
Die ländliche Idylle trügt. Bündnerfleisch kommt nicht immer aus Graubünden, muss aber dort verarbeitet werden.
Orior
Eine Aktionspackung Bündnerfleisch des Detailhändlers Denner sorgt bei den Kunden für Irritationen. Auf der Verpackung steht gross «Vo da Bündner Berga». Das verwendete Fleisch stammt allerdings je nach Packung aus den Mercosur-Staaten Paraguay oder Uruguay.
Ein Kunde bezeichnete die Aufmachung gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» als «krasser Etikettenschwindel». Eine weitere Kundin findet, dass die Kundschaft damit «ganz gehörig» getäuscht werde.
Denner verweist auf Herkunftsdeklaration
Wie SRF weiter berichtet, bedauert Denner die entstandene Verunsicherung. Auf Anfrage von SRF erklärte der Detailhändler, man bedauere, «falls das Aktionsangebot für Irritation sorgt». Es handele sich um ein Markenprodukt des Bündner Herstellers Grischuna , das im Rahmen einer zeitlich begrenzten Aktion angeboten werde. Die Herkunft des Fleisches sei sowohl im Werbeflyer als auch auf der Verpackung transparent deklariert. Zudem biete Denner eine Alternative mit Schweizer Fleisch an.

Der Screenshot der Denner-Webseite stammt vom 5. November 2026 und zeigt eine Verpackung mit der Bezeichnung «Schweinscarré». (Symbolbild)
Screenshot Denner.ch
Grischuna will Verpackung ersetzen
Die Fleischtrocknerei Churwalden, die das Bündnerfleisch herstellt, begründet die Verwendungvon ausländischem Fleisch mit der steigenden Nachfrage. Mit «Schweizer Rohmaterial» lasse sich der Bedarf nach Bündnerfleisch im In- und Ausland nicht decken. Deshalb müsse teilweise auf Fleisch aus dem Ausland zurückgegriffen werden.
Gleichzeitig räumt das Unternehmen ein, dass die Verpackung missverständlich sein könne. Man könne «nachvollziehen, dass einzelne Konsumenten die Aussage missverständlich interpretieren». Grischuna habe bereits vor einigen Monaten entschieden, diese Verpackung vom Markt zu nehmen.
Aus Gründen der Nachhaltigkeit werde das bereits vorhandene Verpackungsmaterial zunächst noch aufgebraucht. Im Verlauf des ersten Quartals 2027 soll die beanstandete Verpackung jedoch nicht mehr angeboten werden.
Bündnerfleisch darf «ausländisch» sein
Dass Bündnerfleisch nicht zwingend aus Schweizer Fleisch bestehen muss, hängt mit den geltenden Herkunftsbestimmungen zusammen. Das Produkt ist im Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen und geografischen Angaben (GUB/GGA) eingetragen. Das Pflichtenheft für Bündnerfleisch definiert die Anforderungen an das Produkt und seine Herstellung. Demnach ist es eine «Rohpökelware, hergestellt aus Stotzenfleisch von Tieren der Rindergattung». Das Fleisch muss rechteckig, von fester Textur und im Inneren rot sein.
Das Pflichtenheft schreibt hingegen keine bestimmte Herkunft des Rohfleisches vor. Entscheidend ist vielmehr, dass die vorgeschriebenen Verarbeitungsschritte, darunter das Salzen und Trocknen, «auf dem Gebiet des Kantons Graubünden erfolgen».
Damit darf Bündnerfleisch auch aus importiertem Rindfleisch hergestellt werden, sofern die Vorgaben des Pflichtenhefts eingehalten werden. Die Bezeichnung garantiert somit lediglich die Herstellung im Kanton Graubünden, nicht aber die Herkunft des verwendeten Fleisches.