Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung der Fenaco und der Gewerkschaften Syna sowie Unia vom Mittwoch hervor. Der Mindestlohn in den meisten Bereichen steigt demnach um 100 Franken monatlich auf 4100 Franken, ausserdem werde der Einstiegslohn nach Lehrabschluss auf 4250 (EBA) respektive 4350 Franken (EFZ) angehoben.
Längerer Mutterschaftsurlaub
Weiter werde der Mutterschaftsurlaub auf 18 Wochen, der Adoptionsurlaub auf drei Wochen verlängert. Die Anzahl der bezahlten Feiertage steigt laut der Mitteilung von zehn auf elf Tage. Für Mitarbeitende ab 50 Jahren mit mindestens zehn Dienstjahren gelte neu eine Kündigungsfrist von fünf Monaten.
Ein weiteres Augenmerk legt der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) auf «den Schutz der persönlichen Integrität, die Förderung der Gesundheit, die Gewährleistung des Datenschutzes und die Mitbestimmung durch die Mitarbeitenden», wie es weiter heisst. Laut Corinne Schärer, Co-Leiterin Sektor Industrie bei der Unia, äussert sich das in einem Grundsatzartikel, an den konkrete Massnahmen geknüpft sind.
Fenaco muss Gesundheit schützen
Dazu zähle beispielsweise, dass die Mitarbeitenden ihren Arbeitsplan drei statt zwei Wochen im Vorfeld erhalten müssen. Auch sei die Handhabung von Minus- und Plusstunden erstmals definiert, etwa in Form von Kompensationsregelungen. Bisher habe der GAV keine derartigen Bestimmungen ausgewiesen.
Weiter sind die Beschäftigten laut Schärer neuerdings vor Missbrauch durch Überwachungskameras geschützt. Das sei ein wichtiger Fortschritt, denn die Angestellten hätten gegenüber der Unia zum Ausdruck gebracht, dass Überwachungskameras Angst und Stress auslösten.
Tieferer Lohn in Lebensmittelindustrie
Für die Gewerkschaften sei das allgemein ein zufriedenstellendes Resultat, sagt Schärer. Insbesondere beim Lohn gebe es aber aus ihrer Sicht weiterhin Handlungsbedarf. In der Lebensmittelindustrie liege der Mindestlohn mit 4000 Franken weiterhin tiefer als in den anderen Bereichen, erst ab 2027 werde er um 50 Franken angehoben.
Zudem sei die Wochenarbeitszeit mit 42 bis 43 Stunden im Branchenvergleich hoch. In der Lebensmittelindustrie seien die Bedingungen zwar generell nicht einfach, aber «das kann man nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmenden austragen», sagt Schärer zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Die Fenaco beschäftigt rund 11'000 Arbeitnehmende, die in der Lebensmittelproduktion, im Detailhandel sowie im Energie- und Agrarsektor arbeiten. Das Unternehmen betreibt etwa die Landi-Läden, Agrola-Tankstellen und den IT-Anbieter Bison. Knapp 6000 Beschäftigte unterstehen dem GAV. Nicht eingeschlossen sind etwa die Mitarbeitenden der Lebensmittelkette Volg.
