Kanadischer Raps: China senkt Zölle

China hat seinen Antidumpingzoll gegen Rapssaat aus Kanada deutlich reduziert. Wie das chinesische Handelsministerium (MOFCOM) mitteilte, wird Canola seit Anfang März und dann für 5 Jahre mit einem Antidumpingzollsatz von 5,9% belegt.

Damit liegt der Zoll auf kanadischen Raps deutlich unter dem zwischenzeitlich geltenden Satz, der infolge eines im vergangenen Herbst festgelegten vorläufigen Antidumpingzolls von 75,8 % insgesamt knapp 85 % betragen hatte.

Weniger Zölle auf E-Autos

Die Volksrepublik kommt damit einer Vereinbarung nach, die bei dem Besuch des kanadischen Premierministers Mark Carney im Januar getroffen wurde. Wie Ottawa seinerzeit verlautete, sagte China zu, ab März die kombinierten Einfuhrzölle auf Rapssaat auf rund 15% des Warenwertes zu senken.

Bei seinem Antrittsbesuch in China kündigte Premierminister Carney zudem an, Kanada werde die Bedingungen für Importe chinesischer Elektroautos verbessern. Das chinesische Antidumpingverfahren gegen Canola fiel zeitlich mit der Entscheidung der damaligen kanadischen Regierung zusammen, Einfuhrzölle auf chinesische E-Autos zu verhängen.

China wichtigster Absatzmarkt

Beobachter hielten bereits damals den Dumpingvorwurf gegen kanadische Rapsbauern für wenig plausibel und gingen daher davon aus, dass es sich um eine Vergeltungsmassnahme gegen die E-Autozölle handelte. Das Vorgehen erinnert an vergleichbare Antidumpingverfahren etwa gegen europäischen Weinbrand, die China ebenfalls nach der Entscheidung der EU-Kommission, E-Autozölle zu verhängen, einleitete.

Vor den Handelsstreitigkeiten setzten kanadische Produzenten jährlich Canolasaat im Wert von umgerechnet rund 2,5 Mrd. Euro im Reich der Mitte ab. China, der weltgrösste Rapsimporteur, war bislang für Kanada der wichtigste Absatzmarkt. Nach Einschätzung von Marktexperte Jost Schliep von der Agravis Raiffeisen AG dürften die neuen Einfuhrbedingungen die Exportfähigkeit kanadischen Rapses nun «zementieren». Wettbewerbsvorteile der potenziellen australischen Konkurrenz, mit der China in den vergangenen Monaten kokettiert hatte, seien damit weitgehend zunichtegemacht worden.

Für denkbar hält der Experte, dass daher in den kommenden Wochen verstärkt australischer Raps in der EU abgesetzt wird. «Jede Tonne kanadischer Raps, der nach China geht, ersetzt automatisch australische Saat, die dann womöglich nach Europa geht», sagte Schliep. Da australischer Raps in grossen Teilen auch GVO-frei ist und daher gut zu den Marktanforderungen in der EU passt, könne man davon ausgehen, dass dies eine Verschiebung der Warenströme nach sich zieht.

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