Fenaco: Bauern kritisieren zunehmende Marktmacht

Die Fenaco stehe zunehmend in der Kritik. Wie die «Berner Zeitung» (BZ) berichtet, wächst bei Bauern der Unmut über die Marktmacht des Agrarkonzerns. Erste Genossenschaften hätten sich bereits von der Fenaco gelöst.

egz/blu |

Auch politisch werde Kritik laut: Grünen-Nationalrat und Präsident der Kleinbauern-Vereinigung Kilian Baumann bringe eine mögliche Verstaatlichung ins Spiel. Baumann ziehe Parallelen zu Post, SBB und Swisscom. Angesichts der jährlich rund 3 Milliarden Franken staatlicher Agrarsubventionen müsse man auch bei der Fenaco ähnliche Überlegungen anstellen.

Mit einem Umsatz von rund 7 Milliarden Franken ist die Fenaco in zahlreichen Bereichen der Landwirtschaft tätig. Kritiker werfen ihr vor, mit ihrer Marktstellung die unternehmerische Freiheit der Bauern einzuschränken. In einigen Bereichen habe sich praktisch ein Monopol. Die Fenaco verteidigt sich. Eine gewisse Grösse sei mit wirtschaftlichen Skaleneffekten verbunden, von der am Ende wiederum die Bauern profitierten, sagt das Unternehmen zur Zeitung. Und die Landwirte seien nach wie vor freie Unternehmer.

Im Jura und in der Zentralschweiz haben sich Genossenschaften von der Fenaco unabhängig gemacht. Die jurassische Genossenschaft Agrocentre mit Sitz in Courtételle setzt seit ihrem Austritt auf regionale Produkte und unabhängige Lieferanten. Geschäftsführer Ignace Berret kritisiert gegenüber der BZ die Preise und Anreizsysteme der Fenaco. Dünger von Landor und Futtermittel von UFA seien teurer als Konkurrenzprodukte. Landi-Läden, die ausschliesslich dort einkauften, erhielten am Jahresende eine Rückvergütung. Dies setze die Genossenschaften unter Druck und schränke ihre Wahlmöglichkeiten ein.

Man habe den Austritt aus der Fenaco vor sechs Jahren nicht bereut, sagt Berret zur «Berner Zeitung» . Heute zählt die Genosseschaft 10 Mitarbeitende, sieben mehr als beim Start. Die 80 teilhabenden Bauernbetriebe sorgen für einen Umsatz von drei Millionen Franken. 4000 Produkte wurden aus dem Sortiment entfernt. Der Fokus liegt auf lokale und regionale Produkte. Beim Einkauf haben sich die Landwirte neu organsieren müssen. Sie müssen zwar Dünger und Futter von mehreren Anbietern zusammensuchen, erhalten dafür aber bessere Preise, schreibt die BZ. Berret ist überzeugt, dass eigenständige Genossenschaften künftig an Bedeutung gewinnen werden. 

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