
Die EU-27-Getreideproduktion wird für 2026 auf rund 264 Millionen Tonnen geschätzt, 6,6 Prozent weniger als Jahr 2025.
Thomas Etzensperger
Auch Eiweisspflanzen behalten trotz leicht geringerer Hektarerträge ihre positive Dynamik bei. Copa-Cogeca betont jedoch, dass die endgültigen Erntemengen stark wetterabhängig bleiben.
Getreide: Rückgang nach Erholung im Vorjahr
Die EU-27-Getreideproduktion wird für 2026 auf rund 264 Millionen Tonnen geschätzt, was einem Rückgang von 6,6 Prozent gegenüber dem Jahr 2025 entspricht. Obwohl die Anbauflächen für die meisten Kulturen voraussichtlich nur geringfügig schrumpfen, drücken niedrigere Erträge in weiten Teilen der EU sowie eine deutliche Reduzierung der Maisanbaufläche auf die Produktionsaussichten. Diese Situation ist teilweise auch auf die aktuelle Düngemittelkrise zurückzuführen, wenngleich deren volle Auswirkungen erst im kommenden Jahr erwartet werden.
Die gesamte Weichweizenproduktion wird voraussichtlich um 4,3 Prozent sinken, Hartweizen um 2,1 Prozent und Gerste um 3,5 Prozent. Den stärksten Rückgang verzeichnet laut Copa-Cogeca der Mais (-13,9 Prozent), bedingt durch eine um 15,2 Prozent verringerte Anbaufläche. Die Entwicklungen in der EU bleiben jedoch regional sehr unterschiedlich: Während einige Gebiete von günstigen Bedingungen profitieren, leiden andere – insbesondere Spanien und Ungarn – unter anhaltender Dürre, Hitzestress und Wasserknappheit, was das Ertragspotenzial massiv einschränkt.
Ölsaaten und Eiweisspflanzen mit Zuwächsen
Erfreulich ist der Ausblick für Ölsaaten. Die Gesamtproduktion der EU-27 wird auf 33,3 Millionen Tonnen geschätzt, 6,8 Prozent mehr als 2025. Die Raps-Produktion soll um 6,4 Prozent steigen, bei Sonnenblumen wird durch Flächenausweitungen und bessere Erträge sogar ein Wachstum von 11,2 Prozent erwartet. Einzige Ausnahme bildet Soja mit einem prognostizierten Rückgang von 4,3 Prozent. Der Dachverband warnt allerdings davor, dass extreme Wetterereignisse wie die schwere Hitzewelle Ende Juni sowie Starkregen und Hagel in einigen Ländern, insbesondere in Deutschland, die Erträge noch dezimieren könnten.
Auch Eiweisspflanzen zeigen 2026 einen positiven Trend. Die EU-27-Produktion wird voraussichtlich 4,0 Millionen Tonnen erreichen, 5,0 Prozentmehr als 2025. Dieses Wachstum wird vor allem durch eine deutliche Ausweitung der Anbauflächen getrieben (Erbsen +4,3 Prozent, Bohnen +7,2 Prozent), die geringere Durchschnittserträge mehr als ausgleicht. Süsslupinen verzeichnen hingegen einen Rückgang von 7,0 Prozent.
Wachsende Klimavulnerabilität
Auch wenn die Getreideernte 2026 über den Niveaus der extrem schwierigen Vorjahre bleiben dürfte, zeigt sie einen deutlichen Rückgang gegenüber der Erholung von 2025. Copa-Cogeca unterstreicht die zunehmende Anfälligkeit der europäischen Landwirtschaft für klimatische Schwankungen.
Um die Ernährungssicherheit weiterhin gewährleisten zu können, sei es von entscheidender Bedeutung, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirte und ihren Zugang zu effektiven Produktionsmitteln zu sichern. Die kommenden Wochen werden entscheidend dafür sein, wie die Ernte 2026 final ausfallen wird.