Der Agrarausschuss des Europaparlaments wirft der Europäischen Kommission Untätigkeit auf dem EU-Schweinefleischmarkt vor und fordert in einem Brief an EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski sofortige marktregulierende Massnahmen.
Da die Intervention von Schweinefleisch in der EU-Marktordnung nicht vorgesehen ist, bleibt als Massnahme zur Stützung der Preise vor allem die Private Lagerhaltung (PLH). Ausserdem müsse die EU-Kommission die EU-Werbekampagnen für Schweinefleisch ausdehnen, um bestehende Absatzmärkte abzusichern und neue zu erschliessen, fordern die Europaabgeordneten in ihrem Brief.
Konzentration bei der Produktion
Dabei kommt der Agrarausschuss des Europäischen Parlaments zu einer sehr viel pessimistischeren Einschätzung der Marktlage als die EU-Kommission. Der erste Fall der Afrikanischen Schweinpest in Norditalien könnte schwerwiegende Folgen haben, wenn der Absatz von Parmaschinken wegbrechen sollte, führt Norbert Lins im Brief an Wojciechowski aus. Die EU-Abgeordneten warnen vor strukturellen Brüchen im Schweinefleischsektor.
Die Untätigkeit der EU-Kommission werde zu einer weiteren Konzentration bei der Produktion führen, mit all den negativen Konsequenzen einer industriellen Schweineproduktion für das Klima und die Umwelt. Wegen des nicht mehr kostendeckenden Preises werden zahlreiche kleine Landwirte ihre Schweineerzeugung aufgeben und die grossen Produzenten ihre Lücken ausgleichen, befürchten die Europaabgeordneten. Die von der EU-Kommission ins Spiel gebrachten Programme der 2. Säule der GAP und die nationalen Beihilfen würden das Problem nicht lösen, sind die EU-Abgeordneten überzeugt.
EU sucht Absatzmärkte
Die EU-Kommission will kommende Woche im Sonderausschuss Landwirtschaft mögliche Massnahmen für den Schweinefleischsektor vorstellen. Gegen die Öffnung der PLH hatte sich Michael Scannell von der EU-Kommission noch vergangenen Dienstag im Agrarausschuss ausgesprochen. Scannell argumentierte mit den kurzen Produktionszyklen für Schweinefleisch und der unternehmerischen Einstellung der Produzenten, was zu einer Beseitigung der Überschüsse bei schlechten Preisen führen müsse.
Die EU-Kommission wolle sich um Alternativen zu China im Export bemühen und sehe gute Chancen in den Philippinen, in Südkorea und in Vietnam. Die Öffnung der PLH gebe die falschen Signale und verzögere die Bereinigung des Marktes, betonte der Kommissionsmitarbeiter im Ausschuss.
