwicklung und schreibt auf Anfrage, dass man die Preise an den Tankstellen im Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen bereits erhöht habe. Man analysiere zudem die Situation kontinuierlich. Es sei aktuell «wahrscheinlich», dass die Treibstoffpreise an den Tankstellen aufgrund der stark erhöhten Rohstoffpreise in den kommenden Tagen nochmals steigen könnten.
Deutliche Aufschläge erwartet
Die Experten von Avenergy Suisse gehen davon aus, dass der Liter Benzin bald zwei Franken kosten könnte. Ein solcher Anstieg wäre mit Blick auf die Vergangenheit auch keine Überraschung. So lag er laut Daten des Verbands der Treibstoffimporteure nach der Preisexplosion infolge des Ukraine-Kriegs bei über 2,20 Franken. Auch nun sei wieder mit deutlicheren Aufschlägen zu rechnen, da die Tankstellen die höheren Einkaufspreise schrittweise an die Konsumenten weitergäben, so Avenergy Suisse.
Während der Rohölpreis meist sofort auf geopolitische Ereignisse reagiert, komme der Effekt an der Zapfsäule erfahrungsgemäss zeitverzögert – was bedeute, dass der Höhepunkt an den Tankstellen möglicherweise erst in den kommenden Wochen bevorsteht. Betont wird aber auch, dass konkrete Prognosen zur weiteren Entwicklung der Benzin- und Heizölpreise in der Schweiz angesichts der dynamischen Lage zur Zeit wenig seriös seien.
Viele Faktoren
Hinzu kommen weitere Faktoren, die den Preis an der Zapfsäule beeinflussen. Dazu gehört etwa der Pegelstand des Rheins, über den der Grossteils des Treibstoffs in der Schweiz ankommt. Sollte ein heisser Sommer mit weniger Wasser im Rhein folgen, könnte dies die Preise nochmals zusätzlich anheben.
Konsumenten müssen sich laut Experten wohl kurzfristig auf volatilere Preise einstellen. Erstmals für eine gewisse Erleichterung an den Märkten sorgte die Aussage des US-Präsidenten Donald Trump, dass die USA im Zweifelsfall bereit seien, Öltransporten durch die Strasse von Hormus mit der eigenen Marine Geleitschutz zu gewähren.
