Emmi legt im Ausland zu – Schweiz im Minus

blu/awp |

Die Innerschweizer Milchverarbeiterin ist im ersten Halbjahr 2021 weiter gewachsen. Dabei hat das Unternehmen vor allem vom wachsenden Auslandgeschäft profitiert. Wegen des guten Ergebnisses erhöht Emmi die Wachstumserwartungen für das Gesamtjahr.

Emmi hat von Januar bis Juni Produkte wie Toni-Joghurt, Kaltbach-Käse oder Caffè Latte für 1,88 Milliarden Franken verkauft. Das entspricht einem Wachstum von 6,2 Prozent. Um Währungs- und Akquisitionseffekte bereinigt wuchs Emmi noch um 3,7 Prozent.

«Während wir international über Erwarten wachsen konnten, pendelte sich das Geschäft in der Schweiz nach dem Rekordhalbjahr 2020 erwartungsgemäss auf Vorkrisenniveau ein mit weiterhin bedeutenden Einbussen im Food Service und Industriekundengeschäft», lässt sich Konzernchef Urs Riedener zitieren.

Reingewinn steigt über 20%

Hauptsächlich verantwortlich für die Zunahme war das Auslandgeschäft in allen Divisionen, wie Emmi am Mittwoch mitteilte. Emmi ist mit Tochtergesellschaften auch in 14 Ländern weltweit tätig, wie etwa in Brasilien, den USA oder Tunesien, aber auch in diversen europäischen Ländern wie Italien, Niederlande oder Deutschland. An acht Standorten ausserhalb der Schweiz betreibt sie zudem eigene Molkereien.

Das Betriebsergebnis (EBIT) stieg um 15,5 Prozent auf 129,4 Millionen Franken, womit sich auch die entsprechende Marge auf 6,9 Prozent von 6,3 Prozent steigerte. Auch beim Reingewinn legte Emmi zu, dieser erhöhte sich gegenüber der Vorjahresperiode um mehr als ein Fünftel auf 98,7 Millionen.

Amerika mit über 10 Prozent Wachstum

In der Division Americas wuchs Emmi organisch um 11,9 Prozent, wofür laut der Mitteilung nebst den Wachstumsmärkten Brasilien, Tunesien, Chile und Mexiko vor allem die Erholung in den USA beigetragen hat. Zusammen mit dem Kauf der Emmi Dessert USA, die sich laut der Mitteilung «erfreulich entwickelt», beträgt das Wachstum über 18 Prozent. Allerdings war auch die Basis sehr tief: Denn die Geschäfte waren im Vorjahr vor allem bei der Ausserhaus-Verpflegung deutlich eingebrochen.

Die Division Americas umfasst Gesellschaften in den USA, Chile, Spanien (ohne Lácteos Caprinos), Tunesien, Brasilien, Frankreich, Mexiko und Kanada.  Der Umsatz erhöhte sich von 598.6 Millionen auf  709.5 Millionen Franken. Der Anteil der Division Americas am Konzernumsatz beträgt 37.7 %, das sind 4 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Die Emmi Gruppe steigert ihren Umsatz im ersten Halbjahr 2021 um 6.2 % auf 1'883.6 Mio. Fr. Mit 3.7% liegt das organische Wachstum über den eigenen Erwartungen.
Emmi

Europa: Caffè Latte und Dessert

Ebenfalls zugelegt hat Emmi in der Division Americas. Diese Division umfasst die  Gruppengesellschaften in Deutschland, Italien, Niederlande, Grossbritannien, Österreich sowie Lácteos Caprinos in Spanien. Im ersten Halbjahr resultierte ein organisches Wachstum von 4,9 Prozent auf rund 310,4 Millionen. Das sind knapp 20 Millionen mehr als in der Vorjahresperiode.

In Europa hat vor allem der Verkauf von Caffè Latte, den italienischen Dessertspezialitäten und veganen Produkten zugelegt, während die Segmente Molkereiprodukte und Pulver/Konzentrate das Wachstum abschwächten. Der Anteil der Division Europa am Konzernumsatz beträgt 16.5 % und liegt damit minim höher als im Vorjahr.

Schweizer Division wegen Öffnung wieder schwächer

Anders als bei den ausländischen Töchtern büsste das Geschäft in der Schweiz an Umsatz ein (organisch -3,3%). Der Umsatz reduzierte sich um 27 Millionen auf  801.8 Millionen Franken. Der grösste Schweizer Milchverarbeiter führt dies auf dies auf den Shutdown im vergangenen Jahr zurück. Der Anteil der Division Schweiz am Konzernumsatz ist um über 4 Prozent gesunken und noch beträgt 42.5 %. Vor wenigen Jahren lag dieser Wert noch deutlich über 50 Prozent.

Im ersten Halbjahr wuchs das Geschäft im Inland mit 3,8 Prozent stark. «Haupttreiber waren das Detailhandelsgeschäft, welches gegenüber dem ausserordentlichen Vorjahr mit Hamsterkäufen und Grenzschliessungen erwartungsgemäss deutlich einbüsste», schreibt Emmi.

Im Heimmarkt Schweiz mussten hingegen Umsatzeinbussen in Kauf genommen werden, dies nach einem coronabedingten Rekordsemester im Vorjahr.
Emmi

CH: Milchpreiserhöhung stützte Geschäft

Das Situation in der Schweiz hat sich nun normalisiert, dies war nicht zum Vorteil des Milchverarbeiters. Denn nun deckten sich die Schweizer Konsumenten wieder öfters im Ausland mit Lebensmitteln ein, schreibt Emmi.

Gleichzeitig habe aber auch eine nur langsame Erholung des Geschäfts mit Industriekunden und die teils weiterhin geschlossene Gastronomie Spuren hinterlassen, heisst es. Die negativen Auswirkungen daraus seien insbesondere in den umsatzmässig grössten Segmenten Molkereiprodukte und Käse sichtbar gewesen.

Positiv hätten sich hingegen die Marken- und Spezialitätenkonzepte entwickelt. Und die allgemeine Milchpreiserhöhung im laufenden Jahr habe die Umsätze gestützt. 

Global Trade legt zu

Die Division Global Trade beinhaltet primär Direktverkäufe aus der Schweiz an Kunden in Ländern, in denen Emmi über keine eigenen Gesellschaften verfügt. Dazu gehören die asiatischen und osteuropäischen Märkte, die meisten südamerikanischen Länder und die Arabische Halbinsel. 

Hier konnte Emmi im ersten Halbjahr den Umsatz von 54 auf knapp 62 Millionen Franken erhöhen. Das Wachstum führt das Unternehmen auf deutlich gestiegene Entlastungsexporte von Magermilchpulver und höhere Umsätze mit Naturkäse (insbesondere Kaltbach) zurück. Der Anteil der Division Global Trade am Konzernumsatz beträgt 3.3 % (Vorjahr: 3.1 %). 

Emmi erhöht Prognose

Emmi gibt sich nach dem positiven ersten Semester auch für den weiteren Jahresverlauf bzw. für das Gesamtjahr 2021 zuversichtlich, auch wenn es nach wie vor grosse Unsicherheiten gebe. Mit einer Normalisierung in allen Ländergesellschaften rechnet Emmi frühestens für 2022. Dennoch erhöht das Unternehmen seine Erwartungen für die Umsatzentwicklung leicht auf 2 bis 3 Prozent (vorher: 1-2%).

Die EBIT-Prognose von 275 bis 290 Millionen Franken für das Gesamtjahr erachtet das Unternehmen weiterhin als realistisch. An der im Frühling aufgestellten Prognose für die Reingewinnmarge hält Emmi ebenfalls fest, sie soll zwischen 5,2 und 5,7 Prozent zu liegen kommen.

«Für das Gesamtjahr bin ich zuversichtlich, dass wir trotz anhaltender Unsicherheiten bei der wirtschaftlichen und coronabezogenen Entwicklung sowie anziehender Inputkosten unsere beim Umsatz leicht nach oben angepassten Jahresziele erreichen werden», hält Emmi-Chef Riedener fest.

Kommentare (1)

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  • Ickdkv | 23.08.2021
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