Hunderte Millionen verloren – Migros Zürich verkauft deutsche Tegut

Das verlustreiche Auslandabenteuer geht zu Ende: Die Genossenschaft Migros Zürich (GMZ) zieht sich aus dem deutschen Markt zurück. Sie will ihre Kräfte vollständig auf den Schweizer Markt konzentrieren.

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Migros Zürich will dabei einen wesentlichen Teil der deutschen Supermarktkette Tegut an den deutschen Händler Edeka verkaufen, wie die GMZ am Mittwoch mitteilte.

Edeka übernimmt 300 Filialen

Der Vertrag mit Edeka umfasse einen grossen Teil des Netzes der rund 300 Filialen sowie das Logistikzentrum in Michelsrombach, die Herzberger-Bäckerei und den Betreiber der Teo-Standorte, wie es hiess. Parallel dazu führe Migros Zürich Gespräche mit weiteren Marktteilnehmern über die Zukunft übriger Standorte. Ziel sei es, möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern und Filialen weiterzuführen. Über den Kaufpreis wurde zwischen den Parteien Stillschweigen vereinbart. Die Übergabe der Filialen an Edeka sowie weitere Marktteilnehmer steht noch unter dem Vorbehalt einer Zustimmung durch das Bundeskartellamt, das die wettbewerbsrechtlichen Aspekte der Transaktion prüft.

Die Option einer Gesamtübernahme von Tegut durch einen Händler, der bisher nicht im deutschen Markt präsent ist, habe sich dabei als nicht umsetzbar erwiesen. «Bei den daraufhin vertieften Gesprächen mit Handelsketten aus dem deutschen Markt standen von Beginn weg die Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze und die Fortführung der Filialen im Mittelpunkt der Überlegungen», schreibt Migros Zürich. Betroffen sind über 7400 Angestellte in 340 Filialen, im Logistikzentrum und in der Zentrale im hessischen Fulda.

Über eine halbe Milliarde Verlust

Sparmassnahmen und Effizienzprogramme haben offenbar zu wenig gefruchtet. «Trotz massiven Kosteneinsparungen, die die operativen Verluste der Tegut-Gruppe im vergangenen Jahr um mehr als die Hälfte reduziert haben, verschärfte sich das Marktumfeld in Deutschland weiter und führte zu rückläufigen Umsätzen», schreibt die Genossenschaft. Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, sank der operative Verlust 2025 von 55 auf 26 Millionen Franken. Doch auch der Umsatz nahm ab. In den 13 Jahren, in denen Tegut zur Migros-Familie gehörte, hat die deutsche Biokette nur gerade dreimal einen Gewinn verbuchen können.

Das Auslandabenteuer verursachte der Migros Zürich insgesamt riesige Verluste. Gemäss «Aargauer Zeitung» bleibt nach sämtlichen Abschreibern und den noch zu erwartenden Abwicklungskosten ein Minus von bis zu 600 Millionen Euro (550 Mio. Fr.). 2025 habe die Migros Zürich Forderungsverzichte und Wertberichtigungen von insgesamt 270 Millionen Euro (245 Mio. Fr.) abgeschrieben, schreibt die Zeitung weiter. «Die Gesamtabwicklung führt zu ausserordentlichen Aufwänden, die das Ergebnis der Genossenschaft Migros Zürich und der Migros-Gruppe belasten werden», hält die Migros Zürich in der Mitteilung fest.

Im Hochpreissegment

Die Marke Tegut wird mit dem Verkauf verschwinden. Der Grund: «Die relativ kleine Unternehmensgrösse – der Umsatz von Tegut entspricht gerade mal 2 Prozent des deutschen Detailhandelsumsatzes – und die spezielle Marktpositionierung erschwerten es, sich gegenüber grossen deutschen Handelsketten dauerhaft zu behaupten», schreibt der «Tages-Anzeiger». Tegut ist im Hochpreissegment positioniert. Das Sortiment der Tegut-Filialen umfasst bis zu 23’000 Produkte, darunter viele regionale Lebensmittel. Insgesamt gibt es 4600 Bio-Produkte in den Regalen. Weil die Kundschaft zunehmend preissensitiver wird, wurde das zunehmend zum Problem.

Im November 2024 hat Migros-Zürich-Chef Patrik Pörtig dem Unternehmen eine letzte Chance eingeräumt.  Die Migros entliess am Tegut-Hauptsitz in Fulda rund einen Fünftel der Belegschaft. Bis Ende 2026 müsse eine «signifikante Verbesserung» eintreten. Wenn die deutsche Tochter bis dahin schwarze Zahlen schreibe, habe das Unternehmen eine Zukunft – sonst nicht. An eine Verbesserung glaubt Pörtig nicht mehr. Er zieht der deutschen Tochter den Stecker.

2012: «Nur noch Wachstum im Ausland möglich»

Gegründet wurde die Kette Tegut 1947 von Theo Gutberlet. Damals hiess sie noch Thegu. Wegen einer Namensähnlichkeit mit einer anderen Fuldaer Firma wurde das Unternehmen in Tegut umfirmiert. Die Übernahme von Tegut wurde im Oktober 2012  verkündet. Am 1. Januar 2013 übernahm Migros Zürich schliesslich das Zepter. Der Kaufpreis wurde nicht bekanntgegeben. Der Kauf beschränkte sich auf das Handelsgeschäft von Tegut. Das Industrie- und Landwirtschaftsgeschäft von Tegut blieb in den Händen der Familie Gutberlet.

Im Ausland zu wachsen war damals ein erklärtes Ziel der Migros. Der deutsche Lebensmittelhandel wachse stärker als der schweizerische. «Expansion in der Schweiz ist für die Migros nur noch bedingt möglich», sagte Edi Class, Präsident von Migros Zürich, im November 2012 vor den Medien. Die Expansion im Ausland massgeblich vorangetrieben hat der damalige Migros-Zürich-Chef Jörg Blunschi. Er holte auch die deutsche Alnatura in die Schweiz. Migros Zürich betrieb als Franchisenehmerin rund 25 Bio-Supermärkte. Davon hat sich die Genossenschaft ebenfalls wieder getrennt. Der Franchisevertrag wurde 2025 nicht verlängert, die Läden wurden geschlossen. Blunschi verliess die Migros Zürich bereits im Sommer 2024.

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