
Emmi produziert unter der Marke Beleaf pflanzliche Alternativen zu Milchprodukten. Doch bei Coop zog man nun die Reissleine.
Emmi
Wer diese Tage in den Filialen von Coop Produkte von Beleaf sucht, wird enttäuscht: kein veganer Frischkäse, kein Haferdrink, keine Joghurts. Die Detailhändlerin hat die Produkte der Emmi-Marke aus dem Sortiment genommen.
Absatz unter Erwartungen
Die Entwicklung der Marke blieb hinter den Erwartungen zurück, begründet Sprecher Kevin Blättler den Entschluss. Coop hat weiterhin diverse pflanzliche Molkereialternativen im Sortiment – neben Markenprodukten wie Oatly verkauft der Detailhandelskonzern unter dem Namen Karma auch Eigenmarkprodukte.
Emmi hat Beleaf Anfang 2020 lanciert. Der Molkereikonzern setzte bei der Vermarktung von Anfang an auf Swissness. Beleaf war die erste Marke, welche Hafermilch komplett aus Schweizer Hafer herstellte. Angeboten werden die Produkte nur auf dem heimischen Markt, Umsatzzahlen kommuniziert der Konzern nicht.
Emmi hält noch an Marke fest
«Coop war ein wichtiger Vertriebspartner für Beleaf im Detailhandel», erklärt Emmi-Sprecherin Simone Burgener. Gleichzeitig sei die Marke breit abgestützt. Neben dem Detailhandel verkauft der Konzern seine veganen Produkte auch an Restaurants, Cafés, Hotels und Bäckereien.
Der Konzern plant nicht, das Sortiment nach dem Ausstieg von Coop zu verkleinern. Und: «Solange entsprechende Listungen bestehen, bleibt die Marke auch im Detailhandel verfügbar.» Wie schweizerbauer.ch in Erfahrung bringen konnte, geniesst die Marke beim grössten Schweizer Milchverarbeiter aber keine Priorität mehr. Die Jogurt werden in Emmen, der vegane Caffè-Latte-Drink aus Mandelmilch in Ostermundigen hergestellt.
Als strategisches Wachstumsfeld definiert
Das vor einigen Jahren noch ganz anders aus. Den Entscheid, eine Marke für vegane Produkte zu lancieren, begründete Emmi im November 2019 gegenüber «Schweizer Bauer» damit, dass die Bearbeitung von attraktiven Nischen zur Strategie von Emmi gehöre. «Der anhaltende Trend hin zu vegetarischer oder veganer Ernährung macht es zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit, an dieser Entwicklung teilzuhaben», sagte der damalige Emmi-Chef Urs Riedener. Emmi habe einerseits die Produktionsanlagen und andererseits ein grosses Wissen rund um pflanzenbasierte Nahrungsmittel.
2020 führte Emmi Tests mit Schweizer Hafer durch. Das Ziel sei es, den Rohstoff aus der Schweiz zu beziehen, sagte das Unternehmen zu schweizerbauer.ch . Das tat Emmi dann auch. Produkte aus Schweizer Hafer gibt es seit Frühling 2021 zu kaufen. Für die Beleaf-Linie werden rund 50 ha Hafer benötigt.
Emmi hat pflanzenbasierte Produkte als strategisches Wachstumsfeld definiert. Der Anteil am Gesamtumsatz war jedoch immer sehr bescheiden. 2022 beispielsweise lag der Umsatzanteil mit solchen bei Produkten bei 1,4 Prozent (60 Millionen Franken). 2023 suchte das Unternehmen keine neuen Haferproduzenten benötigt.
Vegan-Hype flaut ab
Nach einem Boom vor ein paar Jahren ist der Hype um vegane Ersatzprodukte abgeflacht. Allerdings schlagen sich Molkereialternativen verhältnismässig gut. Während die Nachfrage nach vielen Fleischalternativen zurückgeht, nimmt die Nachfrage nach Produkten wie Hafermilch und Sojajoghurts weiterhin zu.
Gemäss dem Marktforscher Nielsen generierten Milch-, Joghurt- und Käsealternativen in der Schweiz vergangenes Jahr einen Umsatz von 145 Millionen Franken, wobei rund die Hälfte auf Milchersatzprodukte entfiel. Der Markt ist damit im vergangenen Jahr um zwei Prozent gewachsen. Allerdings bleiben die Ersatzprodukte eine Nische. Sie machen weniger als fünf Prozent des gesamten Molkereimarktes aus.