Der Preissturz als Retourkutsche?

Die Produzentenpreise sind so tief wie nie. Besteht ein Zusammenhang mit dem abgeschmetterten Stilllegungskonzept? Eine Umfrage bei den drei grössten Abnehmern.

Innert drei Wochen sank der Preis um 1.20 Franken, nun gelten QM-Schlachtschweine noch 2.50 Fr. pro Kilo Schlachtgewicht. Minus 10 Rp./kg für die Marktentlastung. Ein Schock für die Mäster. Denn mit diesem Preisniveau lassen sich nicht einmal mehr die Futter- und Stallkosten decken, geschweige denn die Kosten für die Arbeit. Ebenso ruinös ist der aktuelle Jagerpreis von 2.70 Fr./kg LG für die Züchter.

«Folge des grossen Überangebots»

Dass die Produktion zu hoch ist, ist seit längerem klar. Darum auch die Bemühungen von Suisse­porcs zur Umsetzung eines Stilllegungskonzepts für Zuchtsauenplätze, das an der Delegiertenversammlung von Ende Mai scheiterte. Folgt mit dem massiven Abschlag nun die Retourkutsche der Abnehmer, wie in Produzentenkreisen diskutiert wird?

Ein Mediensprecher von Coop mit der Grossmetzgerei Bell als Tochter antwortet auf die schriftliche Anfrage, warum Schweizer Schweine plötzlich so viel weniger wert seien und ob Coop den Preis für Schweinefleisch im Laden weiter senken werde: «Die sinkenden Schweinefleischpreise sind eine Folge des grossen Überangebots.» Die Verkaufspreise seien grundsätzlich abhängig von den Schlachtpreisen, und die aktuelle Senkung gebe Coop an die Kundschaft weiter. «Gleichzeitig bieten wir Aktionen an, um die Überbestände abzubauen», so der Mediensprecher. Ähnlich tönt es von der Migros-Medienstelle mit der Fleischverarbeiterin Micarna als Tochter: «Wir führen diese Woche Preisanpassungen durch und werden die tieferen Preise weitergeben.»

«Marktsanierung über den Preis»

Von der Kommunikationsabteilung der Fenaco-Tochter Ernst Sutter AG heisst es: «Wir haben zur Kenntnis genommen, dass sich die Delegierten von Suisseporcs nicht auf das Konzept der Mengensteuerung durch Stilllegung von Zuchtschweineplätzen einigen konnten. Da sich die Branche damit gegen eine Mengensteuerung ausgesprochen hat, erfolgt die Marktsanierung nun über den Preis.»

Proviande antwortet auf die Frage, wie sie als Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft sicherstelle, dass die Preise verhandelt und nicht einseitig von den Abnehmern diktiert würden: «Von einem Diktat der grossen Verwerter wissen wir nichts und können diese These somit auch nicht bewerten respektive kommentieren.»

Schweine: Das ist nicht Markt, das ist Diktat

Ein Kommentar von Daniel Salzmann, Chefredaktor des «Schweizer Bauer».

Die Preise für Mastschweine sanken innert zwei Wochen von 3.70 auf 2.50 Fr./kg Schlachtgewicht. Angesichts dieses brutalen Preisdiktats sind drei Akteure gefordert, Massnahmen zu ergreifen.

Erstens die Grossmetzgereien. Ihre obersten Chefs Philipp Wyss (Coop), Mario Irminger (Migros) und Michael Feitknecht (Fenaco) müssen in sich gehen und überlegen, ob sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren können, dass die ihnen untergebenen Einkäufer in den Grossmetzgereien für hochwertiges Schweinefleisch so wenig bezahlen und damit Schweizer Schweinebetriebe in der Existenz gefährden. Natürlich ist eine Überproduktion gerade vor der Abstimmung über die Ernährungsinitiative, welche die Tierhaltung zurückdrängen will, ungünstig. Aber Hilferufe von Betrieben in höchster finanzieller Bedrängnis könnten dazu beitragen, dass die Öffentlichkeit erst recht auf die Krise im Schweinemarkt aufmerksam wird. Darum müssen die Abnehmer die Preise nach einer vielleicht nötigen Tiefpreisphase, während welcher einige Betriebe aufhören, sehr rasch wieder auf ein gutes Niveau anheben.

Zweitens die Branchenorganisation Proviande. Direktor Donat Schneider, Noch-Präsident Markus Zemp und der designierte Präsident Heinz Mollet (früher Fenaco) stehen in der Verantwortung, einem Markttreiben, das im reinen Preisdiktat endet, nicht tatenlos zuzuschauen. «Die Schweinepreise liegen in der Verantwortung von Suisseporcs», teilte Proviande-Mediensprecher Philippe Haeberli am Montag auf Anfrage mit. Dabei hat Suisseporcs bereits nach dem ersten Abschlag von 50 Rappen geschrieben: «Die Abnehmer werden gebeten, die Preisfestlegung mit dem nötigen Augenmass im Sinne der ganzen Wertschöpfungskette vorzunehmen (…).»

Die Folge: Noch einmal ein Abschlag von 70 Rappen! Das zeigt die Ohnmacht der Produzentenorganisation Suisseporcs und der Schweinebetriebe. Die Preise werden von den Abnehmern schlicht diktiert. Was Proviande da schreibt, ist eine ganz billige Ausflucht. Denn gemäss ihrer eigenen Vision ist Proviande Vermittlerin, indem sie Interessen der Konsumenten, der Produzenten, der Verarbeiter und des Handels in Einklang bringt.

Drittens die Organisation Faire Märkte Schweiz. Präsident Stefan Flückiger muss sein Augenmerk vermehrt auf den Tiersektor richten und Untersuchungen anstossen, seien es eigene oder solche der Wettbewerbskommission.

Kommentare (8)

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  • Apol | 14.06.2026
    Die Schweizer Landwirtschaft ist bei Weitem nicht so nachhaltig und umweltfreundlich, wie das der Bauernverband und seine Lobby darstellen. Umweltprobleme und Ueberschüsse überall. Auch mehr Futter wird importiert. Das schreibt sogar das Sprachorgang der SChweizer Bauer...

    Es muss wohl das Volk mal ein Machtwort sprechen an der Urne. Grosse Teile der Bevölkerung lehnen die heutige Agrarpolitik ab. Viele Milliarden Subventionen ohne Umweltnutzen. Besser als das Ausland sind wir auch nciht, auch wenn der SBV das so darstellt.
  • Chueliueli | 13.06.2026
    Doch Housi.
    Die Mäster verdienen sich eine goldene Nase. In 100 Tagen gehen die Schweine nicht für 2.50 Fr aus dem Stall.
    Der Züchter wird der beschissene bleiben.
  • Zini | 13.06.2026
    Schade das es soweit kommen musste.
    Wenn sich alle an die Dosierungssysteme gehalten hätten (Ampelsystem etc ) wäre es vermutlich positiver verlaufen.
    Angebot und Nachfrage macht den Preis.
    Vielleicht würde ein Jahreskontingent pro Betrieb helfen ,eine längerfristige , stabile Lösung zu erzielen.
    Ich denke für junge Landwirte ist es schwierig bei solch instabilen Märkten, grosse , langfristige Investitionen zu tätigen.Viele „Baby Boomer „gehen bald in Pension.Es braucht Nachwuchs in der Landwirtschaft.Vielleicht auch in der Schweinebranche.
  • Bauer mit Familie | 13.06.2026
    Ja jetzt heisst überleben oder sterben......
    Die starken können überleben und die schwachen ist ob kurz oder lang das Ende besiegelt. Was nicht heisst die welche Betriebs Grösse alles draus geht vom kleinen bis zum grossen alles möglich, obwohl die grossen in diesem Fall eher die schlechteren Karten haben werden da sie höhere Fremdkosten haben werden. Angestellte etc.
  • nonsensHans | 13.06.2026
    Die Bereinigung der Branche, d.h. die Anpassung der zu hohen Produktion an die Nachfrage geht nur auf die harte Tour. Es hat viel zu viele SChweine, die überdies noch mit importiertem Futter gemästet werden.

    Kein Grund zum Jammern.
  • Ernst | 13.06.2026
    die Stilllegungsprämie hätte auch nur funktioniert wenn die Ställe ersatzlos abgerissen worden wären weil sonst wären beim nächsten Hoch diese Ställe wieder gfüllt worden , der Schweinezyklus wirds immer geben und hat es immer gegeben .
  • chueliueli | 12.06.2026
    Was soll das Gejammer. Die Ostschweizer Produzenten waren zu dämlich die Mengensteuerung selber in die Hand zu nehmen und jetzt regelt es eben der Markt mit den Marktmächtigen.Von den Ablehner der Stilllegungsbeiträge kommt nicht einmal warme Luft . Ausser eine grosse Klappe sind keine konstruktiven Lösungen zu vernehmen. Die Zuchtbetriebe sind seit über einem halben Jahr nicht kostendeckend und werden in den Ruin getrieben, während die Mäster mit den jetzt eingestallten Jagern eine goldene Nase verdienen werden.
    • Housi | 13.06.2026
      Ueli die Mäster verdienen sich damit keine Goldene Nase, da liegst du falsch.
      Aber enttäuscht bin ich von den Aussagen der Proviande. "Von einem Diktat der Verwerter wissen wir nicht" Das war schon immer so, dass die Preise von Bell und Micarna bestimmt wurden.
      Wenn von dem die Proviande nichts weiss GEHÖRT SIE ABGESCHAFFT.
      Eine solche marode Organisation müssen wir Mäster finanziell noch unterstützen!
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