Mit 507 kg/a Bruttoertrag bei Schweizer Kartoffeln ist dieses Jahr eine überdurchschnittlich hohe Ernte zu erwarten. Die Produzentenrichtpreise liegen meist unter dem mittleren Preisband. Zudem wird ein Solidaritätsbeitrag eingezogen. Ruedi Fischer, Präsident der Kartoffelproduzenten, nimmt Stellung.
Am 19. und 20. August wurden schweizweit 1028 repräsentative Kartoffelmuster ausgewertet. Die Resultate dienten als Grundlage für die Ernteschätzung und Preisbildung 2020. Die Erträge liegen über dem Durchschnitt. Die Kaliber sind grossfallend und die Raclette-Anteile eher gering. Die Produzentenrichtpreise liegen grösstenteils unter dem mittleren Preisband. Die Qualitäten sind gemäss Swisspatat ansprechend.
Der Bruttoertrag liegt über alle Segmente gesehen mit 507 kg/a über dem des Vorjahres (428 kg/a). Bei einem durchschnittlichen Speiseanteil von 78% (VJ: 79%) liegen die Flächenerträge über alle Sorten bei 393 kg Speiseanteil pro Are. Aufgrund der Schliessung der Gastronomiebetriebe sind insbesondere grössere Mengen an verarbeiteten Pommes frites am Tiefkühllager geblieben. Die Branche hat entschieden, eine Menge von max. 9500 t Frites- und Chips-Kartoffeln im Garantielager einzulagern. ür die Finanzierung des Garantielagers wurde durch die Branche ein Solidaritätsbeitrag auf allen Stufen beschlossen.
Ruedi Fischer, Präsident der Kartoffelproduzenten, nimmt zur Marktsituation Stellung.
Die Kartoffelproduzenten fordern Unterstützung vom Bund, um die Folgen der Schliessung der Gastrobetriebe nicht alleine tragen zu müssen. Der vor rund zwei Wochen vereinbarte Gesprächstermin mit dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat jedoch nicht stattgefunden. Wieso nicht?
Wir gehen diese Woche zum BLW.
Weshalb erst jetzt?
Wir wollten keine verfrühten, unrealistischen Forderungen stellen. Wir wollten zuerst wissen, wie sich die Situation entwickelt, und die Resultate der Ertragserhebungen abwarten.
Die Kartoffel-Branche hat einen «Corona-Solidaritätsbeitrag» von 10 Rp. beschlossen. Was heisst das für die Kartoffelproduzenten?
Es freut mich, dass die Branche diesen solidarischen Entscheid zusammen getroffen hat. Falls uns der Bund nicht unterstützt, haben wir gleichwohl eine Lösung. Kartoffeln, die unter Vertrag laufen, aber allenfalls Corona-bedingt nicht verarbeitet werden können, werden gleichwohl ans Lager genommen und sind so finanziell abgesichert. Wir wollen unter allen Umständen vermeiden, dass schöne Kartoffeln der Frischverfütterung zugeführt werden und dass dann im Frühling plötzlich Zusatzimportkontingente beantragt werden müssen. Ist die Nachfrage gut, umso besser. Andernfalls können wir die Kosten einer möglichen Denaturierung dank dieses zusätzlichen Beitrags aus dem Verwertungsfonds decken.
Wie beurteilen Sie die aktuellen Richtpreise?
Die Verhandlungen zu den mittleren Preisbändern fanden letzten Herbst statt. Diese Woche haben wir basierend auf den Resultaten der Ertragserhebungen, der Nachfrage und des Preisdurchschnitts der letzten fünf Jahre die Richtpreise berechnet und festgelegt. Die diesjährigen Erträge sind gut. Deshalb liegen die Preise unter dem mittleren Preisband. Wir führten positive Gespräche — auf Augenhöhe.