Zwischen den Milchpreisen der Sortenkäse gibt es grosse Unterschiede. Die Märkte könnten nicht verglichen werden, heisst es.
Ein Gruyère-AOP-Milchlieferant erhielt 2016 durchschnittlich 79,82 Rp./kg Milch netto ab Hof. Bei einem Emmentaler-AOP-Milchlieferanten betrug der Netto-Milchpreis im Schnitt 60,8 Rp./kg. Dies ist der Milchstatistik 2016 zu entnehmen. Die Milchpreise der übrigen Sortenkäse liegen irgendwo dazwischen.
Wie lässt sich der grosse Preisunterschied von fast 20 Rp./kg zwischen Emmentaler AOP und Gruyère AOP erklären? Jacques Gygax, Direktor von Fromarte, dem Dachverband der gewerblichen Käsereien, sagt, man könne nicht Äpfel mit Birnen vergleichen: «Die Marktstrukturen der verschiedenen Sortenkäse sind sehr unterschiedlich.» So würden etwa das Verhältnis Inlandverkauf zu Export oder die Konkurrenzsituation das Preisniveau der einzelnen Käsesorten stark beeinflussen. «Gruyère AOP wird zu 60 Prozent in der Schweiz verkauft. Vom Emmentaler AOP gehen 70 Prozent in den Export», erklärt Gygax. Da sei es logisch, dass nicht das gleiche Preisniveau möglich sei. Er verweist auch auf andere (Billig-)Käsesorten, wo das Milchpreisniveau noch deutlich unter jenem des Emmentalers liege.
Erstaunlich ist, dass die Exportmengen bei Käsen mit hohem Milchpreis wie Gruyère oder Tête de Moine stabil oder sogar leicht steigend verlaufen, während sie bei Emmentaler und Appenzeller rückläufig sind. Tatsächlich scheint die Verkaufsmenge nicht nur vom Preis abhängig zu sein. Gygax erinnert sich: «2011 wurde beim Emmentaler AOP die Mengensteuerung aufgehoben und der Preis ab Käserei um 2 Fr./kg gesenkt. Die Verkäufe haben deshalb nicht zugenommen.» 2013 wurde diese Preissenkung wieder rückgängig gemacht.
Das Preisniveau der Sortenkäse werde daher zurzeit nicht in Frage gestellt, so Gygax. Man wolle aber bei gleichbleibenden Preisen die Verkaufsmengen von Käsen wie Emmentaler AOP oder Appenzeller wieder erhöhen. Dazu haben die Sortenorganisationen in enger Zusammenarbeit mit Switzerland Cheese Marketing ein Massnahmenpaket erarbeitet. Dieses beinhaltet zum Beispiel mehr Massnahmen am Verkaufspunkt.